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Vergeblicher Protest: Mit „Denk(mal)zetteln“ demonstrierte der Historische Verein Wolfratshausen Ende April 2017 für den Erhalt des Anwesens an der Alpenstraße 14. 

Alpenstraße 14 in Wolfratshausen

Historisches Ensemble: Abbruchbagger nicht zu stoppen

Der Bauausschuss hatte keine Chance mehr. Mit dem Votum gegen den Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes versuchten die Räte aber ein Zeichen zu setzen.

Wolfratshausen – In der jüngsten Sitzung des Gremiums wurde über einen Bauantrag entschieden. Der Eigentümer des Mehrfamilienhauses Alpenstraße 14 will das Gebäude abreißen und an seiner Stelle vier Reihenhäuser bauen. Eine Abbruchgenehmigung liegt bereits seit Februar 2016 vor. Damals gingen einige Bürger auf die Barrikaden – beim Gebäude handelt es sich nämlich um den Teil eines historischen Ensembles aus der NS-Zeit, ein seltenes Beispiel für den seinerzeit typischen alpenländischen Heimatstil.

Die Behandlung des Bauantrags war eigentlich nur eine Formalie. Das Landratsamt hatte im Vorfeld mitgeteilt, dass er nicht abgelehnt werden könne. Laut der Kreisbehörde ist „die Verweigerung des gemeindlichen Einvernehmens rechtswidrig“. Das hielt den Bauausschuss jedoch nicht davon ab, den Antrag mit einem Patt von 5:5 Stimmen abzulehnen.

„Wenn wir das Thema behandeln, dann können wir es auch ablehnen“, sagte Stadtrat Richard Kugler (parteifrei für die CSU) zur Stellungnahme des Landratsamtes. Grünensprecher Dr. Hans Schmidt begründete seine Ablehnung damit, dass es sich bei der Siedlung um „eines der letzten Gebäudeensembles in Wolfratshausen“ handle. „Wir können das zwar formalrechtlich nicht verhindern“, räumte er ein, „aber wir sollten es nicht politisch unterstützen.“

Das sah die Hälfte der Gremiumsmitglieder anders. Gerlinde Berchtold (SPD) erklärte, dass sie „schweren Herzens und wahnsinnig unglücklich“ zustimmen müsse. „Alles andere wäre rechtswidrig.“ Auch Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) stimmte mit Verweis auf die „klare Rechtslage“ letzten Endes zu.

Apropos Rechtslage: Die ist in dem vorliegenden Fall ein Kuriosum. Der Bauwerber hatte im Februar 2016 den Antrag auf Vorbescheid gestellt, das Gebäude abzureißen. Der Stadtrat stimmte mehrheitlich zu. Das Landratsamt genehmigte den Vorbescheid im Februar 2017. Nur zehn Wochen später trat eine Gesetzesänderung in Kraft – und ein Abbruch wäre nicht mehr möglich gewesen. Weil der Antragssteller den Abriss jedoch vor dieser Änderung genehmigt bekommen hatte, darf er die historische Immobilie, die Teil des Ensembledenkmals „Isarleiten“ ist, nun eben doch abbrechen.

Dies löste eine Protestwelle von Denkmalschützern aus. Der Historische Verein Wolfratshausen organisierte Demonstrationen und sammelte Unterschriften. Und der Bauwerber machte der Stadt einen Vorschlag: Er könne das Haus an dieser Stelle erhalten und dort günstigen Wohnraum anbieten. Im Gegenzug wollte er Baurecht in dem Garten hinter dem Gebäude erhalten und dort neue Häuser bauen. Laut Bürgermeister Heilinglechner lehnte das Denkmalamt dieses Ansinnen jedoch ab. Begründung: Die Gärten zählten ebenfalls zum Denkmalschutz und müssten erhalten bleiben. Die Rechtslage blieb dadurch unverändert: Der Eigentümer darf abreißen.

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Der Ausschuss setzte mit der Abstimmung gegen den Bauantrag zwar ein Zeichen, die Räte rechnen aber damit, dass das Landratsamt diese Entscheidung kassiert – und die Bagger bald an der Alpenstraße anrollen.

Dominik Stallein

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