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Majestätischer Anblick: Der 150 Jahre alte Haselnussbaum auf dem Kreisklinikgelände darf bleiben – vorerst. 

Wolfratshauser Kreisklinik

Gnadenfrist für den Haselnussbaum

Es ist eine Nachricht, die viele Wolfratshauser freuen wird: Der Haselnussbaum auf dem Geländer Kreisklinik ist gerettet – wenigstens vorläufig.

Wolfratshausen – Immerhin 834 Bürger hatten sich vor rund zweieinhalb Jahren mit ihrer Unterschrift dafür stark gemacht, dass der Baum nicht der Säge zum Opfer fällt. Damals stand der Bau eines Gesundheitszentrums im Raum. Um Platz für das Vorhaben zu schaffen, hätte der gut 150 Jahre alte sibirische Haselnussbaum im Klinikpark gefällt werden müssen.

Jetzt wird der Wunsch der Bürger erfüllt, wenn auch aus anderen Gründen. Der Kreistag hat zwar der Errichtung einer psychiatrischen Tagesklinik zugestimmt. Aber dafür wird nicht das ursprünglich vorgesehene Grundstück benötigt“, teilt Landrat Josef Niedermeier auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Der Baugrund hat sich verschoben, die Hasel bleibt stehen.

Allerdings ist das keine Garantie für die Zukunft: Wie berichtet strebt die Wolfratshauser Kreisklinik eine Kooperation mit dem Klinikum Starnberg an, um die Geburtenstation in der Loisachstadt zu stärken. „Wenn in diesem Zuge die räumlichen Kapazitäten nicht mehr ausreichen, steht ein Anbau wieder zur Debatte“, sagt Niedermeier, Aufsichtsratschef Klinik. Dieser Anbau könnte dann doch das Ende des Haselnussbaumes einläuten.

So weit in die Zukunft denkt Herrmann Böcking noch nicht, der die Unterschriftenaktion initiiert hatte. Er erfährt erst durch die Recherche unserer Zeitung von seinem Erfolg. Er ist sicher: „Die vielen Unterschriften haben einen Beitrag zum Erhalt des Baumes geleistet.“ Warum das Landratsamt nicht offensiver mit dieser guten Nachricht umgegangen ist und niemand den Unterschriftensammler über den Fortleben des Baumes informiert hat, kann er nicht nachvollziehen. „Das wäre ein positives Marketing.“ Obendrein hätte die Mitteilung dem Wolfratshauser einige Sorgen erspart: „Wir hatten in den letzten Wochen Angst, dass der Baum im Oktober gefällt wird.“ Zu diesem Zeitpunkt endete nämlich die Schonzeit für brütende Vögel, in der es verboten ist, Bäume zu fällen. Mit Ablauf der Sperre hätte die Hasel fallen können.

Seinen Kampf für den Baum möchte Böcking fortsetzen. Und für eine gesetzliche Regelung: „Es gibt in Wolfratshausen immer noch keine Baumschutzverordnung“, bemängelt er. Eine solche müsste der Stadtrat beschließen. Die Verordnung würde regeln, dass Bäume nicht ohne eine Genehmigung gefällt werden dürfen. Mit einem Vorwurf wurden Böcking und seine Mitstreiter immer wieder konfrontiert: „Uns wurde unterstellt, dass wir dagegen sind, die Klinik weiterzuentwickeln.“ Diese Anschuldigung sei jedoch falsch. „Es ging uns bei den Unterschriften nur um den Baum.“

Dominik Stallein

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