Annekatrin Schulz mit einem historischen Kontrabass
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Sie schätzt alte Schätze: Kunsthistorikerin Annekatrin Schulz (50) ist die neue Leiterin des Heimatmuseums im städtischen Gebäude am Untermarkt 10.

„Eine sehr schöne Aufgabe“: Annekatrin Schulz ist neue Leiterin des Heimatmuseums

Die Liebe zum alten Wolfratshausen

  • vonDominik Stallein
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Derzeit ist das Heimatmuseum geschlossen, im Hintergrund wird aber geplant. Annekatrin Schulz ist neue Chefin der Einrichtung. Sie plant ein lebendiges Museum.

Wolfratshausen – Beim Blick in das Büro von Annekatrin Schulz Büro erkennt man schnell, worin ihre Arbeit besteht und wofür ihr Herz schlägt: Da ist ein uralter Kontrabass, auf dem Schreibtisch stehen historische Krüge, unter dem Tisch lagern Gemälde aus vergangenen Jahrhunderten. Seit Anfang des Jahres ist Schulz neue Leiterin des Heimatmuseums. Weil das aber wegen Umbaus geschlossen ist, verbringt die 50-Jährige viel Zeit am Schreibtisch.

Wir wollen weniger Exponate präsentieren, aber zeitgemäß an interaktiven Stationen und für alle Sinne erlebbar machen“

Annekatrin Schulz

Als „eine sehr schöne Aufgabe“ beschreibt sie ihren täglichen Umgang mit den Relikten der Vergangenheit. Gerade jetzt, in ihren ersten Wochen in neuer Funktion, sind viele wichtige Weichenstellungen vorzunehmen. Das Museum soll im Herbst 2022 neu eröffnen – und bis dahin ein moderneres Antlitz erhalten. Der Grundgedanke: „Wir wollen weniger Exponate präsentieren, aber zeitgemäß an interaktiven Stationen und für alle Sinne erlebbar machen“, so Schulz. Nun muss eine Auswahl erfolgen, um die „lange Geschichte Wolfratshausens in möglichst allen Facetten“ zu präsentieren. Natürlich sei das aufwändig. „Aber es macht mir viel Spaß, so tief in die Stadtgeschichte einzutauchen“, sagt die Mutter dreier Kinder.

Die Kunst des Weglassens ist gefragt

Die Möglichkeit, ein Stadtmuseum von Grund auf neu zu konzipieren, ist für Schulz eine „wunderbare Herausforderung“. Auch deshalb, weil sie sich zwischen vielen tollen Exponaten entscheiden muss. „Das Depot ist randvoll“, erzählt sie. Nur ein Bruchteil der über Jahrhunderte angehäuften Schätze könne in der künftigen Dauerausstellung gezeigt werden. Deshalb möchte die Kunsthistorikerin alles Andere in Sonderausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich machen. „So könnten wir es schaffen, dass Menschen das Museum häufiger besuchen und nicht nach einem Rundgang alles schon kennen.“ Im umgebauten Untermarkt 10 steht künftig dafür erstmals ein Multifunktionsraum zur Verfügung: „Das schafft ganz andere Möglichkeiten.“

Schulz hat bereits ein Museum maßgeblich mitgestaltet

Die Konzeption einer Dauerausstellung ist für Schulz kein Neuland. In Wolfratshausen gibt es bereits ein Museum, an dem sie maßgeblich mitgewirkt hat: Beim Badehaus Waldram gehörte sie zum Team, das das inhaltliche Konzept entwarf. „Das war eine Erfahrung, die mir heute sehr hilft“, sagt sie. Kontakte und Hintergrundwissen von damals nutzt sie auch heute noch.

Ihre Leidenschaft für das alte Wolfratshausen bringt Schulz seit Jahren auch im Historischen Verein mit ein, wo sie als Beisitzerin dem Vorstand angehört. Bei Führungen des Vereins lässt sie gerne Besucher an ihrem Wissen teilhaben. „Ich freue mich schon darauf, Menschen durch das neue Heimatmuseum zu führen“, sagt sie. Bevor sie die Museumsleitung übernommen hat, hat sie „als Mädchen für alles“ unter anderem Führungen durch die Räumlichkeiten geleitet. Auch beim Tag des Offenen Denkmals, etwa in der ehemaligen Happschen Apotheke, wirkte sie mit.

Schulz hat viele Pläne für das Gebäude am Untermarkt 10: „Zu vielen Themen kann man Vorträge organisieren“, sagt sie. Oder zusammen mit Schülern und Studenten, die an einer Arbeit schreiben, recherchieren und die Ergebnisse in bunten Veranstaltungsabenden vorstellen. „Wichtig ist mir, dass wir das Museum mit Leben füllen“, beschreibt sie ihre Motivation. Vor der Schließung waren die Besucherzahlen in der städtischen Einrichtung „relativ niedrig“. Durch längere Öffnungszeiten – beispielsweise mehr Besuchsmöglichkeiten am Wochenende und nachmittags – möchte Schulz mehr Wolfratshauser auf den Rundgang durch die Stadthistorie mitnehmen.dst

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