„Lebens-Zeichen“ zu jeder Zeit: Wolfratshauser Diakon nutzt digitale Kanäle als Kontakt zu Gläubigen
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Nah am Menschen: Diakon Christian Horak.

Das Angebot wird gut genutzt

„Lebens-Zeichen“ zu jeder Zeit: Diakon nutzt digitale Kanäle als Kontakt zu Gläubigen

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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In der Reihe „Lebens-Zeichen“ drehen der Diakon Christian Horak und sein Team kurze Videos. Damit wollen sie die digitalen Kanäle als Kontakt zu den Gläubigen nutzen. Dass das Angebot angenommen wird, bestätigen die Nutzerzahlen. 

Wolfratshausen – Der Regen prasselt unbarmherzig auf das Dach des Jägerstands, im Hintergrund des Films ist Donner zu hören. „Ja“, ist vor dieser Geräuschkulisse mit Unterbrechungen die Stimme eines Mannes zu hören, „da merkt man erst, wie toll der Mensch geschaffen ist – er kann stundenlang im Regen durch den Wald gehen und es macht ihm nichts aus – unser Handy hingegen gibt nach fünf Minuten angeregnet werden seinen Geist auf.“

„Lebens-Zeichen“: Diakon nutzt digitale Kanäle als Kontakt zu Gläubigen

Der Mann in der schwarz-roten Windjacke ist Diakon Christian Horak, der hier im Bergwald für Gläubige und Interessierte ein Handyvideo dreht. „Lebens-Zeichen“ nennt sich die Reihe, in der neben Horak Pastoralreferentin Gabriele Seidnader, Diakon Stefan Schmitt, Diakonpraktikant Oskar Ehehalt und Pfarrer Gerhard Beham verschiedene Themen aufgreifen und auf ihre Art dem Betrachter näher bringen – mit Bildern, oder als ob man sich zufällig trifft und nun über Gott und die Welt spricht. „Das ist gewollt“, sagt Horak, „denn ich bin – Weihe hin oder her – ein ganz normaler Mensch, der anderen gerne erzählt, was ihm im Leben Halt gibt: Der Glaube an Jesus Christus.“

Der Begriff „Lebens-Zeichen“ ist nicht ohne Hintergedanken gewählt. Zum einen gibt man selbst ein Lebenszeichen. „Zum zweiten können und sollen sie auch in irgendeiner Hinsicht Zeichen für das Leben sein – und für mich als Christ ist Jesus Christus das allerstärkste Lebenszeichen. Er hat selber gesagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Nachgefragt-Format auch für Kinder

Zusätzlich zu den Lebens-Zeichen – die auch nach Corona beibehalten werden sollen – wurden seit Ende März Eucharistiefeiern in den Kanal eingestellt, sodass die Gläubigen mit den ihnen vertrauten Seelsorgern vor Ort mitfeiern konnten. Ebenso wird einmal pro Woche eine gesungene Vesper mit Unterstützung von Kirchenmusiker Mark Ehlert gesendet. Und der Nachwuchs kommt ebenfalls nicht zu kurz: „Im Nachgefragt-Format wird Kindern die Möglichkeit gegeben, mal nachzuhaken, warum was wie mit unserer Kirche ist.“

Dass das digitale Angebot gerne angenommen wird, bestätigen die Nutzerzahlen: Weit über 16 000 Aufrufe, 134 Abonnenten und fast 2000 Stunden Wiedergabezeit. Für Horak ein Zeichen, dass auf diese Weise die 2000 Jahre alte Kirche den Weg ins Dritte Jahrtausend findet. 

„Dadurch wird das immer noch arg angestaubte Bild der Kirche in der Öffentlichkeit ein wenig moderner.“ Und: „Wir haben hier die Gelegenheit, zusätzlich zum gewohnten Angebot neue Wege zu gehen. Das Gute daran ist, dass es jedem selbst freigestellt ist, ob er sich etwas anschaut oder es wegklickt.“

„Arg angestaubtes Bild“ der Kirche wird „ein wenig moderner“

Den Gegenbeweis, dass digitale Gottesdienste oder die Impulse der Lebens-Zeichen nur etwas für technikaffine Jüngere ist, traten zwei Senioren an. So hat der Diakon nach dem Karfreitagskreuzweg von einem älteren Mitbürger aus dem ASB-Wohnheim eine E-Mail bekommen. „Er bedanke sich für die Ausstrahlung, da er so trotz seiner 93 Jahre per iPad dabei sein konnte, was ihn riesig gefreut hat.“ 

Eine andere Dame, mittlerweile 80 Jahre alt, machte den Seelsorger auf eine „nachbesserungswürdige Angabe auf der Homepage, wie man zu dem Kanal gelangt“, aufmerksam. „Wir haben“, so Horak, „die Seniorengeneration digital unterschätzt.“ Ebenso werden die Lebens-Zeichen auch außerhalb von Wolfratshausen wahrgenommen. „Kürzlich erreichte mich eine Mail aus Norddeutschland – das wiederum hat mich sehr gefreut und bestätigt.“

Die evangelische Pfarrerin Elke Eilert nahm den Weltdrogentag zum Anlass für ihren Beitrag für unsere Rubrik „Gott und die Welt“.

Info: 

Die Lebens-Zeichen erscheinen jeweils dienstags und freitags, der Link dazu ist auf http://www.st-andreas-wolfratshausen.de/ zu finden. 

sh

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