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Die Volkshochschulen haben schwere Zeiten hinter sich. Nun läuft der Betrieb mit den geltenden Abstands- und Hygienevorschriften wieder an.

Eingeschränktes Kursangebot

In der Krise halten Kunden der VHS die Treue

  • vonPeter Borchers
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Nach den Lockerungen läuft der Betrieb in den Volkshochschulen wieder - aber eingeschränkt.   

Wolfratshausen/Geretsried – Es liegt in der Natur der Volkshochschulen (Vhs), dass unter ihrem Dach viele Menschen auf oft engem Raum zusammenkommen. Sie lernen gemeinsam, sind kreativ oder sporteln. Insofern zählen die Einrichtungen der Erwachsenenbildung zu den Verlierern der Corona-Krise. Während des Lockdowns waren sie komplett geschlossen. Und auch jetzt – nach den Lockerungen – läuft der Vhs-Betrieb mit einigen Einschränkungen.

Christine Hohnheiser Leiterin der Vhs Wolfratshausen

Die finanziellen Einbußen könne ihr Haus „leider nicht mehr aufholen“, schrieb Christine Hohnheiser Anfang Juni in einem Rundbrief, „und ein Fortbestehen ist im Moment sogar gefährdet“. Die Geschäftsführerin der Wolfratshauser Vhs rechnete allerdings nicht mit der Solidarität der angeschriebenen Teilnehmer. IhrerBitte, die Kunden mögen auf die Rückzahlung ihrer Gebühren verzichten, sollten ausgefallene Kurse nicht vollständig nachgeholt werden können, kamen viele nach – „viel mehr, als wir gehofft haben“. Deswegen sehe es nun „wieder viel besser aus“. Von den Spenden abgesehen erhielt Hohnhauser „sehr viele nette Rückmeldungen. Die Leute haben betont, wie gerne sie unsere Kurse besuchen, und dass die unbedingt weitergehen müssen.“

Die Einrichtung hat ihr Angebot den geltenden strengen Hygienevorschriften angepasst. „Wir müssen hohe Mindestquadratmeterzahlen pro Teilnehmer einhalten“, sagt Hohnheiser. In normal für zwölf Menschen geeigneten Räumen dürfen sich aktuell nur sechs aufhalten. Das gelte insbesondere für die Bewegungsangebote. „Übergangsweise teilen wir diese Kurse und lassen sie im 14-tägigen Rhythmus stattfinden“, so die Geschäftsführerin. Somit kämen die Kunden wenigstens in den Genuss der Hälfte der ursprünglichen Stundenzahl. Wer glaubt, die Leute würden nach der Wiedereröffnung zögerlich in die Kurse zurückkehren, der irrt übrigens. „Die meisten haben mit den Hufen gescharrt“, sagt Hohnheiser, denn ganz vielen gehe es auch um den sozialen Kontakt. „Das ist übrigens ein Grund, warum viele keine Online-Kurse wollten. Auf unsere Umfragen in dieser Hinsicht war die Resonanz eher gering.“

Das Programm fürs Herbst-/Wintersemester, das eigentlich schon stand, müssen Christine Hohnheiser und ihre Kollegen überarbeiten, weil sich an den bestehenden Hygieneregeln so rasch nichts ändern dürfte. „Ein Kraftakt“, sagt die Geschäftsführerin. Der „auf jeden Fall deutlich reduziertere“ Plan soll bis Ende Juli fertig sein.

In den Kursen der Geretsrieder Vhs kommen nach der Wiederaufnahme des Betriebs am 15. Juni selbstredend die gleichen strengen Abstands- und Hygieneregeln zum Tragen wie in der Nachbarstadt. Der Bayerische Volkshochschulverband habe dazu eine Checkliste mit einer Vielzahl an Handlungsempfehlungen veröffentlicht, sagt Thomas Loibl, Pressesprecher im Geretsrieder Rathaus. Die Vhs-Leitung und die jeweiligen Dozenten kümmern sich um deren Einhaltung.

Derzeit finden 18 Sprachkurse ihre Fortsetzung, die vor der Corona-Krise begonnen hatten. Zudem laufen zwei Trommel-, zwölf Sport- und Gesundheitskurse mit Präsenz sowie sechs virtuelle Yoga-Kurse. Das Online-Angebot sei während des Lockouts „sehr gut angenommen worden“, sagt Loibl, „es hat der Vhs in dieser Zeit sehr geholfen“. Ob es künftig im Portfolio bleibt, müsse laut Vhs-Leitung jeder Dozent für sich entscheiden, denn Kursinhalte digital aufzubereiten, das sei sehr arbeitsintensiv.

Nach dem Lockdown hat sich die Geretsrieder Vhs-Leitung natürlich ums Thema Finanzen Gedanken gemacht. Konnten Kurse nicht beendet werden, gab es zwei Möglichkeiten: die teilweise Rückerstattung der Gebühr oder eine Gutschrift für künftige Buchungen. Letzteres bedeutete laut Loibl organisatorisch einen deutlichen Mehraufwand, „weil man tatsächlich mit jedem Kursteilnehmer direkt Kontakt aufgenommen hat, um abzuklären, was für ihn der jeweils beste Weg ist“.

Tatsächlich entschied sich die große Mehrheit für eine Gutschrift. Loibl: „Das erspart der Vhs eine Menge Rückzahlungen, verschiebt die Auswirkungen auf die Einnahmesituation aber natürlich nur aufs Herbstsemester.“ Die aktuellen Zahlen: Fürs Frühjahrssemester habe man mit Einnahmen von 87 500 Euro gerechnet. Tatsächlich stehen etwa 42 000 Euro zu Buche, erwartet werden weitere 20 000 Euro. „Sie sehen also, da bleibt ein Delta.“

Trotzdem sei Vhs-Leiterin Beate Ruda froh, wie großartig und flexibel sich alle Beteiligten in der Krise verhalten hätten, betont Rathaussprecher Loibl. Sowohl den Dozenten als auch den Kursteilnehmern müsse man danken „für ihre Geduld, ihre Unterstützung, ihr Verständnis und ihre Treue. Das ist nicht selbstverständlich“.

peb

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