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Am Kraft-Areal neben dem Bahnhof soll gegen den Willen der Grünen ein großes Einkaufszentrum entstehen.  Tenor: Parkplätze in Zentrumsnähe erweitern

„Todesstoß für die Altstadt“

Grüne warnen vor Einkaufszentrum neben Bahnhof

Geschlossen gegen die Erweiterung des Bebauungsplans für das sogenannte Kraft-Areal am Bahnhof stimmte die Fraktion der Grünen in der jüngsten Sondersitzung des Stadtrats. Warum sie das getan haben, erklärten die drei Grünen-Stadträte in der Monatsversammlung.

Wolfratshausen – „Wir sind für die Entwicklung des Kraft-Areals“, stellte Annette Heinloth vorab klar. Dort aber ein riesiges Einkaufszentrum und damit einen „unansehnlichen Klotz“ zu errichten, wäre ihrer Ansicht nach der falsche Weg. „Die gleichen Menschen, die sich gegen eine Schranke am Bahnübergang in der Sauerlacher Straße ausgesprochen haben, plädieren jetzt für eine Shopping Mall und damit für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen“, bedauerte die Stadträtin.

Ihr Fraktionskollege Hans Schmidt, der nur einen Steinwurf entfernt vom Kraft-Areal wohnt, stellte zudem die in der Sondersitzung von Helmuth Ammerl vorgestellte Verkehrsstudie in Frage. „Diese Stelle verträgt nicht 5100 Fahrzeuge mehr am Tag“, glaubt Schmidt. Vor allem am Moosbauerweg würde es dann zu regelmäßigen Staus kommen.

Rudi Seibt und Annette Heinloth befürchten außerdem, dass ein großes Einkaufszentrum den etwa 700 Meter entfernten Geschäften in der Marktstraße den „endgültigen Todesstoß“ versetzen könnte. „Die Verbindung vom Kraft-Areal zur Altstadt ist sehr unattraktiv“, erklärte Heinloth. Wer im Einkaufszentrum ein großes Angebot an Läden vorfinde, werde danach wahrscheinlich nicht mehr in die Marktstraße kommen.

Alexander Müllejans, Sprecher des Kreisverbands der Grünen, sieht das ähnlich und drückte sich drastisch aus: „Mit dem Überangebot am Kraft-Areal würde die Altstadt gekillt.“ Zudem empfindet der Beuerberger die Parkplatzsituation in Wolfratshausen ohnehin schon als dramatisch. „Wolfratshausen hat eine wunderschöne Altstadt, aber es ist schwer reinzukommen“, bedauert er.

Seine Parteikollegen sehen hier auch Nachbesserungsbedarf, halten aber die Erweiterung zentrumsnaher Parkplätzen wie dem am Paradiesweg für ausreichend. Auch bezüglich des Kraft-Areals hätten es die Grünen gerne eine Nummer kleiner. Der Vorschlag, dort deutlich weniger Flächen für den Handel einzuplanen und mehr seniorengerechte beziehungsweise geförderte Wohnungen zu errichten, fand im Stadtrat bisher wenig Gehör. Hans Schmidt und seine Mitstreiter wollen dennoch nicht aufgeben: „Wir haben da dicke Bretter zu bohren“, gab er sich kämpferisch.

Peter Herrmann

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