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Bairisch, tschechisch, italienisch: Peter Plößl aus Wolfratshausen sammelt seit vielen Jahren den Klassiker „Der kleine Prinz“ in verschiedenen Sprachen.

Zum 75. Geburtstag

„Der Kleine Prinz“: Wolfratshauser sammelt Klassiker in allen Sprachen 

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Das Buch begeistert Generationen weltweit: „Der kleine Prinz“. Heute wird der Klassiker 75 Jahre alt. Peter Plößl freut sich besonders: Der Wolfratshauser ist leidenschaftlicher Prinz-Sammler.

Wolfratshausen – Das goldene Buch mit dem Stern auf der Vorderseite hat es Peter Plößl angetan. Seine Frau hat es ihm zu Weihnachten geschenkt. Behutsam blättert der 62-Jährige Seite für Seite um und schaut sich die Zeichnungen in Pastelltönen an. „Das ist eine ganz besondere Ausgabe des Kleinen Prinzen“, sagt der Wolfratshauser. „Sie liefert so viele interessante Hintergrundinformationen.“ Zum Beispiel, dass das Werk des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry erst 1946 auf Französisch erschienen ist. „Am 6. April 1943 erschien das Buch zuallererst auf Englisch“, sagt Plößl. „Das habe ich vorher nicht gewusst.“

Aber dass der Literaturklassiker heute 75 Jahre alt wird, weiß Plößl natürlich. Denn er ist der wohl größte Kleiner-Prinz-Fan im ganzen Oberland. Zum ersten Mal hat er die Geschichte von dem Prinzen, seiner Rose und der Reise zur Erde als junger Erwachsener gelesen. Seither ist er von der Erzählung begeistert. So sehr, dass er eines Tages angefangen hat, die Bücher zu sammeln – in sämtlichen Sprachen, die er findet.

Aus einer Laune heraus in einem Urlaub vor einigen Jahren fing es an: „Ich gehe gern in Buchhandlungen“, sagt Plößl. „Da habe ich mal zufällig eine fremdsprachige Version entdeckt und mitgenommen.“ Ob es in Frankreich oder Italien war, weiß er heute nicht mehr. Aber die Sammelleidenschaft war entfacht. Mittlerweile hat er einige Exemplare: Neben dem französischen und italienischen Buch stehen auf dem braunen Wandbord in Plößls Arbeitszimmer noch der „Maly Princ“ aus Tschechien, „Dr Kluona Prinz“ im südtiroler Dialekt, dessen bairisches Pendant „Da kloa Prinz“ und die lateinische Version „Regulus“.

„Der Kleine Prinz hat mich gefunden, nicht ich ihn“

Weil der Deutsch- und Religionslehrer Germanistik studiert hat, darf die Geschichte in althochdeutscher Sprache natürlich nicht fehlen. „Die kann ich auch lesen“, sagt Plößl. „anders als dieses kleine Büchlein.“ Er nimmt noch einen Prinzen in die Hand, auf dessen Cover japanische Schriftzeichen prangen. „Das habe ich mir selbst aus Tokio mitgebracht.“ Seine neueste Errungenschaft ist zugleich die beeindruckendste: Aus den USA hat ihm seine Tochter die Geschichte als „Pop up“-Buch mit aufklappbaren Bildern mitgebracht. „Das ist schon ein Kunstwerk.“

Bis er alle Exemplare beisammen hat, wird es wohl noch ein bisschen dauern, denn das Buch wurde in über 100 Sprachen übersetzt. Aber man muss es ja nicht übertreiben. „Ich war zum Beispiel noch nie in England“, sagt Plößl. „Dort würde ich mich sofort auf die Suche nach einer Ausgabe machen.“ Dass er nur einen Teil seiner Sammlung tatsächlich verstehen kann, stört ihn nicht. „Aber wenn ich in Pension bin, will ich mein Französisch wieder in Angriff nehmen.“

Plößl ist sich übrigens sicher: „Der Kleine Prinz hat mich gefunden, nicht ich ihn.“ Sein ständiger Begleiter sei die Romanfigur zwar nicht. Trotzdem denkt er öfter an ihn. „Das Buch hat mich gelehrt, meinen Blick zu schärfen und hinter die Dinge zu schauen“, sagt der Wolfratshauser. „Kinder können das, aber als Erwachsener denkt man oft zu kompliziert.“ Sein Geburtstagswunsch an den Prinz lautet daher: „Dass er so bleibt, wie er ist. Dass er nicht erwachsen wird und noch viele Menschen begeistert.“ mh

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