Gott und die Welt 

Höhenzauber: Wie ein Mantra Wanderern auf dem Weg zum Gipfel helfen kann

In dieser Folge der Reihe „Gott und die Welt“ macht sich Pfarrerin Elke Stamm Gedanken zum Weg auf den Gipfel und wie man ihn leichter gehen kann.

Auf über dreitausend Metern wird die Luft knapper. Auf dem langen und steilen Aufstieg versuche ich langsam, Schritt für Schritt zu gehen und ruhig und gleichmäßig zu atmen. Hin und wieder rutsche ich jedoch auf dem Geröll an dem steilen Hang fast aus: Jeder Schritt muss konzentriert und bewusst gesetzt werden. Ein Fehltritt wäre fatal.

Mutig und voller Kraft habe ich am frühen Morgen mit dem Aufstieg begonnen, doch mit der Zeit wird es immer mühsamer – und der Gipfel ist noch so weit entfernt. Da habe ich für Momente ein beklemmendes Gefühl, als würde mir die Luft ausgehen. Ich habe kein Vertrauen mehr in meine Kraft, ich fühle mich schwach und ich zweifle, ob ich den Gipfel erreichen werde. In diesem Augenblick kommen mir Worte aus dem Alten Testament, aus dem Buch Jesaja, in den Sinn: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

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Ich harre, ich vertraue auf Gott. Schon mein Leben lang. Ich erinnere mich daran, dass ich immer wieder in schwierigen Situationen die Kraft Gottes in mir gespürt habe, wenn ich mit meiner eigenen Kraft an meine Grenzen geriet. Ich bete zu Gott, dass er mir hilft. Da empfinde ich plötzlich ganz tief in mir das Vertrauen, dass Gott da ist, mich stärkt und ermutigt. Meine Brust weitet sich wieder, ich kann tief durchatmen und zuversichtlich weitergehen. Mein Schritt wird leichter. Während des ganzen Aufstiegs wiederhole ich, wie ein Mantra, diesen Vers, bei jedem Schritt. Der Vers gibt den Rhythmus meines Gehens vor. Nun habe ich keine Angst mehr vor dem Aufstieg. Der Weg bleibt trotzdem mühsam, steinig und manchmal auch gefährlich. Doch ich lasse mich nicht mehr von der Sorge leiten, ich könnte den Aufstieg nicht schaffen, sondern ich bin voller Hoffnung und Zuversicht.

Elke Stamm: Evangelische Pfarrerin in der Kirchengemeinde Ebenhausen

Mit diesem Gottvertrauen schaffe ich es bis auf über 4000 Meter und erreiche den Gipfel, den ich mir vorgenommen habe. Diese Erfahrung macht mich stark für mein ganzes Leben: Ich kann mich den Herausforderungen stellen, ich kann mich auf steile und mühsame Wege wagen. Was kann mich denn noch schrecken: Gott ist bei mir mit seiner Kraft, seinem Schutz und seiner Hilfe.

Ein Gedicht von Andrea Schwarz erzählt von solchem Gottvertrauen auf dem Weg und von der Sehnsucht, das Leben zu wagen: „Wenn du Gott vertraust, seiner Zusage glaubst, den nächsten Schritt wagst, ohne zu ahnen, wohin der Weg führt, ohne zu wissen, wie das Ziel heißt, nur von HOFFNUNG und SEHNSUCHT getrieben, dann wirst du achtsam bleiben, wach mit allen Sinnen SUCHEN und SEIN und dankbar für Zeichen und Worte und staunen darüber, wie sich Schritt für Schritt ein Weg ergibt, sich das Ahnen verdichtet, der Boden trägt und zum Quellgrund wird.“

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen Achtsamkeit, Gottvertrauen, Hoffnung und Sehnsucht – und Quellen, aus denen Sie immer wieder neue Kraft schöpfen können.

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Rubriklistenbild: © dpa / Andreas Gebert

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