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Die Wolfratshauser Bürger haben die jüngsten Mitglieder im Stadtrat nicht wieder gewählt. Warum - das ist die Frage. 

Kommunalwahlen 2020

Warum es die jüngsten Stadtratskandidaten nicht mehr ins Gremium geschafft haben

Der Jugend eine Chance, heißt es immer. Genau das ist in Wolfratshausen nicht passiert. Hier sind die drei jüngsten Mitglieder nicht mehr ins Gremium gewählt worden. 

Kathrin Kugler (BVW),  30 Jahre alt

Wolfratshausen – Der neu gewählte Wolfratshauser Stadtrat ist insgesamt deutlich älter als das Gremium, das vor sechs Jahren sein Amt angetreten hatte. Ein Grund dafür: Die drei jüngsten amtierenden Stadträte hat der Wähler auf die Zuschauertribüne verbannt: Kathrin Kugler (30) und Maximilian Schwarz (32) von der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) sowie Claudia Drexl-Weile (32) von der CSU haben den Sprung in den Stadtrat nicht mehr geschafft.

„Ich bin überrascht, dass es vor allem die Jungen getroffen hat“, sagt Kathrin Kugler. Sie hatte bereits die Vorahnung, dass es für sie selbst nicht reichen würde. „Ich war in den vergangenen Monaten nicht mehr so präsent“, sagt die Mutter einer etwa einjährigen Tochter, die derzeit an ihrer Doktorarbeit schreibt. „Neben Familie und Doktorarbeit blieb nicht mehr so viel Zeit für den Wahlkampf. Vielleicht war ich deshalb bei einigen Wählern nicht mehr so sehr auf dem Radar.“ Unabhängig von ihrem eigenen Wahlergebnis sieht Kugler die Altersentwicklung des Gremiums mit Sorge: „Viele Wolfratshauser haben sich eine Verjüngung gewünscht – das spiegelt sich in der aktuellen Besetzung nicht wider.“ Eine ausgewogenere Mischung der Altersgruppen „wäre für Wolfratshausen eine Chance gewesen, die verpasst worden ist“, konstatiert Kugler.

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Die bisherige Jugendreferentin bedauert vor allem den Verlust ihres bisherigen Fraktionskollegen und Sportreferenten Max Schwarz: „Er war sehr viel unterwegs, hat mit den Vereinen eng zusammengearbeitet – dass er es nicht geschafft hat, wundert mich sehr.“

Maximilian Schwarz (BVW), 32 Jahre alt

Schwarz selbst nimmt das Wahlergebnis sportlich: „Das ist eben der Wille der Wähler. Bei jeder Wahl gibt es Kandidaten, die gewinnen, und Kandidaten, die verlieren.“ Der Waldramer ist überrascht von der Zusammensetzung des Stadtrats: „Man will junge Leute in der Politik, und genau die werden dann nicht gewählt. Das ist schon komisch.“ Für Schwarz selbst besteht noch eine realistische Chance, in den Stadtrat einzuziehen. Falls der amtierende Bürgermeister Klaus Heilinglechner den Chefsessel für die Bürgervereinigung in der Stichwahl verteidigt, rückt Schwarz in das Gremium nach.

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Sollte CSU-Kandidat Günther Eibl ins Rathaus einziehen, kehrt hingegen Claudia Drexl-Weile in den Stadtrat zurück. „Das ist eine zweite Chance“, sagt sie selbst. Dass sie es im ersten Durchgang nicht in das Gremium geschafft hat, nimmt sie gelassen auf: „Das ist der Wählerwille, und ich akzeptiere das.“ Selbiges gelte selbstredend auch für die Altersmischung im Stadtrat, „auch wenn ich es schade finde, dass die junge Generation künftig schwächer vertreten ist als bisher“. Drexl-Weile hätte auf einen „gesunden Mix aus erfahrenen Routiniers und jungem, frischem Blut“ im Rathausrund gehofft: „Man braucht beides, finde ich.“

Claudia Drexl-Weile (CSU),  32 Jahre alt

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Mit dem CSU-Stadtrat Sepp Schwarzenbach (29) gehört aktuell nur ein einziger Bürgervertreter zur Generation U40. Der Gastronom ist neu im Rat. Das zweitjüngste Mitglied im Kommunalgremium ist Dr. Patrick Lechner von der FDP. Der liberale Stadtratsneuling ist 42 Jahre alt. Auf Platz drei folgt Dr. Ulrike Krischke (BVW) mit 44 Jahren. Dominik Stallein 

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