Die Gymnasiastinnen zusammen mit ihrer Lehrerin und einem Referendar im Badehaus.
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Ausgezeichnet: Das Foto zeigt die Gymnasiastinnen Amelie Prommer, Sophie Pusch, Nina Gooss, Loreen Ferstl, Lara Haunerdinger, Friederike Wimmer, Nathalie Schauer, Felicitas Hörl und Sophie Sauer mit Geschichtslehrerin Eva Greif. Alexander Heidenreich arbeitete als Referendar am Gymnasium an der App mit.

Gymnasiasten entwickeln Multimediaguide

Jugendliche sind erfinderisch: Mit der „fabulApp“ taucht man in das Lagerleben ein

Die Geschichten sind ergreifend - und sie hätten genau so spielen können: Geretsrieder Gymnasiasten haben einen Multimediaguide für das Badehaus Waldram entwickelt.

Waldram/Geretsried – Schülerinnen und Schüler des Geretsrieder Gymnasiums haben eine App für eine Führung durch Waldram, das ehemalige Lager Föhrenwald, konzipiert, die nun fertiggestellt und abrufbar ist. Die Gymnasiasten wurden dafür mit zwei Preisen geehrt: Zum einen schon vor zwei Jahren mit dem Geschichtspreis des Bundespräsidenten und zum anderen mit dem Sonderpreis für kreative Gestaltung beim Schülerlandeswettbewerb „Erinnerungszeichen“ 2019/2020.

App führt um das Badehaus und hinein in die Vergangenheit

Letzteren verlieh die Geschichtslehrerin und Schriftführerin des Vereins Erinnerungsort Badehaus, Eva Greif, am Dienstag – coronabedingt so spät – den anwesenden Mädchen. Diese stellten im Anschluss die „fabulApp“ der Presse vor. Für den Innenbereich des Erinnerungsorts Badehaus am Kolpingplatz gibt es bereits einen Multimediaguide in Form einer App, konzipiert von Studierenden der Osteuropastudien aus München und Regensburg. „Wir haben uns deshalb für den Bereich rund um den Kolpingplatz entschieden und verweisen immer wieder auf die Ausstellung“, sagt die Schülerin Sophie Pusch. Die Smartphone-App führt die Nutzer auf einem informativen, etwa einstündigen Spaziergang zu den einstigen Schauplätzen des Lagers für Displaced Persons (DP).

Durch das Lager führen fiktive Bewohner - es sind traurige Schicksale und fröhliche Erinnerungen

Die Schüler, überwiegend ehemalige Teilnehmer des Wahlkurses „Politik und Zeitgeschichte“ am Gymnasium, haben sich dafür fiktive, jugendliche Bewohner des Lagers ausgedacht, die auf dem Weg ihre Geschichten erzählen. Da ist zum Beispiel die 15-jährige Vera, eine Zwangsarbeiterin, die in der ersten Zeitschiene ihren täglichen Weg mit der Werksbahn in die Rüstungswerke schildert. Das jüdische Mädchen Esther zeigt in der zweiten Zeitstufe, wie das Leben während der Nachkriegszeit war, in der Überlebende der Shoa in Föhrenwald ein großes Shtetl-ähnliches Lager mit Kindergarten, Schule, Badehaus und vielen anderen Einrichtungen bewohnten. Dieser Teil beleuchtet nicht nur das traurige Schicksal der Juden, er ist auch voller fröhlicher Erinnerungen. Josef schließlich ist ein junger Heimatvertriebener aus dem Sudetenland. Er erzählt von der Ansiedlung kinderreicher Familien nach der Auflösung des DP-Lagers und der Gründung des heutigen Ortsteils Waldram. „Wir haben die Biografien tatsächlicher Zeitzeugen in unsere Berichte eingearbeitet“, erzählt Sophie Sauer. Original schwarz-weiß Fotos geben den App-Nutzern einen Eindruck, wie Waldram damals aussah.

Man kann sich sehr gut in das Lagerleben hineinversetzen

Wolf Kunert, Landesstelle für die nicht staatlichen Museen

„Man kann sich sehr gut in das Lagerleben hineinversetzen“, lobte Wolf Kunert von der Landesstelle für die nicht staatlichen Museen in Bayern, die das Projekt unterstützt und die „fabulApp“ kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Die Badehaus-App sei ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit von Schulen und Museen, ergänzte seine Kollegin Franziska Viehbacher. Im Namen des Gymnasiums gratulierte Kilian Krywalski. Für den Badehaus-Verein bedankte sich der Zweite Vorsitzende Emanuel Rüff. Lehrerin Eva Greif rief die jungen App-Gestalter abschließend dazu auf, wachsam gegenüber jeder Form von Antisemitismus zu bleiben, denn dieser nehme aktuell leider wieder zu in Deutschland.

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Tanja Lühr

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