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„Alle Klimaziele verfehlt“: Heftige Kritik an Bürgermeister, Landrat und Abgeordneten

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Klimastreik in Wolfratshausen
Klimastreik: Die Future-Aktivisten aus Wolfratshausen rufen erneut zu Demonstrationen auf – und üben in einem offenen Brief harsche Kritik an Landtag, Landkreis und der Stadt Wolfratshausen. © Hans Lippert/Archiv

„Wor for Future“ kritisiert die Politik scharf. Die habe keine Visionen und zeige keine Handlung. Nun ruft die Initiative zu neuen Protesten auf.

Wolfratshausen – Hunderte Bäume in der Pupplinger Au sterben ab. Die Zahl der Amphibien geht unaufhörlich zurück. In Isar und Loisach treiben tote Fische: Was wie ein Schreckensszenario klingt, ist laut „Wor for Future“, dem lokalen Ableger der Klimabewegung, bereits Realität. In einem offenen Brief an alle Landkreisbürger rufen die Umweltschützer zu größerem privaten Engagement gegen die Klimakrise auf – und erheben schwere Vorwürfe gegen die Politik in der Flößerstadt, im Landkreis und in ganz Bayern.

Wolfratshausen hat „alle Ziele verfehlt“: Heftige Kritik an Bürgermeister, Landrat und Abgeordneten

Die Berichte von den schweren Schäden am Ökosystem seien „nur der Vorgeschmack“ und könnten „mut- und hoffnungslos machen“. Die Future-Aktivisten wollen hingegen aus den Negativ-Nachrichten weitere Motivation ziehen. „Klimaschutz wirkt viel schneller, als viele Menschen denken“, betont die Initiative – und sei bitter nötig: „Die schlimmsten Auswirkungen der Erderhitzung zu verringern, muss die höchste Priorität für uns als Gesellschaft sein.“

Windenergie im Oberland: Abgeordneter „will sich wehren“ - und erntet Kritik von Umweltschützern

Diese Botschaft sei noch nicht bei den Entscheidungsträgern angekommen, wie Wor for Future kritisiert. „Die letzte Energiebilanz der Energiewende Oberland lässt daran zweifeln.“ Drei Protagonisten kritisiert das Bündnis explizit: Martin Bachhuber, CSU-Landtagsabgeordneter „will sich dagegen wehren, dass man hier die Windkraft ausbaut, obwohl laut Studien (...) die Energiewende bei uns ohne Wind nicht gelingen kann“. Landrat Josef Niedermaier sehe „beim Ausbau der Windkraft nur Investoren in der Pflicht“, wohingegen Bürgergenossenschaften „gegen massive Widerstände kämpfen“. Das Bündnis bezieht sich auf einen Fall im Kreis Weilheim-Schongau: Drei Windräder hätten auf den Köpfingerwiesen bei Peiting von der „Bürgerwind Pfaffenwinkel“ GmbH gebaut werden sollen. Ein Jahrzehnt nachdem mehr als 60 Privatleute die Pläne präsentierten, dreht sich noch keins.

Wolfratshausen hat Ziele verfehlt: „Keine größeren Handlungen zum Klimaschutz erkennbar“

Dabei müsse man nicht in die Nachbarlandkreise blicken, um zu sehen, dass der Klimaschutz stocke: In der Loisachstadt sind die Aktivisten ebenfalls unzufrieden mit den Fortschritten bei diesem Thema: „Unter dem Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner wurden alle Klimaziele der Stadt verfehlt.“ Trotzdem seien „größere Handlungen zum Klimaschutz nicht erkennbar“. Diese Aufzählung lässt für die Future-Aktivisten nur einen Schluss zu: „Diese Politiker scheinen die Klimakrise in ihrer Tiefe nicht verstanden zu haben, haben nicht verstanden, dass Klimaschutz auch Heimatschutz im konservativsten aller Sinne ist.“ Was fehlt, seien „Visionen und Handlung“.

Demonstrationen von Fridays for Future in Wolfratshausen geplant

Die Initiative möchte den Druck auf die Entscheidungsträger erhöhen: Mit großen Demonstrationen anlässlich des globalen Klimastreiktags am Freitag, 23. September, zum Beispiel. Um 16 Uhr startet der Protest am Marienplatz in Wolfratshausen. Außerdem kündigt das Bündnis an, erneut vor der Stadtratssitzung demonstrieren zu wollen. Das Gremium tagt am Dienstag, 20. September, in der Loisachhalle.

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Trotz der Pauschalkritik stellt die Initiative klar, für einen konstruktiven Austausch zur Verfügung zu stehen. „Seit einem Jahr schon möchten wir mit den Stadtrats-Fraktionen und dem Bürgermeister ins Gespräch kommen – und sind weiterhin bereit dazu, zusammen zu arbeiten.“

Klimabeirat und PV-Anlagen: Klimaschützer verloren jüngste Abstimmungen

Zuletzt mussten die Klimaschützer wie berichtet zwei Abstimmungs-Niederlagen hinnehmen. In der Bürgerversammlung in der Loisachhalle stellten die Future-Aktivisten zwei Anträge. Weder für die Bildung eines Klimabeirats noch für eine Solaroffensive im Stadtgebiet fand sich eine Mehrheit. Im Nachgang hatte das Bündnis Mängel beim Abstimmungsverfahren moniert.

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