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Daumen hoch: Im Wolfratshauser Stadtrat wurden noch einmal die Argumente pro interkommunales Hallenbad genannt.

Die finale Entscheidung rückt näher

Hallenbad: Wolfratshausen ist Zünglein an der Waage

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Wolfratshausen – Der Landrat Josef Niedermaier stellte sich in Wolfratshausen den Fragen der Stadträte. Auf dem Tisch war ein brisantes Thema: Es ging um das geplante interkommunale Hallenbad.

Sie sind das Zünglein an der Waage – und sie sind sich dessen bewusst. Die Wolfratshauser Stadträte entscheiden vermutlich über das Wohl und Wehe des interkommunalen Hallenbads in Geretsried. Beteiligt sich die Loisachstadt nämlich nicht am Betriebskostendefizit, wird es voraussichtlich nichts mit dem gemeinsamen Projekt. Um ihre finale Entscheidung besser vorbereiten zu können, hatten sich die Wolfratshauser Politiker eine Infoveranstaltung mit Josef Niedermaier und Michael Müller gewünscht. Der Landrat und der Geretsrieder Bürgermeister standen dem Gremium am Dienstag Rede und Antwort. Zwar war das Treffen als Frage-Antwort-Runde gedacht. Tendenzen, welche Position die Fraktionen vertreten, ließen sich dennoch erkennen.

Niedermaier und Müller skizzierten die Historie des Projekts und legten konkrete Zahlen vor (siehe Kasten). Demnach wissen die Kommunen jetzt auf den Cent genau, wie viel von dem heiß diskutierten Betriebskostendefizit sie zahlen müssten, wenn alle gemeinsam die große Lösung stemmen. Für Wolfratshausen geht es demnach neben den rund 28 000 Euro für den Schulbereich um etwas mehr als 105 000 Euro im Jahr – eine Zahl, die die CSU-Fraktion kritisch sieht.

Deren Sprecher Günther Eibl bekundete den Nachbarn im Süden zwar Respekt für das Projekt und für die Tatsache, „dass die Betriebskosten ein Thema sind, bevor das Bad auf den Weg gebracht ist“. Die CSU stehe auch zum Wolfratshauser Investitionskostenzuschuss. Bei den Betriebskosten gebe es aber Fragezeichen, etwa bei den Besucherzahlen oder bei der Schulnutzung. „Die Abrechnung ist auf Kante genäht“, ergänzte Eibl. „Sie enthält unkalkulierbare Überraschungen.“ Deswegen und weil auf Wolfratshausen – Stichwort S-Bahn – einige Ausgaben zukommen und die Rücklagen bald aufgebraucht seien, stehe fest: „Die CSU trägt die Betriebskosten nicht mit.“

„Die CSU trägt die Betriebskosten nicht mit.“


Helmut Forster (Bürgervereinigung) brachte das Weidacher Lehrschwimmbecken ins Spiel. „Das wollen wir erhalten.“ Auf die Stadt würden Renovierungskosten von einer halben Million Euro zukommen. Auch das müsse man bei der Entscheidung berücksichtigen. Der ehemalige Bürgermeister monierte zudem, dass zu Beginn der Planungen nie von einem Defizitausgleich die Rede war – was ihm von Niedermaier den Hinweis einbrachte, „dass sich Planungen ändern können“. Josef Praller wundert sich darüber, dass die Besucherzahlen von 90 000 auf 115 000 gestiegen und die Kosten nicht mehr gedeckelt sind. Der Fraktionssprecher der Bürgervereinigung kritisierte generell „immer wieder neue Ergebnisse“, ein „Informationsdefizit der Stadt“ und dass Wolfratshausen zwar viel für das Bad zahlen müsste, aber kein Mitspracherecht bekomme. Müller erneuerte in diesem Zusammenhang sein Angebot, einen Beirat ins Leben zu rufen, der zum Beispiel über die Belegung berät. Dennoch blieb Praller dabei: „Interkommunale Zusammenarbeit darf keine Einbahnstraße sein. Bei der Planung hat sie nicht stattgefunden.“


„Interkommunale Zusammenarbeit darf keine Einbahnstraße sein. Bei der Planung hat sie nicht stattgefunden.“

Optimistischer äußerte sich Dr. Hans Schmidt (Grüne). Nur für das Interkommunale Bad gebe es nennenswerte Fördermittel. Betriebs- und Personalkosten seien bei der großen Lösung günstiger als bei zwei kleineren Bädern. „Wenn diskutiert wird, diese Lösung abzulehnen, sollten auch die Konsequenzen bedacht werden: Das Weidacher Schwimmbecken ist sanierungsbedürftig, wir brauchen ein Bad für den Schwimmunterricht. Eine Ablehnung müssten wir gegenüber der Öffentlichkeit begründen.“

Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) pflichtete ihm bei. „Für so wenig Geld so viel zu bekommen, ist eine Ausnahme.“ Bürgermeister Klaus Heilinglechner schließlich mahnte zur Vorausschau. „Wir leben in einer wachsenden Region. Wir müssen an die Zukunft denken.“

„Wir leben in einer wachsenden Region. Wir müssen an die Zukunft denken.“


Über das weitere Vorgehen werden die Wolfratshauser fraktionsintern beraten. Auch Treffen mit den Geretsrieder Fraktionsspitzen sind geplant. fla

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