Erinnern an bedeutende weibliche Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte: Dr. Sybille Krafft und Bernhard Reisner vom Historischen Verein.
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Erinnern an bedeutende weibliche Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte: Dr. Sybille Krafft und Bernhard Reisner vom Historischen Verein.

Weibsbildern auf der Spur

Historischer Verein widmet sich vergessenen Frauenschicksalen

  • vonPeter Herrmann
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„Wolfratshauser Weibsbilder“: So heißt eine neue Arbeitsgruppe des Historischen Vereins. Sie will besondere Frauenschicksale erforschen.

Wolfratshausen – Einen symbolträchtigen Ort suchte sich Dr. Sybille Krafft für die Präsentation eines neuen Projekts aus. Die Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen stellte am Samstagvormittag gemeinsam mit ihrem Vorstandskollegen Bernhard Reisner auf der Isarbrücke an der Pupplinger Au die neu gegründete Arbeitsgruppe „Wolfratshauser Weibsbilder“ vor.

Die dortige Marienstatue wurde im September des vergangenen Jahres nach jahrzehntelanger Verbannung wieder gut sichtbar in der Brückenmitte aufgestellt. Nun wollen die Hobby-Historiker an weitere in Vergessenheit geratene „Frauenschicksale“ erinnern. „Wir wollen zeigen, wie interessant, verdienstvoll und vielschichtig die weibliche Seite der Wolfratshauser Geschichte ist“, erklärte Krafft. Den Impuls gab eine Aktion von sechs Wolfratshauser Stadträtinnen, die anlässlich des Weltfrauentags am Kathi-Kobus-Steig für Gleichberechtigung und weibliche Neubenennungen von Straßen demonstrierten. Ein entsprechender Antrag steht an diesem Dienstag auf der Tagesordnung des Stadtrats.

Dass weibliche Persönlichkeiten aus der über 1000-jährigen Stadtgeschichte in Form eines Straßennamens gewürdigt werden, hat für Krafft indes keine Priorität. „Wir begeben uns auf Spurensuche und laden auch unsere Mitbürger zum Mitmachen ein“, appellierte sie. Der Historische Verein hat vorerst eine Liste mit 45 weiblichen Namen zusammengestellt. Derzeit arbeitet jeweils ein Mitglied an einer Biografie. So beschäftigt sich Vize-Vorsitzender Bernhard Reisner mit Anna Riederauer, die zwischen 1926 und 1941 als Dienstmädchen in der Littig-Villa arbeitete und später als sozial engagierte „Farchet Lady“ von sich reden machte.

Anja Brandstäter fasziniert die Geschichte von Maria Franziska Arnold. Sie errichtete im 18. Jahrhundert den Haderbräu-Keller auf dem Mühlberg. Dass die Münchner Wirtstochter zudem noch elf Kinder gebar, ist vor diesem Hintergrund umso beachtlicher. Rund 150 Jahre später bildete Käthe Meier junge Frauen in der jüdischen Mädchenschule von Wolfratshausen aus. Eine Herausforderung, die aufgrund der scharfen Rassengesetze während des Nationalsozialismus zum Scheitern verurteilt war und nun von Hannelore Greiner in Erinnerung gerufen wird.

Die Liste umfasst 45 Namen - im Moment

Krafft befasst sich mit der Geschichte von Anna Kubat. „Die gebürtige Ukrainerin wurde 1942 zur Zwangsarbeit in den Munitionsfabriken im Wolfratshauser Forst verurteilt wurde und später ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert“, berichtete sie. Weitaus glamouröser war das Leben von Lou-Andreas-Salomé (1861-1937), mit deren Biografie sich Wolfgang Schäl beschäftigt hat. Die Schriftstellerin verbrachte mit dem Lyriker Rainer Maria Rilke einen leidenschaftlichen Sommer in Wolfratshausen.

Viele Sagen und Mythen ranken sich um das „Marktgschlerf“, dessen furchterregende Maske auch schon auf Wolfratshauser Faschingsumzügen und bei der Starkbierfest-Aufführung der Loisachtaler Bauernbühne zu sehen war. Laut den Recherchen des ehemaligen Vorsitzenden Ludwig Gollwitzer soll die Hebamme im 13. Jahrhundert den Tod eines Neugeborenen verschuldet haben. Nicht wenige Wolfratshauser glaubten, dass sie später als sechs Meter großes Gespenst mit laut schlurfenden Holzschuhen durch die Marktstraße spukte und in die Häuserfenster schaute.

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Dass von den derzeit 185 Straßen nur der Marienplatz und der Kathi-Kobus-Steig nach einer Frau benannt wurde, mag angesichts der vielen imposanten Wolfratshauser Weibsbilder verwundern. Die gleichnamige Arbeitsgruppe will den Stadträten bei der Entscheidungsfindung nun fundierte Grundlagen liefern.

Info
Wer eine Biografie zu einer Frauenpersönlichkeit aus der Wolfratshauser Geschichte verfassen oder vorschlagen will, kann sich per E-Mail beim Historischen Verein melden (info@histvereinwor.de).

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