Unwetter in Wolfratshausen
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Heftige Gewitter mit Starkregen und Hagel zogen am Montagabend über die Region Wolfratshausen.

Mehr als 110 Feuerwehr-Einsätze

Extremes Hagelgewitter verwüstet Region Wolfratshausen - Schaden wohl in Millionenhöhe

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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Ein extremes Hagel-Gewitter hat am späten Montagabend in Wolfratshausen und Geretsried schwere Verwüstungen angerichtet. Der Sachschaden, vermutet Versicherungsexperte Alois Hämmerl, „wird in die Millionen gehen“.

Wolfratshausen/Geretsried - Manche Menschen neigen gerne zu Übertreibungen. Doch die Hagelklumpen, die am späten Montagabend aus den dunklen Wolken auf die Erde schossen, „waren definitiv so groß wie Golfbälle“, sagt Stefan Kießkalt, Sprecher der Kreisbrandinspektion Bad Tölz-Wolfratshausen. Der materielle Schaden, den das Unwetter im Norden des Landkreises anrichtete, kann noch nicht beziffert werden, ist aber immens.

Schwere Gewitter über der Region Wolfratshausen: Immenser materieller Schaden

Fest steht: „Verletzt wurde niemand“, so Kießkalt gegenüber unserer Zeitung. Mehr als 110 Einsätze zählte der Feuerwehrsprecher in der Nacht auf Dienstag, „mehr als 70 davon allein in Wolfratshausen“. Gegen 21.15 Uhr braute sich das Unheil über den Köpfen der Flößerstädter zusammen. Es entlud sich kurz darauf krachend mit Blitz, Donner, Hagel und sintflutartigem Starkregen. Die Folgen: „Unzählige durchschlagene Dachfenster, beschädigte Dächer, Wassereintritte in Gebäuden, demolierte Fahrzeuge und umgestürzte Bäume hielten die Feuerwehren in Atem“, bilanziert Kießkalt. Vor allem gefordert waren die Freiwilligen Feuerwehren aus Wolfratshausen und dem Stadtteil Weidach.

Abgefallene Äste, Zweige und Blätter bedeckten nach dem Unwetter die Straßen.

Unwetter in Bad Tölz-Wolfratshausen: Feuerwehr vor allem in Weidach und Wolfratshausen gefordert

In solch einer Situation, in der die Notrufe im Minutentakt eingehen, „muss man priorisieren“, erklärt der Feuerwehrsprecher. So schlimm es für den Einzelnen sei, wenn (wie bei der Gärtnerei Josef Holzer in Geretsried-Gelting geschehen) Gewächshäuser zerstört werden: „Priorität haben Wohnhäuser“ - und natürlich die Kreisklinik. In der Einrichtung am Moosbauerweg durchschlugen die Hagelkörner im Bereich der Notaufnahme die Dachkuppel. Die Feuerwehr dichtete die Löcher ab und trocknete die Patientenflure.

Klinik-Geschäftsführer Ingo Kühn konkretisiert: „In der Notfallambulanz gibt es mehrere Lichtschächte. Die Plastikkuppeln wurden durch den Hagel zertrümmert, das Regenwasser konnte in die Räume CT, Röntgen und Notambulanz eindringen.“ Aufgrund des Wasserschadens im CT-Bereich und in einem Teilbereich der Röntgenabteilung „musste die Kreisklinik von der Leitstelle abgemeldet werden“. Das CT-Gerät ist laut Kühn bereits von einem Techniker gewartet worden, das Krankenhaus wieder bei der Integrierten Leitstelle in Weilheim angemeldet.

Hagelgewitter zieht über Wolfratshausen: Schwanenfamilie in Not - ein Jungtier stirbt

Zu den vielen Einsätzen zählte auch ein tierischer: „Eine Wolfratshauser Schwanenfamilie war in Not geraten, die Kameraden haben sofort die Tierrettung Oberland alarmiert“, weiß Kießkalt. Zwei Jungtiere konnten verletzt gerettet werden, eines starb, ein viertes trieb mit den Schwaneneltern die tosende Loisach hinab. Über ihr Schicksal war bis Redaktionsschluss nichts bekannt.

Auch in Geretsried, Gelting und in den Gemeinden Münsing, Icking, Eurasburg, Dietramszell sowie Egling mussten die Wehren ausrücken. Kießkalt: „Unterm Strich waren die Kameraden aus Wolfratshausen, Weidach, Münsing, Holzhausen, Degerndorf, Geretsried, Gelting, Neufahrn, Deining, Eurasburg, Herrnhausen, Dorfen, Icking und Ascholding gefordert. Summa summarum rund 150 bis 180 Männer und Frauen.“ Für die letzten Ehrenamtlichen war die stürmische Nacht erst um 3.15 Uhr beendet.

„Es war ein außergewöhnliches Wetterereignis“, urteilt Kießkalt. Die Hagelkörner, die minutenlang vom Himmel herabschlugen, „hatten gut vier, fünf Zentimeter Durchmesser“, so der Eglinger. „Das war ganz ordentlich.“ Nach seiner Einschätzung „war das ein sehr, sehr extremes Unwetter“.

„Außergewöhnliches Wetterereignis“: Hagelkörner mit fünf Zentimeter Durchmesser

Das können Hunderte Betroffene in Wolfratshausen, Geretsried und näherer Umgebung zu ihrem Leidwesen bestätigen. Die golfball-großen Hagelkörner zerfetzen unter anderem Schwimmbadabdeckungen und Gartenmöbel, durchschlugen Pkw-Front und -Heckscheiben, ließen Dachfenster wie Eierschalen aufplatzen, beschädigten Dachziegel und Solaranlagen. Das Dach des Seminargebäudes St. Matthias in Waldram wurde so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass Feuerwehr und Technisches Hilfswerk am Dienstagmittag „ein Notdach aufbringen mussten“, berichtet Kießkalt.

Das Dach des Seminargebäudes St. Matthias in Waldram bekam nach dem Unwetter erst einmal ein Notdach.

Böse erwischt hat es die Autohäuser, die zahlreiche Neu- und Gebrauchtwagen auf ihren jeweiligen Freigeländen präsentieren. Noch ungezählte Blechkarossen gleichen nun Kraterlandschaften, die Autoscheiben sind ein klarer Fall für „Carglass repariert“. Bei diesem Dienstleister in Geretsried und dessen Branchenkollegen klingelten die Telefone schon ab Dienstagmorgen Sturm. Einen zeitnahen Termin fürs Dellen-Entfernen beziehungsweise die Scheibenreparatur gibt‘s nicht mehr. Auch Gutachter sind aktuell sehr gefragt.

Die Höhe des Sachschadens, den das Unwetter anrichtete, können weder Feuerwehr noch Polizei derzeit angeben. Das gesamte Ausmaß ist voraussichtlich erst in ein paar Tagen ersichtlich. Alois Hämmerl, Leiter der Ergo-Versicherungsagentur in Wolfratshausen, spricht aus Erfahrung, wenn er sagt: „Das geht in die Millionen“, vielleicht „wird‘s sogar ein zweistelliger Millionenbetrag.“

Unwetter in Wolfratshausen und Geretsried: Zahlreiche Wagen von Autohäusern beschädigt

Auch die Einsatzkräfte blieben nicht verschont: „Die Frontscheibe eines Fahrzeuges der Verkehrspolizei Weilheim wurde während eines Einsatzes im Dienstbereich der Polizeiinspektion Geretsried durch Hagel stark beschädigt“, so eine Sprecherin der Geretsrieder Dienststelle. In der größten Stadt im Landkreis kam es nach ihren Angaben zu Wassereinbrüchen in Wohngebäude, insbesondere im Bereich des Blumenviertels. „Hier wurde auch ein herumfliegendes Trampolin gesichtet, das der Besitzer jedoch wieder einfangen konnte“, so die Beamtin.

Der 29 Jahre alte Fahrer eines Motorrollers, der vom plötzlich einsetzenden extremen Hagelschlag überrascht wurde, hatte Glück im Unglück: Der Wolfratshauser ließ sein Zweirad an der B11 auf Höhe Buchberg Hals über Kopf im Stich - und ein zufällig vorbeikommender Autofahrer bot ihm eine sichere Zuflucht in seinem Wagen .Kießkalt hatte am Dienstag immerzu die Infos des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im Blick. „Wir bekommen etwas mehr, als der ,normale‘ Bürger bekommt.“ Es sei zu befürchten, „dass es am Abend nochmal losgeht“, so der Eglinger. (cce)

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