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Top-Duo: Guido Keller (li.), neuer Deutscher Amateur-Bergmeister, und sein kongenialer Mechaniker Stefan Zimmermann vor dem „Beast“, einem Smart Roadster S 1100 RR. 

Motorsport

Guido Keller Bergmeister von null auf hundert 

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Mit einem völlig neu entwickelten Auto schaffte Guido Keller in der Premieren-Saison das fast Unmögliche: Er wurde Deutscher Amateur-Bergmeister.

Wolfratshausen – In der Werkstatt steht nur noch ein aufgebocktes Gerippe. Motorhaube und Kotflügel des Smart S 1100 RR – genannt das „Beast“ sind weg, die Räder fehlen, und vom Motor ist auch nichts zu sehen. Fast jedes Teil des Autos wird derzeit durchgecheckt, gewartet oder getunt.„Nach dem Rennen ist vor dem Rennen“, sagt Guido Keller und lacht.

Eigentlich müsste er sagen: „Nach der Meisterschaft ist vor der Meisterschaft“, aber dazu ist der 49-Jährige zu bescheiden. Also übernehmen wir den Part der Lobhudelei: Keller ist Deutscher Amateur-Bergmeister des Neuen Automobil- und Verkehrs-Clubs (NAVC). Zwölfmal prügelte er den Smart im Höchsttempo über hügelige Kurse durch deutsche Mittelgebirge, wurde im Saisonverlauf immer schneller und ließ schließlich Titelverteidiger Mathias Mohr in dessen Austin Mini Hayabusa – wie Kellers ein Wagen mit Motorradmotor – in der Gesamtwertung hinter sich.

Das eigentliche Husarenstück des Wolfratshausers ist jedoch ein anderes: Er siegte mit einem komplett neuentwickelten Auto, das ohne nennenswerte Probleme einem Uhrwerk gleich sein Pensum abspulte. Hätten ihn fünfmal irgendwelche Defekte gestoppt, wäre das zwar nicht lustig gewesen, aber auch nicht außergewöhnlich im Automobilrennsport mit seinen hochgezüchteten, empfindlichen Boliden.

Den Titel perfekt gemacht hatte Keller Anfang September in Grenderich beim 48. Hunsrücker Bergrennen des MSC Idarwald. Am Samstag nur Zweiter hinter Mohr, tüftelten der 49-Jährige und sein Mechaniker Stefan Zimmermann nach Rennschluss sofort am Fahrwerk. Das Resultat: Am Sonntag ließ der Smart Mohrs Austin Mini um fast unwirkliche zwei Sekunden hinter sich. Damit war Keller die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen.

Mit dem Titel in der Tasche konnte er sich zwei Wochen später beim Finale der Serie in Wickenrodt – ebenfalls im Hunsrück – den Luxus erlauben, endlich die neue Steuerungssoftware zur Verbesserung seines Starts aufzuspielen. Der sah dann – ohne die bisherigen Gedenkzehntel nämlich – „endlich so aus wie ein richtig geiler Motorsportstart“, schwärmt der 49-Jährige. Trotzdem lag er am Samstag lediglich 15 Hundertstel vor Mohr. Der Stabilisator am Smart-Fahrwerk war während der Fahrt gebrochen. „Damit fliegst nicht gleich von der Strecke“, sagt er, aber das Fahrverhalten leide. „Das Auto untersteuert und fährt nicht schnell ums Eck.“

Also holten er und Zimmermann am Samstagabend den Werkzeugkasten raus und ersetzten das defekte Teil. Das Ende vom Lied: Der Wolfratshauser war im zweiten Rennen 2,2 Sekunden schneller als am Vortag und zwei Sekunden schneller als Konkurrent Mohr. Überhaupt waren klassenübergreifend nur zwei Rennautos flotter unterwegs als Kellers, und das waren Geschosse mit deutlich mehr PS unter der Haube.

Gefeiert hat der 49-Jährige seinen Triumph noch nicht. Er überlegt, in seiner Werkstatt eine Meistersause mit allen am Erfolg beteiligten Leuten steigen zu lassen. „Das gehört sich eigentlich“, findet er. Den großen Goldpokal bekommt er erst bei der offiziellen Meisterfeier des NAVC am 7. Dezember in Suhl. Bis dahin möchten er und sein Team das Auto weiter optimieren, denn das wird die Konkurrenz mit ihren Kisten ebenfalls tun. Mathias Mohr habe ihm fair gratuliert, sagt Keller, doch er habe schon auch bemerkt, dass der ehrgeizige Kollege an seinen deutlichen Rückständen gegen Ende der Meisterschaft „zu beißen“ hatte.

peb

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