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2019: In Wolfratshausen wird im Zuge der geplanten Aufwertung der Altstadt laut über die Verlegung des Marienbrunnes nachgedacht. Hobby-Historiker Christian Steeb ist strikt dagegen.

„Finger weg“

Marienbrunnen: Warum sich Hobby-Historiker gegen diskutierte Verlegung stemmt

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Zur Aufwertung der Wolfratshauser Altstadt wird über eine Verlegung des Brunnens am Marienplatz nachgedacht. „Finger weg“, sagt Hobby-Historiker Christian Steebn.

Wolfratshausen – Für Bürgermeister Klaus Heilinglechner ist er ein „Wahrzeichen unserer Stadt“: Der namensgebende Brunnen auf dem Marienplatz, ein Denkmal für die gefallenen Soldaten aus der Loisachstadt. Im Zuge der geplanten Aufwertung der Altstadt wird laut über eine Verlegung des Brunnens nachgedacht. Der Wolfratshauser Hobby-Historiker Christian Steeb ist strikt dagegen: „Finger weg“, sagt er – vor allem aus historischen Gründen.

Der 79-Jährige hat recherchiert: Seit Beginn der Besiedlung von Wolfratshausen „wurden die reichlichen Wasservorkommen des Bergwalds von den Menschen genutzt“. Zu beginn der Neuzeit verbriefte der damalige Magistrat die ersten Urkunden, die es – vornehmlich gut betuchten – Bürgern erlaubten, sogenanntes Röhrlwasser in ihre Häuser zu leiten. Steeb: „Sie mussten dafür aber Wasserzins zahlen, da die Gemeinde die Brunnenröhren instand hielt.“

Um das Jahr 1880: Das älteste bekannte Fotodokument zeigt den Brunnen rechts neben Gasthaus Humplbräu.

Es gab vier öffentliche Brunnen im Markt

Aus dieser Zeit sind vier öffentliche Brunnen in der Altstadt bekannt. Sie waren aus Holz und standen vor der Birnmühle am Untermarkt, vor dem Haus Nummer 29 am Untermarkt, gegenüber dem Schwankl-Anwesen am Obermarkt und einer vor der Stadtpfarrkirche. Als dieser Hauptbrunnen zunehmend verfiel, sollte er zunächst aus Eichenholz ersetzt werden. „Doch 1848 entschied man sich für einen steinernen Brunnen in Form eines Monuments“, weiß der Hobby-Historiker. „Im Zentrum wurde eine gotische Säule errichtet.“ Knapp 80 Jahre später, 1924, hatte der Zahn der Zeit dem Steinbrunnen im Schatten der katholischen Kirche erneut stark zugesetzt – als Ersatz entstand der Brunnen in seiner heutigen Form mit der Mariensäule.

1925: Das Foto aus dem Besitz der Wolfratshauser Familie Kotz zeigt die offizielle Einweihungsfeier des Marienbrunnens in der Altstadt.

Was viele nicht wissen: 1974 ergänzte der damalige Bürgermeister Willy Thieme, der 1979 verstarb, den Marienplatz um einen kleinen Springbrunnen. Wann der verschwand und warum, konnte Steeb bei seinen Recherchen nicht herausfinden. „Darüber hinaus ließ Bürgermeister Thieme den Marienbrunnen mit Reliefs aus der Wolfratshauser Geschichte ergänzen.“ Die zwei Platanen links und rechts neben dem Marienbrunnen sind Geschenke von Wolfratshausens Partnerstadt Barbezieux. „Die Bäume sind typisch für Südfrankreich und sollen die Freundschaft mit Barbezieux symbolisieren“, erklärt Steeb im Gespräch mit unserer Zeitung.

1974/75: Der damalige Wolfratshauser Bürgermeister Willy Thieme hatte den Marienplatz um einen Springbrunnen (li.) ergänzen lassen. Warum und wann dieser verschwand, ist unklar.

„Gegen die Bestrebungen, den Brunnen abzubrechen und an die Kirchenmauer zu verschieben, kann ich nur vehement protestieren“, sagt der Rentner. Es sei „respektlos“, Hand an dieses historische Ensemble zu legen und „diesen idyllischen Verweilort im Herzen der Stadt seiner Intimität und Harmonie zu berauben“. Eine Versetzung des Brunnens in Richtung Stadtpfarrkirche würde in Steebs Augen „nur ein hässliches Loch“ auf dem Marienplatz hinterlassen. Aus historischen Gründen plädiert Steeb für den Bestand des Brunnens an seinem angestammten Platz. „Ich lasse mir meine schöne Heimatstadt nicht verschandeln“, so der 79-Jährige.

Bürgermeister Heilinglechner hatte im Zuge der Bürgerbeteiligung zur Aufwertung der Altstadt stets betont, dass es keine Denkverbote gebe. Auf Nachfrage unserer Zeitung, wie er persönlich zur diskutierten Verlegung des Marienbrunnens stehe, antwortete der Rathauschef: „Machbar ist alles.“ Derzeit habe der Brunnen in seinen Augen „eine Position, die den Marienplatz einschränkt, weil der schöne Bereich vor der Kirche nur selten wahrgenommen wird“. Auch auf dem Fußgängerweg direkt vor dem Brunnen gehe es sehr eng zu, so der Bürgermeister. Mit einer Verlegung einige Meter in Richtung Stadtpfarrkirche könnte man „mehr Raum gewinnen“, meint Heilinglechner.

Den Marienplatz fürMärkte besser nutzen

Viele Teilnehmer der Bürgerbeteiligung, die Ende März endet und über deren Ergebnis der Stadtrat im April befindet, sind derselben Ansicht. „Der Marienplatz sollte im Alltag und für Märkte und Veranstaltungen besser nutzbar sein“, stellt Ingrid Schnaller, Vorsitzende des Werbekreis Wolfratshausen, fest. Hobby-Historiker Steeb widerspricht: Die Vor-Väter „haben sich etwas dabei gedacht, den Brunnen genau dort errichten zu lassen, wo er seit 95 Jahren steht“.

cce

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