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Bereit zur Identifikation: Myriam Kohler mit dem ersten Auslesegerät der neu gegründeten Gruppe.

„So etwas zu sehen, tut in der Seele weh“

Hilfe in der Ungewissheit: Geretsriederin gründet Katzenbergung Wolfratshausen-Geretsried

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Die Geretsriederin Myriam Kohler gründete gemeinsam mit  Sabine Kampmann die Katzenbergung Wolfratshausen-Geretsried. Eine erste Bilanz der engagierten Frauen kann sich sehen lassen.  

Wolfratshausen/Geretsried– Eine tote Katze liegt am Straßenrand. Achtlos rauschen die Autofahrer vorbei, kaum einer registriert das Tier. „So etwas zu sehen, tut mir in der Seele weh“, sagt Myriam Kohler. „Es muss doch irgendjemanden gehört haben, wird irgendwo vermisst.“ 

Katzenbergung Wolfratshausen-Geretsried gegründet

Diese Situation, die leider zum Alltag gehört, wollte die Geretsriederin nicht länger hinnehmen und gründete gemeinsam mit Sabine Kampmann und vielen freiwilligen Unterstützern kurzerhand die Katzenbergung Wolfratshausen-Geretsried.

Auslöser war eine rot-weiße Katze, die rund eine halbe Woche neben der B11 zwischen Gelting und Waldram lag. „Nach vier Tagen kam die Katzenrettung aus Rosenheim, um das Tier zu bergen“, erinnert sie sich Kohler. „Jeder, der ein Tier hat, das verschwunden ist, kann sich vorstellen, wie es den Besitzern ergangen sein muss. Die Ungewissheit, der Schmerz über das Verschwinden.“

Die meisten Tiere sind heute gechippt

Heutzutage sind die meisten Tiere – egal ob ein Hund oder eine Katze – gechippt. Den Transponder, er besitzt etwa die Größe eines Reiskorns und enthält eine 15-stellige Nummer, wird vom Tierarzt mit einer Injektionsspritze in die linke Halsseite gesetzt.

Wird ein gechipptes Tier, egal ob tot oder lebendig, gefunden, kann man die Nummer mit Hilfe eines speziellen Geräts auslesen und so einem Besitzer zuordnen. „Einzige Voraussetzung ist, dass es bei Tasso gemeldet ist. Die Registrierung ist kostenlos.“ Tasso wiederum ist ein 1982 gegründetes europäisches Haustierregister mit Sitz in Sulzbach im Taunus. 

Ziel war damals, die sich häufenden Tierdiebstähle aufzudecken und gefundene Tiere ihren Besitzern zurückzubringen. Seit den 80er Jahren ist das Rückvermitteln neben dem Bereich Tierschutz die Hauptaufgabe des Vereins. 2019 waren über 9,4 Millionen Tiere bei Tasso erfasst.

„Wenn wir gerufen werden, fahren wir zum Fundort“

Um möglichst schnell handeln zu können, kaufte Kohler ein Lesegerät. „Wenn wir gerufen werden, fahren wir zum Fundort“, so Kohler. Wir, das sind ehrenamtliche Helfer, die in Zukunft neben einer persönlichen Schutzausrüstung auch mit einem Chiplesegerät ausgestattet werden sollen. Und: „Wenn das Tier angefahren ist und noch lebt, kümmern wir uns selbstverständlich auch darum, dass es zu einem Tierarzt kommt.“

Mit ins Boot geholt haben die beiden engagierten Frauen ebenfalls die Tiertrauer Wolf in Bad Tölz, die zudem über eine Kühlung verfügt und die Polizei und den Bauhof über ihre Arbeit informiert. Für die Zukunft planen Kohler und Kampmann, die Katzenbergung Wolfratshausen-Geretsried auf Vereinsbeine zu stellen, um so auch Spendenquittungen ausstellen zu können. Kohler und ihre Helfer sind rund um die Uhr per Telefon oder WhatsApp unter der Telefonnummer 0 81 71/3 65 38 29 zu erreichen.

Drei Einsätze nach neun Tagen

Neun Tage nach Gründung der Gruppe kann sich eine erste Bilanz bereits sehen lassen. „Drei Einsätze, drei Halterermittlungen. Es soll kein Tier mehr unidentifiziert zur Tierkörperbeseitigung gebracht werden müssen“, sagt Kohler. 

Großes Glück hatte kürzlich eine verletzte Katze, die mitten auf der B11 lag: Phillip Albrecht fand sah Tier - und konnte ihren Besitzer ausfindig machen.   sh

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