1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Wolfratshausen

Energiekrise: Wie Kommunen Strom sparen

Erstellt:

Von: Susanne Weiß

Kommentare

2600 Leuchtstellen gibt es in der Stadt Geretsried. Ampeln und die meisten Straßenlaternen sind auf LED umgerüstet. Funksteuerung und Dämmerungsschalter sorgen für geringere Stromkosten und schützen Insekten. Rathaus und Kirche werden nicht mehr angestrahlt In Turnhallen wird’s vielleicht kühler „Werden die Lage weiter beobachten“
2600 Leuchtstellen gibt es in der Stadt Geretsried. Ampeln und die meisten Straßenlaternen sind auf LED umgerüstet. Funksteuerung und Dämmerungsschalter sorgen für geringere Stromkosten und schützen Insekten. Rathaus und Kirche werden nicht mehr angestrahlt In Turnhallen wird’s vielleicht kühler „Werden die Lage weiter beobachten“ © dpa

In Geretsried werden Rathaus und Kirche nachts nicht mehr angestrahlt. Die Kommunen im Nordlandkreis sparen aber nicht nur in Zeiten der Energiekrise Strom.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Bürger sind angehalten, kürzer zu duschen, weniger zu heizen und Strom zu sparen. In Zeiten der Energiekrise zählt jede Kilowattstunde. Das sehen auch Kommunen wie Nürnberg so. Die Stadt hat drei von vier Hallenbädern über den Sommer geschlossen. Im hessischen Lahn-Dill-Kreis können Sportler nur noch kalt duschen. Das warme Wasser an Schulen und in Turnhallen wurde abgedreht.

Vereinsmitgliedern in Geretsried blüht Letzteres nicht. „Das könnte nur einen Verlagerungseffekt ins Private nach sich ziehen“, erklärt Thomas Loibl, Pressesprecher im Rathaus, nach Rücksprache mit der städtischen Energiemanagerin Roswitha Foißner. Im Rathaus dagegen gibt es warmes Wasser nur noch zum Putzen. Ihre Hände waschen die Mitarbeiter und Besucher mit kaltem Wasser.

Wolfratshausen/Geretsried: Kommunen sparen nicht nur wegen Energiekrise Strom

Überhaupt profitiere die Kommune davon, dass bereits in den vergangenen Jahren mit einem Energieeffizienzkonzept gearbeitet wurde. Ein Beispiel: „Die Energiekosten bei der Straßenbeleuchtung sind dank Umstellung seit 20 Jahren gleich, obwohl sich die Stromkosten in dem Zeitraum mehr als verdoppelt haben.“ Dennoch sorge die Energiekrise dafür, dass die Stadt nach weiteren Optimierungsmöglichkeiten suche, so Loibl.

Um in diesen Zeiten ein Zeichen, „wenn auch kleines“, zu setzen, hat Geretsried die Leuchten an zwei öffentlichen Gebäuden ausgeschaltet. Vorerst werden das Rathaus und die Geltinger Kirche St. Benedikt abends nicht mehr angestrahlt. Im Hallenbad hätten die Stadtwerke gemäß der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen die Raum- und Wassertemperatur um zwei Grad gesenkt. Im August bleibt die Einrichtung aber ohnehin wegen Revisionsarbeiten geschlossen. „Auch hier wird diskutiert, wie diese möglichst energiesparend umgesetzt werden können“, sagt Loibl.

Heizprogramme an Schulen und in Kindergärten werden optimiert

Weiterer Großverbraucher ist das Eisstadion, das die Stadt an den Verein ESC Sportstadion verpachtet hat (wir berichteten). Der Eishockeyverein zahlt für die Nutzung und bekommt dafür wiederum Förderung von der Stadt. Insofern gibt Loibl den eindeutigen Appell von Bürgermeister Michael Müller weiter, dass der Verein alle Möglichkeiten zum Energiesparen ausschöpfen möge.

Was Schulen und Kindergärten angeht, arbeite Geretsried schon länger mit Heizprogrammen. „Unsere Energiemanagerin geht gerade durch, ob die Heizkurven noch stimmen“, sagt Loibl. Hier setzt auch der Landkreis an, der mit den weiterführenden Schulen besonders viele Liegenschaften besitzt. Die Überlegungen, wie hier kurzfristig mehr Energie gespart werden könnte, laufen nach Worten von Landratsamt-Sprecherin Sabine Schmid noch.

Zuletzt habe das reichliche Lüften aus Infektionsschutzgründen zu einem „extrem angestiegenen Lüftungswärmeverlust und damit zu einer Heizenergiesteigerung“ geführt. „Wird der nächste Herbst und Winter die gleichen pandemischen Entwicklungen zeigen, wird sich nicht viel bewegen lassen“, meint Schmid. „Der Verbrauch wird hoch bleiben, ohne dass die Mindestanforderungen an die Raumtemperaturen eingehalten werden können.“

Trotzdem kündigt die Behörden-Sprecherin an, dass der Landkreis an allen Schulen versuchen werde, so weit wie möglich zu sparen, zum Beispiel durch „noch konsequentere Temperaturabsenkungen an Wochenenden und in den Ferien“.

Mitarbeiter sind angehalten, auch im Berufsalltag Strom zu sparen

In Frage komme zudem „die Reduzierung der Solltemperaturen in den Turnhallen“. Auch sei denkbar, die regenerativen Wärmeerzeuger – also die Heizkraftwerke – in Bad Tölz, Icking und Geretsried „im technischen Grenzbereich laufen zu lassen“, um beim Heizen den Anteil an Hackschnitzel und Pellets zu erhöhen.

„Die Stadt Wolfratshausen arbeitet derzeit an einem Konzept und Maßnahmenplan“, teilt Umwelt- und Klimaschutzmanagerin Vivian Horngacher mit. Es müsse aber zunächst dem Stadtrat vorgestellt werden. Beispielsweise durch die Einführung einer Energiemanagementsoftware für die städtischen Liegenschaften könnten der jeweilige Verbrauch beobachtet, Energiespitzen zugeordnet und Maßnahmen zur Energieeinsparung abgeleitet werden. Grundsätzlich seien alle Mitarbeiter angehalten, nicht nur im Privatleben, sondern auch im Berufsalltag Energie einzusparen. „Das beginnt bereits mit kleinen Maßnahmen wie dem Ausschalten von Beleuchtung, PCs und Bildschirmen beim Verlassen des Büros“, so Horngacher.

„Werden die Lage weiter beobachten“

Das ist in der Gemeinde Icking ebenfalls Usus. „Da ist ein gewisses Selbstverständnis da“, berichtet Bürgermeister Verena Reithmann. Überflüssige Kühlschränke würden ausgesteckt, Warmwasser gebe es nur bei Bedarf, und in der Übergangszeit werde selbstverständlich im Pulli gearbeitet, damit die Heizung möglichst lange ausbleiben kann. Allgemein sei das vor zehn Jahren sanierte Rathaus energetisch auf gutem Stand. „Wir sind nur in der Spitzenlast auf Gas angewiesen“, erklärt Reithmann. Damit auch die Grundschule, Kindergarten und Turnhalle davon wegkommen, solle das Trio an die Hackschnitzelheizung des Gymnasiums angeschlossen werden. Bis auf den Kindergarten in Dorfen, der im Herbst nachgerüstet wird, seien alle kommunalen Liegenschaften mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet. Reithmann: „Davon profitieren wir jetzt.“

In Münsingkomme Gas dank Nahwärme nur im Notfall zum Einsatz, sagt Bürgermeister Michael Grasl. Damit, mit sparsamen Fahrzeugen am Bauhof und LED-Laternen sieht er die Kommune gut aufgestellt. Grasl: „Ich sehe keine Veranlassung zu Schnellschussmaßnahmen. Wir werden die Lage weiter beobachten.“

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare