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Geduldsspiel: Bis zu 30 000 Fahrzeuge rollen derzeit täglich über die B 11 zwischen Wolfratshausen und Geretsried – und es werden noch sehr viel mehr werden.

Neues Gutachten

Wolfratshausen ist verkehrsmäßig am Anschlag

„Das Straßensystem ist ausgereizt“. Das war einer der Schlüsse, die Verkehrsgutachter Helmuth Ammerl in der Sondersitzung des Wolfratshauser Stadtrats am Dienstagabend zog. Ammerl, der bereits andere Projekte in der Loisachstadt begleitet hat, stellte eine Prognose vor, wie sich der Verkehr in Wolfratshausen bis 2030 entwickeln wird. Wenig überraschend: Es werden mehr Kraftfahrzeuge als bisher durch die Stadt rollen.

Wolfratshausen – Grundsätzlich geht der Mitarbeiter des Fachbüros „Obermeyer Planen + Beraten“ in München von einer Zunahme des Verkehrs „von zehn bis zwölf Prozent“ in den nächsten zehn bis 15 Jahren aus. In Wolfratshausen dürfte der Anstieg allerdings noch höher liegen. „Durch die Neueröffnung eines XXXLutz und eines Mömax-Marktes im Gewerbegebiet ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen“, erklärte Ammerl.

Helmuth Ammerl ist Verkehrsexperte der Gesellschaft Obermeyer Planen + Beraten in München.

Hinzu kommen große Wohnbauprojekte in der Nachbarstadt Geretsried – rund 1200 neue Wohnungen seien dort angedacht. Summa summarum schätzt Ammerl, dass darin 3000 Menschen einziehen werden. Die Folge: noch mehr Autos auf den ohnehin schon stark belasteten Straßen. Da sich im Gewerbegebiet Gelting, südlich der B11a, weitere Unternehmen ansiedeln werden, müsse die Verkehrsprognose wohl noch weiter nach oben korrigiert werden.

Ammerl stellte zu Beginn seines Vortrags den Status quo vor. Rund 29.000 bis 30.000 Verkehrsteilnehmer befahren jeden Tag die Bundesstraße 11 und den Autobahnzubringer B11a. Auf der A95 zwischen Wolfratshausen und Höhenrain sind täglich 43.300 Verkehrsteilnehmer unterwegs. Diese drei Knotenpunkte nahm der Gutachter genauer unter die Lupe. Das Verkehrsaufkommen steigert sich seiner Prognose nach deutlich. Auf der B11 und der B11 a sei 2030 mit „deutlich über 30.000 und auf der A 95 mit fast 50.000 Autos zu rechnen“.

Ammerl streute dem Gremium keinen Sand in die Augen. Bei dem aktuell bestehenden Straßensystem sei die Kommune „nicht mehr wirklich handlungsfähig“, das Netz sei „ausgereizt“. Wolle die Stadt Maßnahmen ergreifen, um den zukünftig zu erwartenden Verkehr aufzufangen, brauche es eine wirklich gute Lösung. Denn: „Wenn die Nutzen-Kostenberechnung nicht mindestens den Faktor drei ergibt, werden Sie dafür keine Förderung erhalten.“

Der Stadtrat wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen entscheiden, ob die derzeitige Prognose detaillierter weitergeführt werden soll, um dann im zweiten Schritt geeignete Maßnahmen zu suchen. Die Gremiumsmitglieder diskutierten im Anschluss an Ammerls Vortrag jedenfalls kontrovers. 

Dominik Stallein

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