Gregor A. Mayrhofer
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Gregor A. Mayrhofer (34) dirigiert am Samstag in der Moskauer Zaryadye Hall. Eigentlich war einer seiner Lehrmeister, Teodor Currentzis, vorgesehen. Doch der hat dem Waldramer das Dirigat überlassen.

Gregor Mayrhofer in der Zaryadye Hall

Waldramer Dirigent eröffnet Konzertsaison in Moskau

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
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Gregor Mayrhofer (34) wird am Samstag in Moskau das Ensemble „Musica Aeterna“ dirigieren. Auf dem Programm steht auch ein eigenes Werk - das Insektenkonzert.

Waldram/Moskau – Die Zaryadye Concert Hall, ganz in der Nähe des Kreml gelegen, ist so etwas wie der Gasteig von Moskau. Dorthin pilgern die kunstinteressierten Bewohner der russischen Hauptstadt, um Musik zu hören. Am kommenden Samstag wird die neue Saison eröffnet, und zwar von einem Dirigenten, der aus dem Landkreis kommt.

Gregor Mayrhofer, der aus der bekannten Waldramer Musikerfamilie stammt – Vater Franz leitete einst die Wastl Fanderl Schule für bairische Musik in München – dirgiert das internationale Ensemble Musica Aeterna. „Ich bin super aufgeregt“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Bisher war er nur einmal in Russland, in St. Petersburg, für einen Dirigenten-Meisterkurs. Jetzt kehrt er zurück.

Eigentlich sollte der Leiter des SWR-Symphonieorchesters, Teodor Currentzis, diesen Part übernehmen. Currentzis, einer der Großen seiner Zunft, hat das Ensemble nicht nur gegründet, sondern es auch auf Weltniveau geführt. Doch er hat das Moskauer Dirigat dem aufstrebenden Waldramer überlassen – ein Vertrauensbeweis.

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Die beiden Künstler kennen sich gut. Mayrhofer, Absolvent der bekannten Juillard School in New York, hat Currentzis unter anderem bei zwei Konzerttouren des SWR assistiert, einmal mit Gustav Mahlers 9. Sinfonie. „Ich habe das Stück nie intensiver erlebt“, erinnert er sich. Überhaupt schätzt er an dem russisch-griechischen Dirigenten die „tiefe Suche, Musik bedeutungsvoll zu machen, sie fast wie ein religiöses Ritual zu zelebrieren, Neues zu wagen“. Über Musica Aeterna (zu deutsch: Ewige Musik) sagt der Waldramer ganz einfach: „ein geniales Ausnahmeensemble.“

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Auf dem Programm der Zaryadye Concert Hall stehen neben Benjamin Brittens „Four Sea Interludes“ und Dvoraks berühmter 9. Sinfonie („Aus der Neuen Welt“) auch ein Werk des 34-Jährigen selbst: das Insektenkonzert. Das zehnminütige Stück hatte er vor einigen Jahren in Berlin als Assistent von Sir Simon Rattle komponiert und uraufgeführt, um auf das weltweite Insektensterben aufmerksam zu machen. Das Originelle, ja Einmalige daran: Die Tierlaute – etwa das Zirpen einer Grille – gehörten dazu, sie waren sogar die Essenz des Stücks und wurden über Tonband eingespielt. In Moskau wird das anders sein, die Insektenklänge werden von klassischen Instrumenten imitiert. Auch als Orchesterfassung wird es ein ungewohntes Hörerlebnis für viele Moskauer sein. Auf die Reaktionen darf man gespannt sein.

Der Abend in Moskau wird also für Gregor Mayrhofer ein dreifaches Debüt bedeuten: als Dirigent bei Musica Aeterna, als Künstler in Russland, und das Insektenkonzert feiert seine russische Uraufführung. Zurzeit wird intensiv geprobt. „Für mich geht ein Traum in Erfüllung“, sagt der Waldramer.

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