Strategisch günstiger Standort: Die 2006 geschlossene Happ’sche Apotheke grenzt unmittelbar ans seit Ende 2012 leer stehende Gebäude des ehemaligen Isar-Kaufhauses. 1954 wurde die schmale Gasse links neben der Apotheke nach Dr. Josef Happ benannt. Er war am 28. November 1948 im 93. Lebensjahr verstorben. Fotos: Sabine Hermsdorf/Archiv (2)

Zur möglichen Verwertung sagt Vize-Bürgermeister Schnaller: „Es gibt noch keine Beschlüsse“

Kommune kauft Happ’sche Apotheke

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Wolfratshausen – Gut informierte Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die Stadt Wolfratshausen hat die Happ’sche Apotheke in der Altstadt gekauft. „Das habe ich auch schon gehört“, sagt Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller, der derzeit Rathauschef Klaus Heilinglechner vertritt, auf Nachfrage unserer Zeitung. Bestätigen will Schnaller die Nachricht nur indirekt: Zu gegebener Zeit werde das Ergebnis nicht öffentlicher Verhandlungen dem Stadtrat bekannt gegeben.

Historisches Kleinod: Ein Teil des Mobiliars in der Happ’schen Apotheke ist vor dem Jahr 1800 gefertigt worden. 

Seit Februar 2006 ist die geschichtsträchtige Apotheke am Untermarkt geschlossen. 1899 hatte der Würzburger Dr. Josef Happ die Immobilie gekauft, 1934 übergab er die Apotheke seinem Schwiegersohn Walter Happ. Der verstarb nur vier Jahre später – seine Witwe Gertrud Happ war gezwungen, das Geschäft zu verpachten, bis ihre älteste Tochter Annemarie das Pharmaziestudium beendet hatte. Im Sommer 1956 übernahm sie die Leitung der väterlichen Apotheke. 2006 schließlich beschlossen Annemarie Eichner-Happ und ihr Bruder Anton Happ, selbst Apotheker, schweren Herzens, den Betrieb aufzugeben. Die Gründe: restriktive Politik gegenüber alteingesessenen Geschäften, Einschränkungen durch Gesundheitsreformen, Parkplatzmangel und wachsende Konkurrenz.

2008 übergab (v. li.) Bernhard Kügler, Leiter der Fachakademie zur Ausbildung von Restauratoren, die wissenschaftliche Dokumentation des Inventars an den damaligen Leiter des Wolfratshauser Heimatmuseums, Hubert Lüttich, Hauseigentümerin Annemarie Eichner-Happ sowie an den damaligen Bürgermeister Helmut Forster.

Was blieb, ist ein Kleinod. Davon kann sich jeder durch einen Blick durch eines der Schaufenster überzeugen. Das Mobiliar sowie alle allerlei Apotheken-Accessiores zeugen von einem rund 200 Jahre umfassendes Kapitel Stadthistorie. Um dies für die Nachwelt zu erhalten, suchte der seinerzeitige Leiter des Heimatmuseums Wolfratshausen, Hubert Lüttich, nach einer Lösung. Mit Einverständnis des Eigentümer-Paares gewann Lüttich die Fachakademie zur Ausbildung von Restauratoren dafür, eine wissenschaftliche Dokumentation über das Inventar zu erstellen. 17 Studenten machten sich an die Arbeit: Sie zeichneten Grundrisse auf, schossen Panoramafotos von den Räumen, dokumentierten alle Gegenstände wie Gläser und Keramikbehälter und ordneten sie zeitlich ein. Die naturwissenschaftliche Untersuchung förderte zu Tage, dass Schubladenschränke, Kommoden, Regale und Verkaufstisch aus Fichten- und Eichenholz vor dem Jahr 1800 gefertigt worden sind.

Je ein Exemplar der Dokumentation übergaben 2008 Institutsleiter Bernhard Kügler und Kunsthistoriker Joachim Dramm an die Stadt und die Immobilieneigentümer. „Ein wesentlicher Teil unserer Stadtgeschichte konnte festgehalten werden“, freute sich der damalige Bürgermeister Helmut Forster. „Das Außergewöhnliche an der Apotheke ist, dass der über Jahrhunderte und Generationen gewachsene Zustand bis heute unverändert erhalten ist“, urteilte Institutsleiter Kügler. Historische Apotheken aus dem 19. Jahrhundert gebe es häufiger, doch die Wolfratshauser sei älter. Was mit dem historischen Inventar geschehen soll? Diese Frage blieb bislang unbeantwortet. „Wir hätten es natürlich gerne für das Heimatmuseum“, sagte Forster 2008. Doch bis heute hat sich dieser Wunsch nicht erfüllt, berichtet Museumsleiter Martin Melf. „Wir haben uns damit überhaupt noch nicht befasst.“ Melf weiß sehr wohl um den Schatz, den die alte Apotheke ins sich birgt. „Und die schönsten Sachen sieht man gar nicht, die findet man auf dem Speicher“, verrät er.

Dass das Gebäude nun in den Besitz der Kommune übergegangen ist, will Melf – Ordnungsamtsleiter der Stadt – nicht kommentieren. Ihm sei das nicht bekannt, Immobiliengeschäfte würden der Abteilung Liegenschaften beziehungsweise dem Bürgermeister und dem Stadtrat obliegen. „Lassen wir uns doch einfach mal überraschen, was passiert“, sagt Melf.

Vize-Rathauschef Fritz Schnaller schätzt in puncto Happ’sche Apotheke den Konjunktiv: Hätte die Stadt das Gebäude gekauft, könnte das vielleicht auch mit Blick aufs ehemalige Isar-Kaufhaus geschehen sein. Für die geplante Neunutzung der seit Ende 2012 leer stehenden Immobilie hat der Rechtsanwalt Dr. Harald Mosler wie berichtet nach eigenen Worten einen Investor gefunden. Der greife zu, wenn der prominente Komplex komplett abgerissen werden darf. Der Bauausschuss der Stadt hat dagegen nichts einzuwenden, doch noch steht die Entscheidung des Landratsamts aus. Dort wiederum wartet man auf Stellungnahmen vom Landesamt für Denkmalpflege sowie dem Staatlichen Bauamt in Weilheim.

„Die alte Happ’sche Apotheke steht direkt neben dem ehemaligen Isar-Kaufhaus“, sagt Schnaller. „Das Grundstück liegt strategisch sehr günstig.“ Über die möglichen Optionen, die sich durch den Kauf des Hauses ergeben, möchte der Vize-Rathauschef nicht spekulieren. Wert legt Schnaller auf die Feststellung: Was die Verwertung des Gebäudes am Untermarkt 13 betrifft, „gibt es noch keine Beschlüsse“.

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