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Spende Blut, rette Leben: Hier sind zwar alle Liegen belegt, doch nur rund 5,3 Prozent der Bayern gehen regelmäßig zum Blutspenden. Im Landkreis sind es noch weniger – und das ist ein großes Problem.

Rotes Kreuz ist in Blut-Not

Im Landkreis gibt es immer weniger Blutspender – das hat dramatische Folgen für alle 

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Täglich brauchen Kranke und Verletzte in Bayern etwa 2000 Blutkonserven. Doch es gibt immer weniger freiwillige Spender. Im bayernweiten Vergleich schneidet der Landkreis besonders schlecht ab. Blutspendedienst-Leiter Vitus Adlwarth appelliert am heutigen Weltblutspendetag eindringlich an die Bürger.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Leere Betten in einem verlassenen Krankenhaus. Ärzte und Krankenschwestern sitzen auf dem Boden. Das Telefon klingelt, aber niemand nimmt ab. Denn alle sind gefesselt. Die Botschaft: „Ohne Blut können wir nicht helfen.“ Dieses Horror-Szenario zeichnet der Werbespot „Gefesselt“ des Deutschen Roten Kreuzes aus dem Jahr 2009, der heute noch so aktuell ist wie damals.

Denn das Bayerische Rote Kreuz (BRK) prognostiziert einen weiteren Rückgang an freiwilligen Blutspendern. Im Freistaat waren es im vergangenen Jahr rund 533 000 Frauen und Männer. Das klingt viel, ist es aber nicht, nämlich nur 5,3 Prozent der möglichen Spender zwischen 18 und 72 Jahren.

Landkreis liegt auf Platz 60 von 72

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen liegt sogar unter diesem Schnitt. Hier spendeten 2141 Menschen 3572 Blutkonserven, das entspricht knapp 4,1 Prozent. Die aktuellen Zahlen sind erschreckend niedrig – und sehen auch für die Zukunft nicht rosig aus. Bis 2035 rechnet das BRK bayernweit mit einem Rückgang von acht Prozent.

Vitus Adlwarth betreut den Blutspendedienst im Landkreis.

Vitus Adlwarth ist frustriert wegen der schlechten Zahlen. „Wir sind nur auf Platz 60 von 72 Landkreisen“, sagt der Leiter des Blutspendediensts im Landkreis. „So kann es nicht weitergehen.“ Dass in ganz Bayern immer weniger Menschen bereit sind Blut zu geben, sei mitunter selbst verschuldet. „Der Blutspendedienst hat sicher den ein oder anderen Spender vergrault“, mutmaßt Adlwarth. Er sei meist bei Terminen vor Ort und habe schon oft erlebt, dass viele von der mitunter zweistündigen Wartezeit abgeschreckt und wieder gegangen sind. „Die Ärzte brauchen lang für die Anamnese. Das Transfusionsgesetz wird – ähnlich wie die Datenschutzgrundverordnung – immer komplizierter“, erklärt Adlwarth. „Es dauert sehr lang, bis die Nadel im Arm ist.“ Außerdem sei nur ein Teil der Helfer hauptamtliche Kräfte. Vorbereitung und Verpflegung werden ehrenamtlich gestemmt. „Und wie in allen Pflege- und sozialen Bereichen sind auch hier die Leute knapp.“

Ein weiteres Problem sieht der 59-Jährige in der fehlenden Aufklärung. „Die Leute wissen viel zu wenig darüber, was mit ihrem Blut passiert.“ Denn nicht nur Unfallopfer benötigen die lebensrettenden Konserven. Den Löwenanteil verschlinge mittlerweile die Krebstherapie. Adlwarth wünscht sich eine besser Öffentlichkeitsarbeit und mehr Unterstützung von der Blutspendedienst-Zentrale.

Für den Landkreis ist der Rotkreuzler wenig optimistisch. „Vor einigen Jahren haben wir vor Ort wahnsinnig viel investiert. Wir haben in den Medien geworben, Flyer verteilt, haben an Schulen aufgeklärt und Sondertermine angeboten. Aber das hat gar nix gebracht.“ Adlwarth seufzt. „Ich weiß nicht warum, aber wir bringen den Landkreis nicht in die Höhe.“

Blut ist nicht künstlich herstellbar

Die Hoffnung aufgeben will er trotzdem nicht. Adlwarth versucht, an das Mitgefühl der Leute zu appellieren. Mit Sätzen „Bitte geh’ spenden, denn du könntest mein Retter sein“ könne man Nachbarn und Bekannte möglicherweise zum Spenden animieren. „Nur wenn jeder denkt: ,Irgendwer geht schon, nur halt nicht ich‘, dann ist keinem geholfen.“ Außerdem müsse den Menschen klar werden, dass der Blutspendedienst nicht um seinetwillen arbeitet. „Die Bevölkerung muss verstehen, dass sie sich selbst braucht“, betont Adlwarth. Denn Blut ist nach wie vor nicht künstlich herstellbar. Und wenn keine Vorräte da sind, sind alle gefesselt und unfähig Leben zu retten. 

Wie Blutspenden funktioniert – und was danach passiert

Blutspenden kann jeder gesunde Mensch ab dem 18. Geburtstag bis zum vollendeten 72. Lebensjahr. Erstspender sollten nicht älter als 64 Jahre sein. Innerhalb eines Jahres können Frauen vier Mal, Männer sechs Mal Blut spenden. Mindestens 56 Tage Abstand müssen zwischen zwei Spenden liegen. Wer Erstspender ist, muss seinen Ausweis mitbringen, dann auch den Blutspendeausweis. Vor der Blutentnahme ist ein Fragebogen auszufüllen, anschließend gibt es einen kurzen Check beim Arzt. Gibt der sein Einverständnis, werden dem Spender 500 Milliliter Blut entnommen. Nach dem Spendetermin werden die Blutkonserven in den mit individuellen Sicherheitscodes versehenen Spezialbeuteln in das Produktions- und Logistikzentrum ins unterfränkische Wiesentheid gebracht. Dort wird das Blut in seine Bestandteile zerlegt, womit bis zu drei Patienten geholfen werden kann. Die Blutflüssigkeit (Plasma) wird bei minus 40 Grad tiefgefroren. Sie muss nach vier Monaten noch einmal getestet werden und wird hauptsächlich zur Herstellung von Medikamenten verwendet. Die roten Blutzellen kommen bei hohen Blutverlusten, etwa bei Unfällen oder Operationen, zum Einsatz. Während die weißen Blutzellen nicht verwendet werden, sind die Blutplättchen für die Blutgerinnung wichtig. Sie werden insbesondere für Chemotherapien benötigt. Hier heißt es schnell zu sein: Blutplättchen müssen innerhalb von vier Tagen nach der Spende übertragen werden. In der Zwischenzeit werden sie bei Raumtemperatur ständig bewegt, damit sie nicht gerinnen und unbrauchbar werden. Bei der Blutspende werden außerdem drei Röhrchen befüllt, die in den Labors in Wiesentheid und München getestet werden. Ist dort etwas nicht in Ordnung, wird der Hausarzt des Spenders benachrichtigt und die Konserve vernichtet. mh

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