Die Obere Isar nahe Vorderriß.
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Die Isar ist sehr reizvoll, so auch im Gebiet der der Oberen Isar zwischen Vorderriß und Wallgau. Doch die Unberührtheit ist in Gefahr.

Erich Rühmer als Chef des Isartalvereins zieht Bilanz

Darum ist die Isar aktuell bedroht wie selten

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Zum 1. Januar hat Erich Rühmer den Vorsitz des Isartalvereins aufgegeben. Die Isar braucht jeden erdenklichen Schutz, findet er.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Erich Rühmer war 17 Jahre lang Vorsitzender des Isartalvereins. Rastlos machte er sich für den im Karwendel entspringenden Wildfluss stark. Zum 1. Januar hat er das Amt niedergelegt. Auf seine beiden Nachfolger wartet viel Arbeit, denn die Isar ist nach seiner Ansicht bedroht.

Herr Rühmer, was fasziniert Sie so an der Isar?

Rühmer: Ich bin 1937 in Holzen in der Gemeinde Icking geboren und bin an der Isar aufgewachsen. Besonders der Ickinger Stausee war mein liebstes Freizeit- und Ferienziel. Die Isar ist der letzte Wildfluss in Deutschland. Zumindest von der Quelle bis nach München hinein kann man ihn so bezeichnen.

Sie waren 17 Jahre Chef des Isartalvereins. Warum ist der Verein so wichtig?

Rühmer: Der Isartalverein, 1902 von Gabriel von Seidl gegründet, ist die älteste Umweltvereinigung in Bayern und vom Landesamt für Umwelt anerkannt. Wir können uns bei allen wichtigen Planungsverfahren beteiligen und werden grundsätzlich bei der Herausnahme von Flächen aus Landschaftsschutzgebieten beteiligt. Wir finden zumindest Gehör bei allen wichtigen Behörden.

Wo haben Sie in den 17 Jahren die Schwerpunkte Ihrer Arbeit gelegt?

Rühmer: Beim Ankauf von Grundstücken. Insgesamt konnte ich 66 Hektar erwerben und damit den Grundstücksbestand auf 150 Hektar vergrößern. Wichtig war mir außerdem, den Waldumbau zu fördern. Ich habe frühzeitig erkannt, dass man die Fichte durch beständigere Baumarten ersetzen muss, wobei ich immer mit der größtmöglichen Unterstützung der jeweils zuständigen Revierförster rechnen konnte. Die Zusammenarbeit mit wichtigen Behörden ist nach dem Ende meiner kommualpolitischen Tätigkeit (Rühmer war viele Jahre Bürgermeister von Schäftlarn, Anmerkung der Redaktion) nie unterbrochen worden.

Erich Rühmer legt nach 17 Jahren den Vorsitz des Isartalvereins nieder.

Muss man sich aktuell Sorgen um die Isar machen?

Rühmer: Ich würde sagen: Ja! Der jährliche Bevölkerungszuwachs der Landeshauptstadt München und des Landkreises München machen mir große Sorgen. Die Infrastruktur wächst nicht mit. Der Erholungsdruck im Süden von München nimmt ständig zu, und wenn dieser früher bis Wolfratshausen ging, so endet er heute bei Mittenwald. Die Anzeigen gegen Verstöße an der Isar und in weiteren Schutzgebieten liegen beim Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen bereits im vierstelligen Bereich. Die Festlegung der Mounteinbike-Trassen im Landkreis München ist immer noch nicht erfolgt. Und unser Antrag auf Ausweisung eines Naturschutzgebiets an der Isar liegt deshalb bei der Regierung von Oberbayern seit 2013 auf Eis.

Was würden Sie als den größten Erfolg Ihrer Amtsperiode bezeichnen?

Rühmer: Dazu zählt sicher der größte Kauf in der Vereinsgeschichte, nämlich 26 Hektar Wald zwischen der Staatstraße 2072 und der Isar in Roßwies in der Nähe von Bad Tölz. Wichtig ist außerdem die Einführung des Jahresgesprächs seit 2010, das wir zusammen mit dem bayerischen Umweltministerium organisieren, unter Beteiligung der Regierung von Oberbayern, dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim, den Landräten von Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen, beiden Landratsämtern, den Bürgermeistern an der Oberen Isar und dem Verein „Rettet die Isar jetzt“. Nicht zu vergessen die verschiedenen Auszeichnungen, etwa der Umweltpreis des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen und der Staatspreis für Waldumbau.

Ihre Nachfolger sind Josef Kellner aus Egling und Martin Kiechl aus Baierbrunn. Was kommt auf die beiden zu?

Rühmer: Da bin ich wirklich stolz, dass ich so kompetente Nachfolger gefunden habe und mit Peter Bromberger als künftiger Schatzmeister die Vorstandschaft vervollständige. Es geht darum, die gesteckten Ziele weiter zu verfolgen und neue Ideen einzubringen. Es wird darauf ankommen, in Zukunft aufgrund des herben jährlichen Zinsverlustes von 50 000 Euro auszugleichen. Die Vermögenslage des Vereins ist aktuell sehr gesund. So soll es bleiben.

In die Leitung des Isartalvereins haben Sie enorm viel Zeit und Energie gesteckt. Was machen Sie jetzt mit der freien Zeit?

Rühmer: Die wegen Corona ausgefallenen Urlaubsreisen möglichst bald nachholen und mich mehr um meine Enkellkinder kümmern. Auch Fahrradtouren entlang der Isar stehen auf dem Programm. Und wer weiß, vielleicht schreibe ich meinen Lebensgeschichte auch noch auf.

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