+
Kaum sind die Frühblüher durch, machen Gräserpollen Heuschnupfengeplagten das Leben schwer. 

Tipps für alle Pollengeplagten

Jetzt blühen die Gräser: Das hilft bei Heuschnupfen

  • schließen

Jetzt im Mai und Juni blühen Gräser und Roggen. Wir haben Experten gefragt, was Allergiker tun können. 

Bad Tölz-Wolfratshausen Kaum ebbt die Pollenbelastung durch Frühblüher wie Haselnuss, Birke und Erle ab, rollt schon die nächste Front heran: Im Mai und Juni ist die Luft voll von Gräser- und Roggenpollen. Niesattacken, Triefnase und tränende Augen können Heuschnupfengeplagten jeden Aufenthalt im Freien vermiesen. Experten verraten, was hilft.

In der Apotheke finden Allergieopfer ein breites Angebot an Medikamenten: Sogenannte Antihistaminika bremsen die überschießende Immunreaktion des Körpers, die durch den Botenstoff Histamin getriggert wird. Die meisten sind rezeptfrei erhältlich. Josef Blickenberger, Inhaber der Alten und Neuen Hofapotheke in Bad Tölz, empfiehlt seinen Kunden gerne Augentropfen und Nasensprays mit den Wirkstoffen Azelastin oder Levocabastin. Gut verträglich und wirksam seien auch kortisonhaltige Nasensprays, zum Beispiel mit Mometason. Weil Heuschnupfen-Medikamente oft müde machen, sollte man Tabletten am besten abends einnehmen: „Dann schläft man auch besser“, so die Erfahrung des Apothekers, selbst Pollenallergiker.

Wie ein Patient auf ein bestimmtes Präparat reagiert, sei aber individuell sehr unterschiedlich, betont Hautarzt und Allergologe Dr. Andreas Leo Mauerer aus Wolfratshausen: „Wenn man mit den rezeptfreien Medikamenten nicht klarkommt, kann ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel vom Arzt unter Umständen besser helfen.“ Meist handelt es sich dabei um neue Wirkstoffentwicklungen oder höhere Dosierungen.

Auch der Geretsrieder Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Allergologe Dr. Tilman Hilber rät Betroffenen auf jeden Fall zum Arztbesuch: „Statt auf eigene Faust Medikamente zu nehmen, sollte man einen Allergietest beim Allergologen machen. Dann kann man eine Hyposensibilisierung durchführen, den Körper also an das Allergen gewöhnen.“ Denn: Unbehandelt entwickelt sich aus dem vermeintlich harmlosen Heuschnupfen häufig ein Asthma.

Auch interessant: 13 Wintermythen: Wir stellen sie auf den Prüfstand

Die Hyposensibilisierung erfolgt durch monatliche Spritzen oder täglich einzunehmende Tabletten oder Tropfen, die den Allergieauslöser in langsam steigenden Dosen enthalten. Dadurch soll das Immunsystem lernen, dass die vermeintlich schädliche Substanz in Wirklichkeit keine Gefahr bedeutet. Der geeignete Zeitpunkt für den Beginn der Behandlung ist allerdings in der beschwerdefreien Zeit vor der Pollensaison, erklärt Hilber. In der Regel müsse man sie drei Jahre lang fortführen, um eine deutliche Besserung zu erzielen.

Naturmediziner setzen auf ganzheitliche Behandlung

Naturmediziner wie Manfred Bocksch setzen auf eine ganzheitliche Behandlung. „Für mich ist die Frage: Wo kommt die Allergie her?“, erläutert der Facharzt für Allgemeinmedizin, der seit über 30 Jahren eine naturheilkundlich orientierte Praxis in Wolfratshausen betreibt. Er hält das Immunsystem des Darms für einen wichtigen Ansatzpunkt: „Durch eine Sanierung der Darmflora lassen sich die Symptome bei vielen Patienten deutlich verringern.“ Gute Erfolge erzielt er zudem mit einer Eigenbluttherapie: „Etwa 60 bis 70 Prozent meiner Patienten sprechen darauf an.“ Eine Übersäuerung des Körpers könne ebenfalls dazu beitragen, dass unerwünschte Immunreaktionen überhandnehmen. Zur Behandlung der Beschwerden und zur Vorbeugung empfiehlt Bocksch Schwarzkümmelöl, das in Kapselform erhältlich ist. Eine „ganz hohe antiallergische Kompetenz“ habe darüber hinaus das Spurenelement Zink. Antihistaminika verteufelt der Naturheilkundler trotzdem nicht: „Manche meiner Patienten brauchen sie noch als Notfallmittel bei besonders starken Beschwerden.“

Einig sind sich alle Experten, dass die Zahl der Allergien zugenommen hat. Immer häufiger tritt Heuschnupfen auch bei 70- oder 80-Jährigen neu auf, sagt Hilber. Über die Ursache könne man nur spekulieren: Umweltchemikalien, Feinstaub, Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln? „Unser Körper muss sich mit immer mehr fremden Substanzen auseinandersetzen“, so Hilbers Erklärung. Was gefährlich ist und was nicht, könne das Immunsystem dann wohl manchmal nicht mehr entscheiden.

cw

Lesen Sie auch: Leiter der Unfallchirurgie verlässt Wolfratshausen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Egerlandstraße: Stadt trifft Vorbereitungen für Bau der Tiefgarage
2020 wird sich die Großbaustelle im Stadtzentrum vom Karl-Lederer-Platz an die Egerlandstraße verlagern. Vorher müssen noch alte Leitungen weichen.
Egerlandstraße: Stadt trifft Vorbereitungen für Bau der Tiefgarage
So lebt es sich auf einem Zweimaster im Mittelmeer
Einen ungewöhnlichen Wohnort hat Rony Haynes. Der ehemalige Waldramer ist auf einem fast 100 Jahre alten Segelschiff zuhause, das im Mittelmeer kreuzt.
So lebt es sich auf einem Zweimaster im Mittelmeer
„Die chinesische Nachtigall“: Musikschule erzählt das Märchen vom Technikwahn
Die Musikschule hat das Kindermusical „Die chinesische Nachtigall“ in der Loisachhalle aufgeführt. Das Märchen nach Hans Christian Andersen handelt von einer Welt des …
„Die chinesische Nachtigall“: Musikschule erzählt das Märchen vom Technikwahn
Richter verdonnert 17-Jährige zu drei Wochen Dauerarrest 
Amtsrichter Urs Wäckerlin reichte es: Er schickte eine uneinsichtige, vorbestrafte Diebin in den Arrest.
Richter verdonnert 17-Jährige zu drei Wochen Dauerarrest 

Kommentare