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„Für mich war das hier immer ein Wohnzimmer“: Josef Thalhammer zieht sich Ende des Jahres als Wirt der Chili’s Tex Mex Bar zurück. Foto: 

Das Ende einer Institution

Nach 15 Jahren: Jason Thalhammer hört als Wirt der Tex Mex Bar auf

Die Akkus sind leer. Deshalb zieht sich Stefan „Jason“ Thalhammer aus der Nachtgastronomie zurück. Am 23. Dezember, seinem letzten Tag, wird der 35-Jährige dennoch „weinen wie ein Schlosshund“. 

Wolfratshausen – Wer mit seinen Freunden gerne durch die Kneipen zieht, landet über kurz oder lang bei Stefan Thalhammer, den alle nur „Jason“ nennen. Seit 15 Jahren arbeitet der Wolfratshauser in Chili’s Tex Mex Bar in der Glashütte, seit acht Jahren ist er der Chef. Damit ist bald Schluss: Der 35-Jährige Wirt hört auf. Wie es mit der Kultkneipe weitergeht, ist noch nicht klar.

Wenn Thalhammer über das „Ende einer Ära“ spricht, merkt man, wie schwer ihm die Entscheidung gefallen ist. „Nach 15 Jahren in der Nachtgastronomie merkt man aber, dass die Akkus langsam leer sind“, sagt er. Nach seinem Vollzeitjob als Instandsetzungsmechaniker in Wolfratshausen schloss er seine Bar auf. Sechs Tage in der Woche, acht Jahre lang. Privatleben, Familie und Hobbys standen oft hintenan. „Ich habe zu viele Geburtstage verpasst und Dinge liegen gelassen“, sagt er rückblickend.

Doch im Gespräch merkt man, wie viel Spaß es ihm gemacht hat, sich den Traum von der eigenen Bar zu erfüllen. Thalhammer wollte in seinem Chili’s „Menschen zusammenbringen“ und dafür sorgen, dass seine Gäste „Freunde finden und Spaß haben“. „Für mich war das hier immer ein Wohnzimmer. Und für die meisten Gäste auch“, sagt Thalhammer. Dabei lässt er den Blick über die Zugschienen schweifen, die sich an der Wand durch seine ganze Bar ziehen, und auf denen ein kleiner Zug regelmäßig Schnaps an die Tische bringt. Wie das kleine Gefährt den Weg in sein Lokal gefunden hat, erzählt er oft und gerne. „Wir waren nach der Gastro-Messe in Salzburg noch ziemlich betrunken in einer Bar, die genau so einen Zug hatte.“ Am nächsten Morgen, direkt nachdem er verkatert aufgewacht war, rief er seinen Schreiner an – und bestellte den Zug. Vielleicht ist diese offene Art des Wolfratshausers ein Grund, warum der Großteil seiner Gäste seit Jahren regelmäßig reinschaut und bei Burgern, Tacos, Enchiladas und einer Halben den Alltagsstress vergisst.

Nach 15 Jahren in der Gastronomie ist der 35-Jährige erstaunt über die Veränderungen, die er bei seinen Gästen über die Jahre feststellen konnte. „Das Weggeh-Verhalten hat sich extrem verändert“, sagt er. Oft bedient er Tischrunden, die wortlos auf ihre Handys starren. „Das verstehe ich nicht. So ein Bar-Besuch hat für mich eigentlich immer etwas Soziales.“ Auch der Respekt gegenüber seinen größtenteils jungen Kellnern habe über die Jahre nachgelassen. „Die Leute haben immer weniger Wertschätzung für das Rausgehen.“ Das zeige sich auch daran, dass seine Besucher immer häufiger die saubere Jeans und das gute Polo-Shirt im Schrank hängen lassen, und sich in Jogginghosen auf den hölzernen Bänken niederlassen. Für Thalhammer ist das unverständlich, „aber scheinbar ist das die Einstellung heute“.

Umso glücklicher ist der Wolfratshauser in den Momenten, in denen das Weggehen wieder das ist, was es für ihn immer war. Zum Beispiel wenn sich hunderte Wolfratshauser beim Wirtefest tummeln, für dessen Wiederbelebung Thalhammer verantwortlich war. Oder wenn sich wildfremde Gäste bei Fußball-WM und -EM in einem großen Zelt hinter seinem Restaurant beim Mitfiebern vereinen.

Bis zum 23. Dezember möchte er solche Momente noch erleben. Dann feiert Thalhammer seinen Abschied aus der Gastro-Szene – „und ich werde weinen wie ein Schlosshund“. Wie es danach mit der Kultkneipe weitergeht, ist noch nicht klar. „Es gibt einen Interessenten, der das weiterführen würde“, sagt der Wirt. Er selbst möchte sich eine Auszeit nehmen, „und schauen, was passiert“.

Fest eingeplant sind für den glühenden Löwen-Fan regelmäßige Besuche im Grünwalder Stadion. Seine Affinität zum TSV 1860 sieht er als einen Grund dafür, warum er so lange als Wirt durchgehalten hat: „Man schafft das nur als Löwenfan. Da ist man die ständigen Höhen und Tiefen gewohnt.“

Dominik Stallein

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