In seinem Element: Otto-Ernst Holthaus bei seiner Lieblingsbeschäftigung – der Malerei.
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In seinem Element: Otto-Ernst Holthaus bei seiner Lieblingsbeschäftigung – der Malerei.

Unternehmer und Künstler

Die Malerei ist seine Sprache: Otto-Ernst Holthaus wird 90 Jahre alt

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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An diesem Sonntag feiert Otto-Ernst Holthaus seinen 90. Geburtstag. Über einen erfolgreichen Unternehmer und begabten Künstler, der sich von Schicksalsschlägen nie unterkriegen ließ.

Wolfratshausen/Grünwald – Eine Kehlkopf-Operation nahm Otto-Ernst Holthaus 1994 die Stimme. Doch der erfolgreiche Unternehmer ließ sich davon nicht unterkriegen. Er suchte nach einer neuen Ausdrucksform und fand sie in der Malerei. Inzwischen malt der Isar-Kaufhaus-Gründer seit über 25 Jahren. An diesem Sonntag feiert der mehrfache Großvater seinen 90. Geburtstag – auf eine ganz besondere Weise.

Ernesto, wie er sich als Maler nennt, lebt noch heute zusammen mit seiner Frau Stefanie (82) in Grünwald. Dort verbrachte er mit seiner verwitweten Mutter und seinen Geschwistern Jugend- und Schulzeit. Nach der Ausbildung zum Großhandels- und Bankkaufmann gründete und leitete er für eine Münchner Import-Exportfirma Filialen in Italien und den USA. Mit 33 Jahren machte er sich selbstständig und baute unter anderem die beiden Isar-Kaufhäuser in Wolfratshausen und Geretsried auf, die er 1995 an seinen Sohn Frederik übergab.

Malunterricht für Häftlinge

„Die Geschäftsübergabe erlaubte meinem Vater mehr Freiheiten“, blickt Frederik Holthaus zurück. Der Grünwalder fing an zu malen und entschied sich für die Aquarelltechnik – nicht der leichteste Einstieg in die Malerei für einen Anfänger. Er richtete sich in seinem Haus ein Atelier ein und besuchte Malakademien. Ernesto entwickelte sich im Laufe der Jahre kontinuierlich weiter, wagte sich an Porträts und Ölfarbe. Der Hobbymaler gab sogar selbst Unterricht – Häftlingen in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim.

Gesellschaftliches Engagement war Otto-Ernst Holthaus schon immer wichtig – vor allem im Sinne der Demokratie. Er setzte sich für die Errichtung der Mahnmale ein, die auch in Wolfratshausen und Geretsried an den Todesmarsch erinnern. 1945 sah er den Elendszug durch Grünwald ziehen. Damals war er 14 Jahre alt, die Eindrücke ließen ihn nie wieder los. 2017 und 2018 brachte sich Otto-Ernst Holthaus als Ideengeber bei der Gestaltung des Erinnerungsorts Badehaus in Waldram mit ein. Dem Museum schenkte er übrigens auch eines seiner Bilder: ein Porträt seines Freunds und Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer, der 2016 starb.

„Er ist bereit, immer wieder etwas Neues ausprobieren.“

2019 traf die Familie Holthaus ein Schicksalsschlag: Eines von neun Enkelkindern verunglückte mit 24 Jahren bei einem Autounfall tödlich. „Das hat ihn und uns alle sehr getroffen“, sagt sein Sohn Frederik. 2020 wollte Otto-Ernst Holthaus eigentlich eine Ausstellung machen mit Werken aus 25 Jahren Malerei. Doch die Corona-Pandemie machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Einen Auszug seines Schaffens gibt es dafür jetzt auf einer Webseite zu sehen, die sich der 90-Jährige zugelegt hat. „Es zeichnet ihn aus, dass er jeden Tag neugierig ist und sich für andere Menschen interessiert“, sagt Frederik Holthaus. „Und er ist bereit, immer wieder etwas Neues ausprobieren.“

Seinen Geburtstag wird der Grünwalder in diesen besondern Zeiten auf eine ganz besondere Weise feiern. „Es wird in der Kirche Maria Königin einen Gottesdienst geben, den sein langjähriger Freund, Pater Angelus Waldstein, feiern wird“, verrät Frederik Holthaus. Die beiden Senioren lernten sich 1946 in der Ettaler Klosterschule kennen. Seither verbindet die gleichaltrigen Männer eine enge Freundschaft.

Info

Der Gottesdienst in der Grünwalder Kirche wird aufgezeichnet und ist ab Montag, 1. Februar, auf der Webseite www.ernesto-holthaus.de abrufbar.

nej

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