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Spieglein, Spieglein an der Wand: Für Ingrid Schnaller, Vorsitzende des Werbekreises, ist Wolfratshausen eine schöne Einkaufsstadt. Es gibt aus ihrer Sicht jedoch noch Verbesserungsbedarf. 

Im Gespräch mit der Vorsitzenden des Werbekreises Ingrid Schnaller

„Wir brauchen einen Masterplan“

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Ingrid Schnaller lenkt die Geschicke des Werbekreises Einkaufsstadt Wolfratshausen, der heuer seit 40 Jahren besteht, für weitere zwei Jahre. Unsere Zeitung hat die 43-Jährige um ein Interview gebeten.

Wolfratshausen– Im Herbst 2014 übernahm die Ehefrau des Wolfratshauser Vize-Bürgermeisters Fritz Schnaller das Amt der Vorsitzenden. 

Frau Schnaller, der Werbekreis Einkaufsstadt Wolfratshausen besteht heuer seit 40 Jahren. Was macht den Verein für die Stadt so wertvoll?

Zunächst einmal ist jeder Verein wertvoll für unsere Stadt. Die ehrenamtliche Arbeit und der damit verbundene gesellschaftliche Zusammenhalt sind von unschätzbarem Wert und verdient vorbehaltlos unser aller Respekt und Anerkennung. Bezogen auf unseren Verein kann ich sagen, dass 40 Jahre für eine ganz besondere Qualität mit einer grundsoliden Substanz sprechen. Vielerorts haben sich solche Vereine oft schon aufgelöst und manches mal auch wieder neu gefunden. Die Tendenz geht im Bereich Vermarktung, (Einkauf-) Stadtmarketing eher zu bezahlten Vollzeitstellen.

Zur jüngsten Hauptversammlung, in der Sie in Ihrem Amt als Vorsitzende einstimmig bestätigt worden sind, kamen 20 Mitglieder. Ist das nicht enttäuschend?

Nein, für mich ist das nicht enttäuschend. Mehr wäre wünschenswert, allerdings bin ich Realist. Im Vergleich zu 2014, als ich das Amt übernommen habe, waren es immerhin 30 Prozent mehr.

Was sagen Sie Nicht-Mitgliedern, um sie für den Werbekreis zu gewinnen?

Unsere Einkaufstadt können wir nur miteinander und solidarisch voranbringen. Alles, was wir letztlich für alle tun, begonnen bei Werbeaktionen, den verkaufsoffenen Sonntagen und weiteren Veranstaltungen in Kooperation mit der Stadt und anderen Vereinen, kosten unseren Vorstand schließlich viel ehrenamtliche Zeit und unsere Mitglieder einiges an Geld. Wir stehen heute sehr viel mehr in Konkurrenz zu anderen Städten – und deswegen ist eine gemeinschaftliche Vermarktung unerlässlich.

Ein Thema, älter als der Werbekreis: Warum gibt’s in der Loisachstadt keine einheitlichen Öffnungszeiten?

Dieses Anliegen ist ganz sicher ein nachvollziehbarer Wunsch unserer Kunden. Eine zeitnahe, 100-prozentige Umsetzung wird aufgrund unserer zum Teil inhabergeführten Ladenstruktur nur schwer erreichbar sein. Zugegeben: Diese Situation ist für unsere Kunden unerfreulich, wenn man zur Mittagszeit alle Einkäufe erledigen möchte, aber einige Läden geschlossen sind. Wir werden uns weiter bemühen, den Anspruch einheitlicher Öffnungszeiten umzusetzen. Zwischenzeitlich bitten wir unsere Kunden um Verständnis, da dieses Thema sicher nicht kurzfristig gelöst werden kann.

Eine aktuelle Studie besagt: Für König Kunde ist das Einkaufsflair, ist die Wohlfühlatmosphäre in einer Stadt wichtiger als Parkplätze in der Innenstadt. Wenn Sie bitte eine Schulnote (von 1 / sehr gut bis 6 / ungenügend) vergeben: Wie gut ist das Einkaufserlebnis in der Flößerstadt?

Drei, das heißt, befriedigend.

Was müsste unternommen werden, um es noch besser zu machen?

Um die Situation zu verbessern, brauchen wir einen Masterplan, der im Zusammenwirken von Bürgern, Unternehmern, Hauseigentümern, Vertretern der Stadt und der Vereine, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, getragen werden soll. Beispiele zur Verbesserung wären: Entwicklung einer Wohlfühlatmosphäre durch Gestaltung unserer Alleinstellungsgegebenheiten. Das heißt, Bergwald, Altstadt, Loisachufer und der Bereich Loisachring/S-Bahnhof. Weitere Punkte sind Erweiterung und Ergänzung der Bereiche Produktangebot und Vielfalt, Optimierung der Servicekultur als Positiverlebnis für das Einkaufsflair in Wolfratshausen sowie Verkehrslösungen, die ein Miteinander auf Augenhöhe ermöglichen, um Fußgängern und Radfahrern mehr Sicherheit auf unseren Einkaufstraßen zu bieten.

Wenn Sie einen Shopping-Ausflug in eine andere Stadt unternehmen: Auf was achten Sie besonders?

Shopping-Ausflüge in eine andere Stadt mach’ ich eher selten. Meine Einkaufswünsche kann ich größtenteils in Wolfratshausen realisieren. Dessen ungeachtet informiere ich mich beim Besuch anderer Städte genau, wie diese die oft vergleichbaren Herausforderungen bezüglich Einzelhandel, Einkaufsqualität, Stadtflair und Wohlfühlatmosphäre gelöst haben. Die besten Lösungsansätze für unsere Stadt in den vorgenannten Gestaltungsbereichen sind oft jene, die andere Kommunen bereits erfolgreich erarbeitet und umgesetzt haben.

Hand aufs Herz: Haben Sie schon einmal etwas im Internet gekauft – und verraten Sie was?

Ja, fast alles, was ich in Wolfratshausen nicht finde. (Lacht) Ich bin aber gut im Finden und bekomme sehr viel in unserer Stadt.

Ich schenke Ihnen 500 Euro – unter der Bedingung, dass Sie in drei Wolfratshauser Geschäften jeweils ein Produkt kaufen. Was wird das sein?

Nur drei Produkte? Ich würde die Summe schon gerne auf mehr verteilen. Aber gut: ein Kleid, Schuhe, Blumen beziehungsweise Pflanzen. Frau eben (lacht).

Sie lenken die Geschicke des Werbekreises nun noch bis (mindestens) Frühling 2019. Welche Ideen und Projekte möchten Sie bis dahin in die Tat umgesetzt haben?

Das meiste dazu habe ich zu Ihrer Frage „Was müsste unternommen werden?“ schon genannt. Viele Bereiche sind sehr umfangreich und müssen in ihrer gemeinsamen Wirkung betrachtet werden. Lösungen werden in vielen Fällen nur in der Zusammenarbeit mit den Stadtverantwortlichen und Vereinen umgesetzt werden können. Vieles wird innerhalb von zwei Jahren nicht umsetzbar sein, da diese Themen komplex und groß sind. Ich werde mit den Mitgliedern des Werbekreises mitarbeiten und Ideen mitentwickeln, um Entscheidungen zu unterstützen und deren Umsetzung auf den Weg zu bringen.

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