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Schluss, Aus, Ende: Vor etwas mehr als vier Jahren hat Frederik Holthaus die Tür des Isar-Kaufhauses in Wolfratshausen zum letzten Mal abgeschlossen. 

Marktstraße nach wie vor „ein guter Standort“

Holthaus schließt Rückkehr nicht aus

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  • Carl-Christian Eick
    Carl-Christian Eick
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Frederik Holthaus verfolgt die Entwicklungen um das ehemalige Isar-Kaufhaus in Wolfratshausen „mit großem Interesse“. Die Vorwürfe von Rechtsanwalt Dr. Harald Mosler weist er zurück.

Wolfratshausen – Kritik und Unverständnis schlugen Angela Scheller vor vier Jahren entgegen. Der Grund: Die frühere Besitzerin des ehemaligen Isar-Kaufhauses soll mit übertriebenen Mietforderungen wesentlich dazu beigetragen haben, dass sich die Pforten des Traditions-Kaufhauses an der Wolfratshauser Marktstraße für immer schlossen. Dem widersprach ihr Rechtsanwalt Dr. Harald Mosler am Donnerstag in einem Pressegespräch in seinen Kanzleiräumen an der Baierbrunner Straße in München. „Die Fortsetzung des Isar-Kaufhauses ist nicht an überzogenen Mietforderungen gescheitert. Der Betreiber wollte einfach nicht mehr.“

Der damalige Isar-Kaufhaus-Geschäftsführer Frederik Holthaus hatte immer wieder betont, dass er keine andere Chance hatte, als die Reißleine zu ziehen und den Mietvertrag zum 31. Dezember 2012 zu kündigen. Eine Monatsmiete von 18.000 Euro hätte er gezahlt, einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben und weiter alle Instandhaltungskosten übernommen. Mehr sei angesichts sinkender Umsätze nicht möglich gewesen.

Mosler bemühte sich im Auftrag von Angela Scheller um die Zukunft der Immobilie. Vor zwei Tagen gab er bekannt, dass die Untermarkt 7-11 GmbH mit der Scherbaum AG aus Grünwald als Hauptgesellschafter das Gebäude gekauft hat. Aus seiner Sicht stehe nach Gesprächen mit Scheller sowie dem Studium der Akten fest, „dass damals eine Partei gute Öffentlichkeitsarbeit betrieben hat und die andere nicht. Frau Scheller sind daraus Nachteile entstanden.“

Der damalige Betreiber des Isar-Kaufhauses, so Mosler, hätte etwa bestimmte Maßnahmen unterlassen, „die man durchaus hätte in Angriff nehmen können“. Zudem sollen schon zu einem Zeitpunkt keine Bestellungen mehr getätigt worden sein, als die Zukunft des Isar-Kaufhauses noch gar nicht feststand. Moslers Fazit: „Frau Scheller tut mir leid. Ich musste das nötige Vertrauen zu ihr erst einmal aufbauen.“

Frederik Holthaus, der das Isar-Kaufhaus in Geretsried betreibt, weist diese Vorwürfe zurück. Rechtsanwalt Mosler sei damals nicht dabei gewesen und kenne das Geschehen nur aus den Erzählungen von Angela Scheller, sagt der 53-Jährige. „Es stimmt nicht, was Herr Mosler sagt. Wir hätten weitergemacht, wenn die Konditionen gestimmt hätten.“ Man habe lediglich ein paar Sortimente – etwa die Zeitschriften – nach Geretsried gegeben, als sich die weitere Entwicklung absehen ließ, oder die Lotto-Abteilung aufgelöst. „Im Großen und Ganzen haben wir aber bis zu Schluss der Gespräche ganz normal weitergearbeitet und um die Zukunft des Kaufhauses gekämpft.“

Die Berichterstattung über das ehemalige Isar-Kaufhaus in der Wolfratshauser Altstadt verfolgt Holthaus nach eigenen Worten „mit großem Interesse“. 1966 hatte sein Vater Otto-Ernst Holthaus das Unternehmen in der Flößerstadt gegründet, 46 Jahre leitete er beziehungsweise sein Sohn die Geschicke des Kaufhauses am Untermarkt. Am 31. Dezember 2012 schloss Mieter Frederik Holthaus die Türen nach einem wochenlangen öffentlichen Zwist mit Eigentümerin Scheller endgültig ab. Der nun geplante Abriss und Wiederaufbau des Gebäudekomplexes „ist der absolut richtige Schritt“, urteilt der 53-Jährige. Ihm gefällt unter anderem, dass sich der Neubau an historischen Fotos der Immobilie orientieren und ins historische Stadtbild passen soll.

Holthaus schließt nicht aus, dass er in der neuen Immobilie, die laut Mosler spätestens 2020 stehen soll, „ein kleines Kaufhaus“ einrichtet. „Wir sind nicht abgeneigt“, sagt der 53-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Voraussetzungen: „Die Mietkonditionen und der Flächenzuschnitt müssen natürlich passen.“ Es gebe „kleine Kaufhauskonzepte“, die auf 800 bis 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche basieren würden. Zum Vergleich: Das Isar-Kaufhaus in Geretsried hat gut 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche, in der Wolfratshauser Altstadt waren es 2100.

Die Marktstraße sei nach wie vor „ein guter Standort“, sagt Holthaus. Würden die Pläne der Projektgesellschaft Untermarkt 7-11 GmbH in die Tat umgesetzt, „würde das den Standort natürlich noch einmal kräftig aufwerten“. Nicht zuletzt, wenn mit der Bekleidungskette „Hennes und Mauritz“ (H & M) ein Frequenzbringer in das Gebäude einziehen würde. Noch sei das alles Zukunftsmusik, betont der Wolfratshauser. Doch wenn der Investor Interesse habe, werde er, Holthaus, die Chancen für ein kleines Kaufhaus in der Wolfratshauser Innenstadt ernsthaft prüfen. Zu einem möglichen Sortimentsangebot kann Holthaus noch nichts sagen. Nur so viel: „Wir würden uns am Bedarf orientieren.“

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