Seminarplatz St. Matthias
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Der Seminarplatz in Waldram hieß früher Adolf-Hitler-Platz. Daran mit einer Beschilderung zu erinnern, lehnte der Kulturausschuss ab.

Man fürchtet Beifall von der falschen Seite

Kulturausschuss lehnt Beschilderung des ehemaligen Hitler-Platzes ab

  • VonPeter Herrmann
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Einen Adolf-Hitler-Platz wird es in Waldram nicht geben. Auch nicht, um historische Zusammenhänge klar zu machen. Das hat der Kulturausschuss der Stadt entschieden.

Wolfratshausen – Die Namen von Straßen und Plätzen im ehemaligen Lager Föhrenwald und heutigen Stadtteil Waldram haben sich im Laufe der vergangenen acht Jahrzehnte mehrmals geändert. Sie waren während des Zweiten Weltkriegs nationalsozialistisch geprägt, erhielten von 1945 bis 1956 amerikanische Namen und sind heute größtenteils katholisch beeinflusst. So hieß der Kolpingplatz einst Danziger Freiheit und Independence Place. Der Adolf-Hitler-Platz wurde zum Roosevelt Square und später zum Seminarplatz.

Um an diesen Wandel zu erinnern, beantragte der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald die Anbringung von 69 historischen Straßenschildern. Ein Vorhaben, das neun von zehn Kulturausschussmitgliedern ablehnten. „Das halte ich für aberwitzig“, sagte Dr. Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste) in der Sitzung am Dienstagabend. Ihm missfiel vor allem, dass eine der Tafeln ausgerechnet an den nationalsozialistischen Diktator Adolf Hitler erinnern soll. „Da werden wir zum Gespött des Oberlands und bekommen Beifall von der falschen Seite“, befürchtete Fleischer.

Auch der Bürgermeister distanziert sich

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen) sah das ähnlich und erinnerte daran, dass es bereits am Ortseingang von Waldram und im Badehaus jeweils eine Tafel mit Erklärungen zu den historischen Straßennamen gibt. Zudem hält er die Kosten für die Umsetzung, die bei rund 20 000 Euro liegen, und den Verwaltungsaufwand zu hoch. Manfred Menke von der SPD regte an, die Straßenbeschilderungen mit QR-Codes zu versehen. So könnten sich Interessierte die historischen Informationen auf ihr Smartphone laden. Auch dieser Vorschlag fand keine Mehrheit.

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Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung) hält Audio-Guides, die durch die Straßen führen, für sinnvoller. Erst vor wenigen Wochen hatten Geretsrieder Gymnasiasten ein derartiges multimediales Hilfsmittel am Erinnerungsort Badehaus präsentiert. Am Ende stimmte einzig Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) für die historische Straßenbeschilderung, lehnte aber eine Adolf-Hitler-Beschilderung ab. „Diesen Namen möchte ich nicht in der Öffentlichkeit sehen“, stellte Heinloth klar.

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