1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Wolfratshausen

Warum so viele Kiefern in der Pupplinger Au absterben

Kommentare

Revierförster Robert Nörr (linkes Bild, li.) und Bereichsleiter Maximilian Wolf
Kein schöner Anblick: Die Kiefern der Pupplinger Au sind kahl, die Nadeln braun und abgestorben. Revierförster Robert Nörr (linkes Bild, li.) und Bereichsleiter Korbinian Wolf macht das große Sorgen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Vielen Ausflüglern dürfte es schon aufgefallen sein: Die Kiefern in der Pupplinger Au sind in einem extrem schlechten Zustand. Schuld ist ein Pilz.

Bad Tölz-Wolfratshausen – An sonnigen Wochenenden sind Scharen von Ausflüglern in der Pupplinger Au unterwegs. Sie wandern, radeln, skaten, und manch einer hüpft auch in die Isar. Vielen dürfte aufgefallen sein, dass sich die Kiefern, aus denen der Auwald zu 90 Prozent besteht, leiden. Die Bäume sind kahl, die Nadeln braun. Alles in allem ein trostloser Anblick. Was ist da los?

„Angefangen hat das Ganze vor etwa sechs Wochen“, berichtet Korbinian Wolf, Bereichsleiter Forsten im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen. Damals hat sich ein Pilz in dem charakteristischen, lichten Wald massiv ausgebreitet. Sein Name: Diploida (Kieferntriebsterben). „Er wird schon länger da gewesen sein“, vermutet Wolf. „Aber jetzt hat er die idealen Bedingungen vorgefunden, um sich massenweise zu vermehren.“ Zehn bis 20 Prozent der Bäume zwischen Marienbrücke und Kloster Schäftlarn dürften aktuell betroffen sein.

Kiefern Pupplinger Au
Zehn bis 20 Prozent der Kiefernbestände in der Pupplinger Au sind betroffen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Dazu muss man wissen, dass die Böden am Isarufer alles andere als ideal sind. Sie bieten nur ein geringe, lehmige Auflage, in die die Bäume ihre Wurzeln treiben können. Vor der Inbetriebnahme des Sylvensteinspeichers war das noch anders, da überschwemmte die Isar immer wieder den Auwald. Jetzt schaffen es nur noch die Kiefern, sich an die extrem kargen Bedingungen anzupassen. Bergahorn und Fichte, die man hin und wieder sieht, wird dort keine große Zukunft beschieden sein.

Kürzlich ist allerdings etwas passiert, was sogar die zähe Überlebenskünstlerin Kiefer überfordert hat. Der Hagel vor gut einem Jahr hat schwere Risse in die Rinden geschlagen. „Zuerst hat es gar nicht so schlimm ausgeschaut“, erinnert sich Revierförster Robert Nörr. „Doch jetzt ist in die Risse der Schädling eingedrungen.“

Pupplinger Au

Die Pupplinger Au ist der Auwald östlich von Wolfratshausen. Das Gebiet ist etwa sechs Kilometer lang, die Fläche beträgt knappe vier Quadratkilometer. Das Gebiet ist als Landschafts- und Naturschutzgebiet ausgewiesen. Eigentümer sind der Staat, die Stadt München sowie mehrere Privatleute. Die Au dient als Naherholung nicht nur für Einheimische, sondern auch für Münchner. Ein asphaltierter Weg ermöglicht es Radfahrern und Inlineskatern, durch eine vor allem vom Wald geprägte Landschaft zu fahren. 

Ausbreiten kann sich der Diploida auch deswegen, weil das Klima ihn heuer extrem begünstigt hat: Auf ein nasses Frühjahr folgt ein trockener Sommer – ideal für Pilze. Auf der anderen Seite ist es um die Widerstandskraft der Kiefern nicht zum Besten bestellt. „Trockenheit verträgt sie ganz gut, aber Hitze nicht, das haben wir erst lernen müssen“, erklärt Wolf.

Lesen Sie auch: Bund Naturschutz feiert 50-jähriges Bestehen im Kreis

Und wie geht es jetzt weiter? „Wir müssen das Ganze zunächst im Auge behalten“, erklärt Nörr. Befallene Bäume am Straßenrand muss man demnächst fällen, damit sie niemanden gefährden. Bäume tiefer im Wald kann man möglicherweise absterben lassen, denn auch Totholz ist für den Wald wichtig und bietet Lebensraum. Ansonsten muss man hoffen, dass nicht noch weitere Schädlinge wie der große Waldgärtner oder der Kiefernprachtkäfer auftauchen und sich über die geschwächten Bäume hermachen. „Dann müssen die befallenen Bäume sofort raus.“

Alle Nachrichten aus Wolfratshausen lesen Sie hier.

Ob sich die Kiefern der Pupplinger Au aus eigener Kraft erholen können, ist die Frage. „Dafür bräuchten sie ein paar Jahre im Optimum“, vermutet Wolf. Doch ob dieser Idealfall mit viel Regen möglich ist? Eher nicht. Der Klimawandel bringt mit sich, dass es noch heißer und noch trockener wird. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Zeit der Kiefer in der Pupplinger Au allmählich zu Ende geht. Diploida 2022: Es könnte der Anfang vom Ende sein.

Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare

Teilen