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Viel Stop, wenig Go: Schon heute sind die Straßen im Mittelzentrum Geretsried-Wolfratshausen (hier die Staatsstraße zwischen Einöd und Unterleiten) häufig völlig verstopft. Der weitere Wohnungsbau in Geretsried wird die Verkehrslage noch verschärfen, warnen Wolfratshauser Stadträte.

Bebauung des Lorenz-Areals

In Geretsried wird gebaut –  Wolfratshauser fürchten den Verkehrskollaps

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Geretsried wächst enorm. In der Nachbarstadt verfolgt man diese Entwicklung mit Sorge. Mehr Wohnraum bedeutet mehr Verkehr. Wolfratshausen meldet Einwände gegen ein Geretsrieder Bauvorhaben an.

Wolfratshausen/Geretsried – Bereits in diesem Jahr sollen auf dem sogenannten Lorenz-Areal an der Banater Straße die Bagger anrollen. In mehreren Bauabschnitten sind insgesamt 780 Sozial-, Miet- und Eigentumswohnungen geplant.

Zuvor muss der Flächennutzungsplan für das Gebiet geändert werden, die Stadt Wolfratshausen muss dazu als benachbarte Kommune gehört werden. Bedenken meldete in der Bauausschusssitzung am Mittwochabend Richard Kugler (parteifrei für die CSU) an. Dass der „Ballungsraum“ Wolfratshausen verdichtet würde, sei unabwendbar. Doch neuen Wohnraum zu schaffen, „ohne die Infrastruktur in der Region auszubauen“ sei für ihn „sträflich“, sagte Kugler. „Ohne einen Gesamtplan geht’s nicht weiter.“ 780 Wohnungen auf dem Lorenz-Areal bedeuten für Kugler 1500 zusätzliche Fahrzeuge, die mehr oder weniger alle über Wolfratshauser Straßen rollen. „Wenn ich Großstadt werden will, muss ich die entsprechende Infrastruktur schaffen“, ließ Kugler die Nachbarn wissen.

Autobahnzubringer soll ertüchtigt werden

Dass Geretsried zusätzlichen Wohnraum schafft, „ist auch für uns wichtig“, räumte der Fraktionssprecher der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW), Josef Praller, ein. Er mahnte die „gemeinsame Lösung“ der Verkehrsproblematik an. Dazu zählt für Praller der bereits angedachte vierspurige Ausbau des Wolfratshauser Autobahnzubringers (B 11a). Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD), der die Sitzung in Vertretung von Rathauschef Klaus Heilinglechner leitete, berichtete aus „Vorgesprächen“, dass die Stadt Geretsried den Ausbau der B 11a sehr begrüßen würde. Ergänzt werden sollte die Ertüchtigung „mit einer Abfahrt von der B 11a nach Gelting“. Doch ein solches Projekt „wird noch Jahre dauern“, meinte Schnaller.

Praller pochte auf einen Tritt aufs Gaspedal. Er wolle nicht warten, bis der Ausbau des Autobahnzubringers eines fernen Tages in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden ist: „Wir müssen das jetzt einfordern“, sagte Praller und betonte, dass man zu diesem Zweck die Gemeinden Münsing und Eurasburg mit ins Boot holen sollte.

BVW-Stadträtin Dr. Ulrike Krischke monierte das Vorgehen der Stadt Geretsried. Bei einem Projekt in der Größe des Lorenz-Areals „hätte man vorher über das Thema Verkehr mit uns reden müssen“. Stattdessen seien quasi vollendete Tatsachen geschaffen worden, die Wolfratshausen zur Kenntnis zu nehmen habe. „Ich bin von Wolfratshausern gewählt worden, deshalb kann ich der Änderung des Flächennutzungsplans nicht mit gutem Gewissen zustimmen.“

CSU-Chef Eibl findet Debatte „lachhaft“

Günther Eibl bezeichnete die Debatte als „lachhaft“. Die Flößerstadt „kann doch nicht ins Hoheitsrecht der Stadt Geretsried eingreifen“, stellte der CSU-Fraktionschef fest. „Es sind doch unsere Straßen“, sagte Eibl. Wenn Wolfratshausen etwas unternehmen wolle, „dann müssen wir unseren Flächennutzungsplan ändern“. Vize-Bürgermeister Schnaller warnte vor einem negativen Beschluss, der in Geretsried missgedeutet werden könnte. In puncto Verkehr „müssen beide Kommunen tätig werden“, sagte Schnaller. Das bedeute auch: Anfallende Kosten müssten geteilt werden. Eibl wies in diesem Zusammenhang auf den von seinem Parteifreund Alfred Fraas vorgeschlagenen Tunnel zwischen der B 11a und der Pupplinger Au hin.

Der Bauausschuss fasste schließlich den Beschluss, die geplante Änderung des Flächennutzungsplans im Bereich der Banater Straße in Geretsried „zur Kenntnis zu nehmen“. Die vorgebrachten Bedenken und Einwände wird Bauamtsmitarbeiterin Susanne Leonhard zusammenfassen und auf dem Dienstweg ins Geretsrieder Rathaus senden. Die Räte Kugler und Krischke versagten dem Beschluss ihre Zustimmung. cce

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