Symbolbild Gericht
+
Im Namen des Volkes: Weil er sich nach der Tat vorbildlich verhielt, muss ein Lagerist aus Frankfurt nicht ins Gefängnis.

Amtsgericht Wolfratshausen

Wegen Drogencocktail: Lagerist zu Haftstrafe auf Bewährung verurteilt

  • vonRudi Stallein
    schließen

Ein Lagerist aus Frankfurt hat einem Paar ein Drogencocktail überlassen, das beinahe tödlich gewesen wäre. Dafür musste er sich jetzt vor Gericht verantworten.

Wolfratshausen – In der Nacht auf den 17. November 2019 wurden ein Mann und eine Frau auf der Intensivstation der Wolfratshauer Kreisklinik eingeliefert. Beide waren nach dem Genuss eines Drogen-Cocktails aus Alkohol, Kokain-Gemisch und Ecstasy-Tabletten zusammengebrochen. Nun musste sich ein 27-jähriger Lagerist aus dem Raum Frankfurt vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten. Er soll in jener Nacht seiner Bekannten aus Wolfratshausen die Drogen zum unmittelbaren Konsum überlassen haben und war zudem im Besitz weiterer Drogen.

Der Angeklagte rief selbst die Polizei

Der Mann wurde zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, die Strafe für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Dass er nicht, wie vom Staatsanwalt beantragt, in Haft muss, „verdiente“ sich der Angeklagte unter anderem durch sein „positives Nachtatverhalten“. Er hatte damals in seiner Verzweiflung Notarzt und Polizei gerufen, weil seine Bekannte plötzlich „nicht mehr ansprechbar“ war. Offenbar hatte die junge Frau außer den von dem Beschuldigten verabreichten Drogen noch diverse Beruhigungsmittel zu sich genommen. „Sie hatte eine umfangreiche Medikamentensammlung in der Nachttischschublade“, bestätigte ein Polizist als Zeuge vor Gericht. Der Angeklagte, der ebenfalls stark mitgenommen auf der Couch gesessen hatte, habe dann erzählt, welche Drogen sie zu sich genommen hatten. Dies sei womöglich ausschlaggebend gewesen, dass die Frau gerettet werden konnte. „Hätte er nicht die Polizei gerufen, wäre Schlimmeres passiert“, war sich der Verteidiger des 27-Jährigen sicher.

Der Wolfratshauser Vorfall als Wendepunkt in der Vita

Das Paar hatte sich einige Zeit zuvor in einer Therapieeinrichtung kennengelernt. An jenem Tag sei er von Frankfurt nach Wolfratshausen gekommen, „um Abstand von allem zu kriegen“, berichtete der Angeklagte. Er habe ein „stark ausgeprägtes Suchtverhalten“ gehabt und sich in einem seelischen Tief befunden. Eine Drogentherapie hatte er kurz zuvor abgebrochen. Die Therapie hatte er als Bewährungsauflage verordnet bekommen. Denn erst im Februar 2019 war der Hesse vom Landgericht Hanau unter anderem wegen Drogenhandels und Schusswaffenbesitzes zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Diese Chance habe er für einen grundlegenden Lebenswandel genutzt. „Er hat’s wirklich begriffen“, betonte Verteidiger Ulrich Endres. Sein Mandant erfülle seit dem Vorfall in Wolfratshausen alle Auflagen aus der letzten Verurteilung vorbildlich, die Bewährungshelferin habe „ein Loblied“ auf ihn gehalten. Zudem legte der Angeklagte dem Gericht einige negative Drogenscreenings vor, zum Nachweis, dass er seit geraumer Zeit clean sei.

Lesen Sie auch: Junge Frau in der Pupplinger Au begrapscht

Für Richter Helmut Berger überwogen die positiven Punkte, zu denen er auch „eine feste Freundin und eine feste Arbeit“ zählte, die negativen Begleiterscheinungen, wie die (wohl suchtbedingt) hohe Rückfallgeschwindigkeit nach der letzten Verurteilung und die offene Bewährung. Er folgte mit dem Strafmaß von acht Monaten zwar dem Antrag des Staatsanwalts, anders als dieser hielt er aber eine erneute Bewährung für gerechtfertigt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare