Die Unbeugsamen, Kinomatinee im Wolfratshauser Kino auf Einladung von KIL und Historischem Verein
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Eindrucksvoller Dokumentarfilm: Auch Männer interessierten sich für die Kinomatinee und die Erlebnisse von Frauen in der Bonner Republik.

Auf Einladung von Kulturverein und Historischem Verein

Wolfratshauser Kino zeigt „Die Unbeugsamen“

  • VonPeter Herrmann
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Der Film „Die Unbeugsamen“ dokumentiert die sexuelle Diskriminierung von Politikerinnen in der Bonner Republik. Ein Thema, das sich noch längst nicht erledigt hat.

Wolfratshausen – Die Nachfrage nach Plätzen im Kino an der Bahnhofstraße war am Sonntag so hoch, dass der Dokumentarfilm des Bestseller-Autors Torsten Körner „Die Unbeugsamen“ nach einer Matinee am Abend noch einmal zu sehen war. Die Geschichte von engagierten Politikerinnen, die sich in der einstigen Hauptstadt Bonn gegen männliche Vorurteile und sexuelle Diskriminierung durchgesetzt haben, bewegte nicht nur Frauen.

„Schade, dass das Thema immer noch aktuell ist“, bedauerte die Geretsrieder Stadträtin Martina Raschke nach der Vorführung. Sie war einst selbst in Bonn beschäftigt und hat einige Protagonistinnen des Films persönlich kennengelernt. Wolfratshausens Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth outete sich als Anhängerin der unter tragischen Umständen verstorbenen Petra Kelly, die einst die Partei der Grünen mitbegründet hat. „Ich habe mit ihr gelitten, als sie sich mit den oft behäbig wirkenden männlichen Kommentaren im Plenum auseinandersetzen musste“, sagte Heinloth in ihrem Grußwort.

Als berufstätige Mutter, Stadt- und Kreisrätin kennt sie die Herausforderungen von politisch engagierten Frauen. „Mit wehmütigem Augenaufschlag erreichen wir leider nicht viel“, stellte Heinloth fest. „Aber wenn eine Frau mal auf den Tisch haut, gilt sie als hysterisch.“ Die Dritte Bürgermeisterin verwies darauf, dass von den 25 Mitgliedern des Wolfratshauser Stadtrates nur sechs weiblich sind, in Geretsried liegt das Verhältnis bei 9 zu 31 Männern. Den Glauben an eine ausgeglichenere Zusammensetzung hat Heinloth noch nicht verloren: „Ich bin zuversichtlich, dass sich einiges verändern wird und wir vielleicht irgendwann einmal nur Zeitzeuginnen sind.“

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Für Kinobetreiberin Cornelia John war die Präsentation des vom Kulturverein Isar-Loisach (KIL) und dem Historischen Verein Wolfratshausen ausgewählten Dokumentarfilms eine Herzensangelegenheit. „Mit unserer Anfrage rannten wir bei ihr offene Türen ein“, freute sich KIL-Mitglied Daniela Satzinger. Dass sich trotz vieler Einladungen außer den drei Stadträten der Wolfratshauser Grünen kein männlicher Kommunalpolitiker im Kinosaal blicken ließ, bedauerte KIL-Vorsitzende und Grünen-Rätin Assunta Tammelleo sehr. „Das ist etwas, was mich betrübt und belastet“, sagte sie. Ermutigender war da schon der Appell einer begeisterten Zuschauerin beim anschließenden Sektempfang: „Dieser Film sollte unbedingt in allen Schulen gezeigt werden“, forderte die Seniorin.  

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