+
Große Freude bereitet die Waldramer Steinschlange vor allem den Kindern.

Als Zeichen gegen die Corona-Pandemie

Im Pinselfieber: Das steckt hinter den bemalten Steinen in Wolfratshausen und Waldram

  • schließen

Ob einzeln versteckt  oder als lange Steinschlange: Viele bunte Steine gibt es momentan in Wolfratshausen und Waldram zu sehen. Hinter beiden Aktionen steckt eine schöne Geschichte. 

Wolfratshausen – Eine niedliche kleine braune Eule, die auf einem Ast sitzt, eine Krankenschwester mit blauer Kopfbedeckung und Mundschutz, ein nächtlicher Nadelwald, den Polarlichter am Himmel erhellen: Tanja Schulte malt die verschiedensten Motive. Außergewöhnlich ist dabei vor allem ihre Unterlage. Die Wolfratshauserin verschönert in ihrer Freizeit Steine.

Wolfratshausen: Steine werden „ausgewildert“

Nach nicht mal einem Jahr ist Schulte nun mit ihren Kunstwerken groß rausgekommen. Sie verteilte einige ihrer gestalteten Steine in der Stadt – und löste damit in dem sozialen Netzwerk Facebook einen regelrechten Hype aus. Dabei kam die Teamassistentin durch Zufall zu der Kunstform. Sie las von sogenannten Schwämel-Stein-Gruppen, in denen Gleichgesinnte Steine bemalen und „auswildern“, also irgendwo in der Natur auslegen. Gemalt habe sie schon immer gerne, sagt die 43-Jährige. „Deshalb dachte ich mir, das probiere ich jetzt einfach mal aus.“

Reaktionen auf Facebook waren überwältigend

Ein Foto ihrer fünf neusten Kunstwerke veröffentlichte sie kürzlich vor dem Auswildern auf Facebook. Die Reaktionen überwältigten sie: 251 Menschen drückten „Gefällt mir“ und 102 kommentierten begeistert. „Das ist der Wahnsinn. Damit hätte ich nie gerechnet. Ich bin immer noch total verblüfft“, gesteht Schulte.

Der erste Schwung Steine, den Tanja Schulte kürzlich in Wolfratshausen verteilte.

Auch im realen Leben scheinen die Unikate gut anzukommen. Die gelernte Technische Zeichnerin hatte sie bei einem Spaziergang verteilt. Die Eule beispielsweise fand ihren Platz am Brunnen bei der Biermühle, die Krankenschwester landete am Eckbrunnen beim Schwankl-Eck. 

„Als ich am nächsten Tag wieder an den Stellen vorbeigelaufen bin, waren alle weg“, berichtet Schulte zufrieden. Ihr Ziel hat sie erreicht: All ihre Steine sollen jemandem eine kleine Freude bereiten. „Gerade jetzt ist das doch so wichtig.“, betont die Wolfratshauserin. Deshalb dürften die glücklichen Finder die kleinen Kunstwerke gerne behalten.

Wolfratshauserin hat ihr Ziel erreicht

Neues Rohmaterial entdeckt die 43-Jährige etwa bei ausgedehnten Spaziergängen im Bergwald. „Da muss ich immer aufpassen, dass ich hinterher nicht wieder mit Taschen voller Steine nach Hause komme“, sagt Schulte und lacht. Bis ihre Kunstwerke fertig sind, braucht es Zeit: Die Steine müssen gesäubert, grundiert und teilweise mit mehreren Schichten bemalt werden. „Pro Stück dauert das meistens zwei Tage.“

Tanja Schulte aus Wolfratshausen

Die Motive geben ihr die Steine zum Teil selbst vor. „Manchmal sehe ich einen und weiß sofort, was auf ihn draufkommt“, erklärt Schulte im Gespräch mit unserer Zeitung. Einmal fand sie zum Beispiel ein Exemplar in der Form eines Ginkgoblattes. „Den habe ich komplett weiß grundiert und ein Ginkgoblatt drauf gemalt.“

Was die 43-Jährige an ihrem Hobby mit Abstand am meisten liebt, ist die große Freiheit, die dahintersteckt. „Ich male immer nur dann, wenn ich Lust habe, und das, worauf ich Lust habe“, sagt sie. „Und wenn ich mal eine Woche nicht motiviert bin, lasse ich es eben sein.“ Aktuell ist das allerdings nicht der Fall. Im Gegenteil: „Ich bin wieder dabei.“

Waldram: Steine ziehen Aufmerksamkeit auf sich

Auch in Waldram ziehen in diesen Tagen Steine die Aufmerksamkeit auf sich. Die Aktion unterscheidet sich etwas von den „Schwämel-Steinen“. Seit etwa zwei Wochen schlängelt sich eine Reihe bunt bemalter Steine entlang des Durchgangs Bettingerstraße/Thomastraße. Gut 300 Stück seien schon zusammengekommen, berichtet die Waldramerin Sandra Gessner stolz. „Hier bei uns in Waldram haben wir eine so schöne Gemeinschaft“, schwärmt sie. Deshalb sei ihre Nachbarin auf die Idee gekommen, als Zeichen des Zusammenhaltens während der Corona-Krise diese Stein-Schlange zu beginnen.

Steinschlange als Zeichen des Zusammenhalts

Vor allem bei den Kindern, darunter auch Gessners Söhne Mika und Samu, sorgt die Aktion für großen Spaß. „Die Kleinen laufen jeden Tag mehrmals zur Schlange und schauen nach, ob sie wieder ein Stück länger geworden ist“, erzählt die Waldramerin.

Laut Gessner legen mittlerweile sogar Menschen von außerhalb ihre bemalten Kunstwerke dazu – und erfreuen sich an der immer länger werdenden Schlange. Ob bunte Steifen, Punkte oder aufmunternde Sprüche wie „Alles wird gut“ oder „Heute schon gelacht“: Beim Bemalen scheint die Fantasie grenzenlos zu sein. Ziel in Waldram ist laut Gessner: „Dass die Schlange immer weiter wächst, mindestens bis zum Ende der Straße.“

Kreativ sind auch die Münsinger Grundschüler: Die Rektorin hat ihre Schüler dazu aufgerufen, Bilder vom Lernen daheim zu knipsen.

kof

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Das Schlimmste ist die Ungewissheit“: Künstler berichten, wie sie mit der Corona-Krise umgehen
Abgesagte Konzerte, verschobene Ausstellungen und Lesungen: Den freischaffenden Künstlern macht die Corona-Krise zu schaffen. Drei von ihnen berichten, wie sie mit der …
„Das Schlimmste ist die Ungewissheit“: Künstler berichten, wie sie mit der Corona-Krise umgehen
100. Geburtstag zu Corona-Zeiten: Stimmungsvoll-ungewöhnliche Feier im Seniorenheim
Friedrich Hofmeister feierte im Seniorenheim Schwaigwall seinen 100. Geburtstag. Ein nicht alltägliches Fest in ungewöhnlichen Zeiten.
100. Geburtstag zu Corona-Zeiten: Stimmungsvoll-ungewöhnliche Feier im Seniorenheim
Biergärten seit einer Woche wieder geöffnet: Wirte ziehen weitgehend positives Fazit
Seit einer Woche haben Biergärten wieder geöffnet, an diesem Montag geht es auch in den Gasträumen weiter. Die Wirte sind zufrieden - auch wenn nicht jeder die neuen …
Biergärten seit einer Woche wieder geöffnet: Wirte ziehen weitgehend positives Fazit
Die Tafeln im Landkreis haben wieder geöffnet
Es ist ein weiterer Schritt in Richtung Normalität: Nach und nach haben die Tafeln im Landkreis wieder ihren Betrieb aufgenommen - mit Hygienekonzept, versteht sich. 
Die Tafeln im Landkreis haben wieder geöffnet

Kommentare