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Gemeinschaftsprojekt: Mit dem Holz aus dem Wald von Vater Hans Killer hat Sohn Gabriel das Haus gebaut.

„Wenn nicht wir, wer dann?“

Hans Killers innovatives Haus aus 50 Bäumen

  • Clara Wildenrath
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Der Chef der Wolfratshauser Waldbesitzervereinigung und sein Sohn haben in Altkirchen ein besonderes Haus gebaut.

Wolfratshausen/Altkirchen– Von außen sieht es aus wie viele Bauernhäuser in der Region: das Erdgeschoss weiß verputzt, darüber eine senkrechte Holzverschalung. Seine besondere Bauweise offenbart sich nur an der noch nicht ganz fertiggestellten Garage: Das Austragshaus von Hans Killer in Altkirchen im Landkreis München besteht komplett aus Holz. Zu etwa einem Viertel hat er das Baumaterial sogar selbst produziert. Denn der 58-Jährige ist Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen und besitzt selbst 66 Hektar Wald.

Aus seinen Fichten hat Killer im örtlichen Sägewerk Dachsparren, Balkongeländer und Schalungslatten anfertigen lassen, aus einer Douglasie die Fensterbretter, die Rahmen sind aus Lärchenholz. Für die Türen hat er ein paar Eschen gefällt, für die Treppe Eichen. „Nur die industriell gefertigten Bauteile sind zugekauft“, sagt er stolz. Das sind vor allem die massiven, zehn Zentimeter dicken Fichtenleimholzplatten für die Wände und Decken und die Dämmung aus Holzfasern.

Insgesamt etwa 50 Bäume stecken in dem Gebäude, schätzt der Land- und Forstwirt. Gebaut hat das Haus sein Sohn Gabriel. „Beim Aufstellen waren wir anfangs zu fünft, später nur noch zu dritt“, erzählt der 25-jährige Zimmerer: „Nach fünf Tagen war das Dach drauf.“ Rund 6000 Schrauben haben die Männer ins Holz gedreht, um die Bauteile zu verbinden. „Wenn man eine gute Fachfirma zur Anleitung hat, kann auch ein Laie mit etwas handwerklichem Geschick viel in Eigenleistung machen“, erläutert der Vater. So habe er sich etwa ein Drittel der Baukosten gespart. Aber selbst, wenn man sämtliche Arbeiten fremdvergebe, komme ein Holzhaus kaum teurer als ein Ziegelbau, betont er.

Die Bauweise aus den dreischichtigen Leimholzplatten ist verhältnismäßig neu. Erst seit etwa fünf Jahren kommt sie in der Region zum Einsatz, erklärt Gabriel Killer. Der Vorteil: Anders als in einem Massivholzhaus aus Blockbohlen setzt und verzieht sich das Material nicht, auch die Rissbildung soll nur minimal sein. Von der Wohnqualität ist der Bauherr überzeugt: „Das Holz nimmt im Sommer Luftfeuchtigkeit auf und gibt sie im trockenen Winter wieder ab. Und durch die große Masse hat es hervorragende Dämmeigenschaften, im Sommer wie im Winter.“ Dadurch sei der Energiebedarf sehr gering. Eine eigene Wärmeversorgung hat das Austragshaus gar nicht, es wird über eine Fernleitung vom benachbarten Hof mitgeheizt. Mit Hackschnitzeln, wie sollte es anders sein. Er rechnet mit einer Heizleistung von sechs bis sieben Kilowatt für die 160 Quadratmeter Wohnfläche.

Diese Art zu bauen wird sich durchsetzen, da ist sich Hans Killer sicher. Er zählt die Vorteile auf: „Die Baustoffe wachsen in der Region. Sie haben nur einen geringen Energiebedarf bei der Aufbereitung. Und bei der Entsorgung werden sie einfach geschreddert und verbrannt. Viele mineralische Baustoffe sind dagegen Sondermüll.“ Deshalb ist ihm wichtig, dass der im Erdgeschoss verwendete Putz nicht am Holz haftet und getrennt entsorgt werden kann. Auf Holzschutzmittel hat er innen und außen komplett verzichtet; nur der Parkettboden und die Treppe sind mit naturbelassenem Öl behandelt. Die Fichtenholzfassade wird in zwei Jahren „richtig schiach“ aussehen, das weiß er, „aber danach bekommt sie eine schöne braune Patina“.

„Holzbau ist Ressourcenschutz“, betont auch Florian Loher, Forstwissenschaftler und Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen. Er baut selbst gerade ein Holzhaus. Wünschen würde er sich, dass mehr öffentliche Bauträger auf das ökologische Baumaterial setzen: „Es ist Aufgabe der Kommunen, für eine höhere Holzbauquote zu sorgen.“ Die Statik bereite auch bei mehrstöckigen Häusern keine Probleme. Würde man im Wohnungsbau konsequent auf Holzhäuser setzen, ließen sich 20 bis 30 Prozent des Energiebedarfs der Bundesrepublik einsparen, rechnet Killer vor. Der Zuwachs der deutschen Wälder könne das abdecken. Dass er bei seinem Austragshaus als gutes Beispiel vorangeht, stand für ihn schon lange fest: „Ich will nicht in einem kalten Steinhaus wohnen. Und außerdem: Wenn wir kein Holzhaus bauen, wer dann?“

cw

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