Live-Schalte nach Israel: Für das Filmprojekt „Von Zeit und Hoffnung“ des Badehaus-Vereins interviewten vier junge Mitglieder Zeitzeugen aus aller Welt – corona-bedingt per Videokonferenz.
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Live-Schalte nach Israel: Für das Filmprojekt „Von Zeit und Hoffnung“ des Badehaus-Vereins interviewten vier junge Mitglieder Zeitzeugen aus aller Welt – corona-bedingt per Videokonferenz.

75 Jahre Lager Föhrenwald: Ein Ort der Hoffnung Junge Badehaus-Mitglieder produzieren Film mit Zeitzeugen

Wolfratshausen: Junge Badehaus-Mitglieder produzieren Film mit Zeitzeugen

Ein Team des Erinnerungsorts Badehaus hat einen Film gedreht. Er heißt „Von Zeit und Hoffnung“ und erzählt Lebensgeschichten.

Wolfratshausen –Vor 75 Jahren wurde das Lager Föhrenwald im heutigen Waldram gegründet. Aus diesem Anlass hat ein Team des Erinnerungsortes Badehaus einen Film gedreht. Er heißt „Von Zeit und Hoffnung“ und erzählt Lebensgeschichten. Er belegt, dass Kindheitserinnerungen ganze Generationen prägen – und er führt dem Betrachter vor Augen, wie durch Menschlichkeit Vorurteile überwunden werden können.

Anlass ist der 75. Geburtstag von Föhrenwald

Produziert wurde der rund 45 Minuten lange Streifen von jungen Mitarbeitern des Badehauses um Vereins-Vize Jonathan Coenen und Sebastian d’Huc. „Wir wollten zum 75. Geburtstag von Föhrenwald etwas Besonderes bieten“, erklärt Coenen. Wegen der Corona-Pandemie und den Auflagen für Veranstaltungen ist eine große, öffentliche Feier nicht möglich. Der Film soll jedoch mehr sein als ein Ersatzprogramm.

Sechs Zeitzeugen werden interviewt

Neben Jonathan Coenen (23) selbst interviewten Katharina Tschamler, Sarah Lex und Andre Mitschke sechs Zeitzeugen, die Föhrenwald als Lager für Displaced Persons (DPs) nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten und heute über den ganzen Globus verteilt leben. Weil die Corona-Pandemie Flugreisen und persönliche Treffen unmöglich machte, führten die jungen Ehrenamtlichen die Gespräche online, mit einer Übertragung vom Badehaus direkt in die Wohnzimmer in Israel oder in den USA. „Für unsere Gesprächspartner war das heutige Waldram ein Ort voller Hoffnung, aus dem heraus sie nach dem Krieg in ein neues, gutes Leben aufbrechen konnten“, erklärt Coenen. Auch wenn die Interviewten sehr jung waren, als sie in Föhrenwald lebten, haben sie die Erinnerungen geprägt. „Robby Waks, einer unserer Zeitzeugen, hat uns davon erzählt, wie er diesen Ort wahrgenommen hat und von seiner Freude berichtet, an der Isar mit Freunden zu spielen. Das waren ganz emotionale, aber sehr gute Erinnerungen an diesen Ort.“

Auch Kinder und Enkel der Senioren kommen zu Wort

In dem Filmprojekt geht es nicht nur um die bewegte Vergangenheit des Wolfratshauser Stadtteils. Die Beteiligten sprechen auch mit den Kindern und Enkeln der Senioren. Zum Beispiel über das Verhältnis, das die Nachfahren der Holocaust-Überlebenden zu Deutschland und den Deutschen haben. Die Antworten sind vielfältig. „Die Tochter einer Jüdin, die als kleines Kind in Föhrenwald lebte, hat erzählt, dass sie schon immer einen Hass auf das Land und alles, was aus Deutschland kommt, verspürt hat.“ Selbst beim Einkaufen boykottierte sie deutsche Produkte. Zumindest so lange, bis sie einem jungen, deutschen Mädel am Strand von Tel Aviv das Surfen beibrachte. „Das war ein so nettes Mädchen, dass sie ihren Hass überwinden konnte. Sie erkannte, dass sie es mit Menschen zu tun hat“, so Coenen. Solche tiefen, emotionalen Einblicke in das Seelenleben von ehemaligen DPs und deren Nachkommen seien es, „die mir wieder bewiesen haben, wofür wir die ganze ehrenamtliche Arbeit machen“.

Info

Premiere feiert der Film „Von Zeit und Hoffnung“ bei einem Festakt mit geladenen Gästen zum 75. Geburtstag des Lagers Föhrenwald am Sonntag, 18. Oktober. Danach wird er auf der Homepage des Badehaus-Vereins kostenlos abrufbar sein.

Dominik Stallein

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