Gastbeitrag

Gott und die Welt: Was wir in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten lernen können

In einer neuen Folge der Reihe „Gott und die Welt“ erklärt Gabriele Seidnader, was wir in der Übergangszeit zwischen Ostern und Pfingsten lernen können.

Wolfratshausen – Frühling – das neu aufbrechende Leben, die wärmenden Strahlen der Sonne, das frische Grün, an dem man sich nicht satt sehen kann, das Zwitschern der Vögel, Blüten, die allerorts aufgehen und neue Farben ins Spiel bringen… Es zieht mich mit aller Gewalt hinaus! Nach dem Winter ist der Frühling eine Zeit, in der wir die Macht des Lebens erfahren dürfen. Nicht umsonst feiern wir Ostern gerade zu Frühlingsbeginn, der uns mit allen Sinnen erfahren lässt, dass das Leben stärker ist als der Tod. Und trotz alledem gibt es die Erfahrungen von Leid, Verlust, Krankheit und die unwiderrufliche Erfahrung des Todes, die in ein Leben hereinbrechen können. Die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten ist eine Zeit des Übergangs, in der die Botschaft vom Leben Wirklichkeit werden will.

Gabriele Seidnader:  Katholische Pastoralreferentin der Stadtkirche Wolfratshausen

So ist in dieser Zeit mit Kälteeinbrüchen zu rechnen, die das neu aufgebrochene Leben zerstören können. Ich denke, solche Rückschläge kennt jeder im übertragenen Sinn im Leben. Auch für die Freunde Jesu war diese Zeit eine Zeit des Übergangs. Nach dem Tod Jesu, der ihr ganzes Leben infrage gestellt hat, müssen sie erst wieder lernen, dem Leben zu trauen. Zunächst sind es nur Momentaufnahmen, in denen sich der Auferstandene zeigt. Und die Erfahrung zeigt, dass jeder und jede diese Momente anders wahrnimmt und aufnimmt. Und doch geben sie Hoffnung, dass das Leben weiter gehen kann. Jeder Trauernde wird dies bestätigen können. Diese Momentaufnahmen verdichten sich schließlich zur Gewissheit: Das Leben ist stärker als der Tod!

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Als Gemeinschaft wachsen die Jüngerinnen und Jünger Jesu in diese Gewissheit hinein in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten – immer wieder in der Begegnung mit dem Auferstandenen. Und schließlich wird erzählt, dass der Auferstandene vor ihren Augen entschwindet: Er wurde vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken (vgl. Apg 1,9). Die „Himmelfahrt“ – ein Bild, mit dem sich der eine oder andere schwertun mag, das aber auch in unterschiedlichster Weise in anderen Religionen zu finden ist. Ein Bild dafür, dass unser menschliches Leben, das von der Begrenzung durch den Tod gezeichnet ist, dorthin zurückkehrt, woher es gekommen ist: zu einem Gott des Lebens. 

Nach diesem Ereignis wird von den Jüngerinnen und Jüngern erzählt, dass sie zurückblieben und ihm nach zum Himmel emporschauten. Den Blicken wird ER von da ab entzogen sein, doch werden die Jünger aufgefordert, nicht stehen zu bleiben und in den Himmel zu blicken. Das gilt auch heute noch: nicht stehen zu bleiben und in den Himmel zu schauen, sondern Spuren von einem Gott des Lebens in unserem Alltag zu entdecken, uns immer wieder zu vergewissern, dass das Leben stärker ist als der Tod und dafür Zeugen zu sein. 

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Rubriklistenbild: © dpa / Frank Rumpenhorst

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