Schutzimpfung: Seit knapp einer Woche sind die mobilen Teams in Pflegeheimen im Kreis im Einsatz. Foto: Dpa
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Schutzimpfung: Seit einigen Tagen sind die mobilen Teams in Pflegeheimen im Kreis im Einsatz.

„Wir wollen alle, dass der Lockdwon endet“

Die Impfbereitschaft in den Pflegeheimen ist groß

Seit mehreren Tagen werden die Bewohner von Altenheim im Landkreis gegen das Coronavirus geimpft. Fast alle machen mit - sowohl Bewohner als auch Pfleger.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wie Marlis Peischer, Sprecherin der Kreisbehörde, mitteilt, hat der Landkreis amvergangenen Dienstag die zweite Lieferung mit Impfdosen erhalten. Zum Zug kam am selben Tag das Kreispflegeheim in Lenggries, in dem sich laut Peischer ein Großteil der Bewohner bereitwillig piksen ließ. Unterwegs im Landkreis sind drei mobile Teams, bestehend aus jeweils mindestens einem Arzt oder einer Ärztin sowie medizinischem Fachpersonal. Ebenfalls am Dienstag und Mittwoch machten Teams in den Seniorenheimen Lindenhof in Schlehdorf und Seehof in Kochel Station. Beide Einrichtungen leitet Jörg Kahl. In Schlehdorf, wo mittlerweile 16 Patienten im Geronto-Bereich mit Covid-19 infiziert sind, wurde laut Kahl das komplette Stockwerk mit den Erkrankten isoliert. Von den übrigen Bewohnern ließen sich 85 Prozent impfen, beim Personal waren es sogar 90 Prozent. „Dieser Schutz ist natürlich im Moment umso wichtiger für uns“, sagt der Heimleiter. Bei den infizierten Bewohnern geht man davon aus, dass sie noch eine Zeit lang immun sein werden. Sie könnten zu einem späteren Zeitpunkt nachgeimpft werden. In Kochel ließen laut Kahl etwa 85 Prozent der Bewohner und etwa ein Drittel der Mitarbeiter im Pflegebereich eine Schutzimpfung an sich vornehmen.

Teils muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden

Siegfried Hammer, Chef des Hauses am Park in Bad Tölz, will mit gutem Beispiel vorangehen und sich selbst sofort zum angekündigten Impftermin, an diesem Silvestertag, eine Spritze verpassen lassen. Von seinen Mitarbeitern hätten sich noch nicht alle dazu entschieden, das kostenlose Angebot anzunehmen, sagt Hammer. Sie hätten schließlich noch die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt die Impfzentren in Bad Tölz oder Wolfratshausen aufzusuchen. Von den Bewohnern – teils im betreuten Wohnen, teils im Pflegeheim – hätten sich rund zwei Drittel der insgesamt 120 Senioren zur mobilen Impfung am letzten Tag des Jahres angemeldet. „Manche sind noch skeptisch“, berichtet Hammer. Er habe viele Diskussionen zu dem Thema mitbekommen. Er persönlich vertraue der Wissenschaft. Die Immunisierung eines Großteils der Bevölkerung sei „die einzige Möglichkeit, die Pandemie zu durchbrechen“.

Schwierige Abwägung beim Demenzkranken

Dieser Meinung ist auch Gabi Strauhal vom Demenz-Zentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Wolfratshausen. Sie hat sich für die für den 2. Januar geplante mobile Impfung vormerken lassen. „Wir wollen alle, dass der Lockdown endet“, sagt sie. Strauhal betont, dass dies ihre ganz persönliche Ansicht sei. Sie habe weder die Angehörigen der Heimbewohner noch ihre Kollegen zu beeinflussen versucht. Nur für etwa die Hälfte der derzeit 60 Patienten mit Demenz liege eine Einverständniserklärung zur Impfung vor. Entscheiden müssten hier die Angehörigen beziehungsweise Betreuer. „Es ist eine schwierige Abwägung. Noch gibt es wenige Informationen“, findet Strauhal. Sie habe versucht, in Telefongesprächen so gut wie möglich das weiterzugeben, was sie selbst auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts und des Gesundheitsministeriums gelesen habe. Eines sei aber sicher: Je mehr ihrer an Demenz leidenden Schützlinge geimpft seien, desto leichter würden Besuche in Zukunft. Weil die Bewohner aufgrund ihrer Erkrankung meist die Hygieneregeln nicht einhalten könnten („sie verstehen nicht, warum sie den Ehemann oder die Tochter plötzlich nicht mehr umarmen dürfen“), hätten Besuche in der Vergangenheit stark eingeschränkt werden müssen.

Kritik am bürokratischen Aufwand

Noch keinen Termin hat der ASB-Seniorenwohnpark Isar-Loisach in Wolfratshausen in Aussicht. Einrichtungsleiterin Sarah Wildmann berichtet von Problemen mit den Einwilligungserklärungen. Es habe kurzfristig neue Formulare gegeben, die noch ausgefüllt werden müssten. Sie schätzt aber, dass es dabei bleibt, dass rund zwei Drittel der Senioren sich impfen lassen wollen. Aktualisierte Formulare erhielt auch das Haus Elisabeth in Geretsried kurz vor Weihnachten. Pflegedienstleiterin Swetlana Eigenseer kritisiert den bürokratischen Aufwand. Bislang habe etwa die Hälfte der 135 Bewohner ihr Einverständnis zur Impfung erklärt. Wann diese stattfinden soll, weiß Eigenseer nach eigenen Worten noch nicht.

In Heimen mit Infizierten wird zunächst nicht geimpft

Auf eine E-Mail mit der Bekanntgabe des Impftermins wartet auch Hildegard Seidl, Pflegedienstleiterin im Caritas Altenheim St. Hedwig in Geretsried. In ihrem Haus sei die Vorfreude auf die Aktion sehr groß. „70 unserer 99 Seniorinnen und Senioren haben keine Angst vor dem Piks“, sagt Seidl. Beim Personal hätten sich bislang 24 von 72 Mitarbeitern für die mobile Impfung entschieden. Seidl hofft vor allem, dass die Reihentestungen auf Covid-19 mit der Massenimpfung allmählich reduziert werden können. Bei den Bewohnern werde wöchentlich ein Abstrich vorgenommen, beim Personal zweimal in der Woche.

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Laut Landratsamtssprecherin wird in Heimen, in denen Corona-Ausbrüche zu verzeichnen sind, nicht geimpft, da man davon ausgeht, dass die Patienten im Nachgang immun sind. Peischer: „Selbstverständlich erhalten impfberechtigte, aber nicht infizierte Bewohnerinnen und Bewohner eine Schutzimpfung, sobald der Ausbruch in einem solchen Heim als beendet eingestuft wird.“ Tanja Lühr

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