Bergkramerhof

Der Golfplatz muss schließen, die Sportler sind entsetzt: „Es ist zum Heulen“

Von Rudi Stallein

„Ich habe den Newsletter gesehen und geheult“ sagt Thomas Spork

Der Golfplatz Bergkramerhof steht vor der Schließung. Wir haben uns bei den Sportlern umgehört. „Ich habe geheult“, sagt einer. Es herrscht Entsetzen.

Aus, vorbei, nichts ist mehr mit Golf spielen auf dem pestizidfreien Platz über den Dächern von Wolfratshausen. Ende 2022 soll wie berichtet der Betrieb des Golfklubs Bergkramerhof eingestellt werden. Eigentümer Helmut Danhuber will den Pachtvertrag mit dem Betreiber der Anlage, Dr. Josef Hingerl, nicht verlängern. Stattdessen, so steht es im Raum, soll auf dem weitläufigen Areal wieder Mais angebaut werden. Beides sorgt bei Golfern für Entsetzen.

„Ich habe den Newsletter gelesen – und geheult“, erzählt Thomas Spork. „Es ist ein fantastischer Golfplatz, ohne Chemie, es ist zum Heulen.“ Er stelle sich zudem die Frage: Wie kann Maisanbau profitabler sein als die Pachteinnahmen vom Golfplatz? Ein Rückbau bedeutet in seinen Augen verbranntes Geld, sagt der 59-jährige Ayinger, der im Golfclub Mangfalltal seine sportliche Heimat hat und an diesem Morgen mal wieder am Bergkramerhof abschlägt. „Ich finde es ein Drama. Wir haben zwar rund um München eine hohe Golfplatzdichte, aber so etwas darf nicht sein.“

Bei den Golfern herrscht Unverständnis

Er bedauere diese Entscheidung, sagt ein Herr (72) aus Königsdorf, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Seit 2019 ist der 72-Jährige Mitglied im Golfclub. „Wenn man diese schöne Landschaft sieht und die ganze Anlage – und im Gegenzug soll Mais angebaut werden, mitten im Wasserschutzgebiet“, sagt er kopfschüttelnd, während er seinen Blick über das sanftgewellte Grün schweifen lässt.

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„Ich weiß den Hintergrund nicht“, sagt Herbert Tiesler (68), der Mitglied der GolfRange Brunnthal ist, aber gerne die 18 Bahnen auf dem Bergkramerhof spielt. „Der Platz ist wunderschön, es wäre ewig schade, wenn es ihn nicht mehr gäbe.“

Sabine Osterchrist

Der angebliche Plan mit dem Maisanbau, der vom Eigentümer des Geländes bislang nicht bestätigt worden ist, beschäftigt viele Golfer. „Ich glaube nicht, dass hier Mais angebaut wird“, sagt Sabine Osterchrist. Aber auch ohne Futtermittelanbau träfe sie das Ende der Anlage sehr. „Ich finde das ganz schrecklich“, sagt die 57-Jährige aus Solln, die erst kürzlich eine Voll-Mitgliedschaft für zunächst ein Jahr unterschrieben hat. „Die Erreichbarkeit ist fantastisch. Und es ist so unaufgeregt hier. Die ganze Stimmung ist wahnsinnig angenehmen“, zählt sie einige Gründe auf, warum ihr der Platz ans Herz gewachsen ist. „Es herrscht so eine Gelassenheit, das ist gut für Anfänger wie mich“.

Mais-Pläne sorgen für Kopfschüttel

„Hier Mais anzubauen, das ist völliger Blödsinn“, ereifert sich Franz Riepold, der über die Anlage wie die meisten denkt: „Es ist ein traumhaft schöner Golfplatz.“ Über die Kündigung des Pachtvertrags könne er nur den Kopf schütteln. „Ich habe in der Zeitung gelesen, der eine sei 94, der andere 73 Jahre, da kann ich nur sagen – alte Männer... Ich denke, da steckt was anderes dahinter.“

Franz Riepold

Sie fände eine Schließung ganz schlimm, sagt Barbara Lammermann aus Berg bei Starnberg. Bei dem Gedanken redet sie sich für einen Moment fast in Rage. „Das ist eine wunderschöne Golfanlage mit einem Biotop, und da soll eine Maiswüste hin? Das ist unfassbar“, sagt die Ärztin im Ruhestand. Jeder wisse doch, dass Mais die allermeisten Pestizide brauche. „Ich begreife das nicht. Das ist eine himmelschreiende Frechheit“.

Auch Gewerbe-Betriebe sind von der Schließung betroffen

Außer den Sportlern wären von einem Aus der Golfanlage auch einige kleinere, auf dem Areal angesiedelte Unternehmen betroffen. Wie haben sie die schlechte Nachricht aufgenommen? „Wir haben beschlossen, dazu keinen Kommentar abzugeben“, sagt Daniela Johann, die gemeinsam mit Tasmin Gutwald erst im vorigen Herbst, mitten in der Pandemie, das Café Herzblut eröffnet hat.

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Wenig Kopfzerbrechen scheint die Meldung Hannelore Jorda zu bereiten. „Ich bin da ganz entspannt“, sagt die Inhaberin des Fußpflege-Studios Bergkramerhof. „Ich glaube da noch nicht dran. Vorher fließt noch viel Wasser die Isar runter.“ Und falls es doch zu einer Schließung käme, habe sie damit auch kein Problem. „Dann packe ich meine Sachen ein und mache bei meinen Kunden Hausbesuche.“

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