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Ihre Geschichte und ihre Gedichte bewegen: Dagmar Nick im Gesprä ch mit Emanuel Rüff. 

Ein Jahr nach der Einweihung

Lyrikerin Dagmar Nick eröffnet neue Veranstaltungsreihe im Badehaus

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Die Lyrikerin Dagmar Nick hat vor kurzem die Reihe „Begegnungen im Badehaus“ eröffent. Das Gedicht „Belsen 1954“ erschütterte die Besucher.

Waldram – Einen besonderen Gast hatte der Erinnerungsort Badehaus an seinem ersten Geburtstag. Die Zeitzeugin und Lyrikerin Dagmar Nick erzählte im Gespräch mit Vorstandsmitglied Emanuel Rüff über ihre zum Teil erschütternden Erlebnisse. Nicht minder bewegend waren die von ihr vorgetragenen Gedichte.

Im voll besetzten Vortragssaal nannte die Vorsitzende des Vereins Bürger fürs Badehaus, Dr. Sybille Krafft, zunächst eindrucksvolle Zahlen. So besuchten im ersten Jahr weit über 3000 Interessierte den Erinnerungsort am Kolpingplatz. Die Zahl der Vereinsmitglieder stieg auf 460. Zudem veranstalteten die ehrenamtlichen Helfer über 200 Führungen. „Es ist wunderbar, dass dieser Ort so gut angenommen wird“, freute sich Krafft.

Doch die positive Resonanz hat auch ihre Schattenseite: „Wir sind am Anschlag: Dass wir dies alles ehrenamtlich stemmen, ist der Wahnsinn“, gab die Filmredakteurin zu bedenken. Sie verwies darauf, dass der Badehaus-Verein weder von staatlicher noch von städtischer oder privater Seite Fördermittel erhält. Der Betrieb des Erinnerungsorts sei aber enorm kosten- und zeitaufwendig. Krafft richtete deshalb einen leidenschaftlichen Appell an die vertretenen Stadträte und Verwaltungsmitglieder aus Wolfratshausen und Geretsried: „Wir brauchen dringend Hilfe.“

Dagmar Nick, erster Ehrengast der neuen Veranstaltungsreihe „Begegnungen im Badehaus“, lobte das unermüdliche ehrenamtliche Engagement. „Einen Ort mit so viel Vergangenheit darf man nicht einfach entsorgen“, unterstrich die 93-Jährige. Trotz ihres Alters wirkte die heute in München lebende Schriftstellerin enorm vital. Als zweites Kind eines Komponisten und einer Konzertsängerin wuchs die gebürtige Breslauerin in Berlin auf und musste später mit ihrer Familie aufgrund ihrer jüdischen Abstammung ins böhmische Reichenberg und später zu einem Onkel nach Lenggries flüchten.

Lesen Sie auch: So wurde die Einweihung des Badehauses begangen

Nicks lyrisches Talent hatte der berühmte Schriftsteller Erich Kästner entdeckt. Er veröffentlichte ihr Gedicht „Flucht“ in einer renommierten Zeitung. Fortan schrieb Nick – auch Schlagertexte für die Schauspielerin Maria Schell und Hans Albers. „Als ich ihn in den Studios am Geiselgasteig bei München traf, begrüßte er mich mit den Worten: ,Das also ist das Fräulein Goethe‘“, erinnerte sie sich. Dem Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll begegnete Nick in Köln. „Er hatte eine bewundernswerte menschliche Stärke.“

Die 93-Jährige erzählte aber auch von ihrer Reise nach Bergen-Belsen 1954. „Neun Jahre nach Kriegsende wurde dieser Ort bewusst vergessen und verleugnet: Niemand im Ort wollte etwas von den Massengräbern und dem Konzentrationslager gewusst haben“, sagte sie. Ihr bewegendes Gedicht „Belsen 1954“ ließ den Zuhörern das Blut in den Adern gefrieren. Nach ihren rund einstündigen Ausführungen hatte die ausgebildete Grafologin die Ehre, die Badehaus-Geburtstagstorte anzuschneiden. Eine Aufgabe, die sie ebenso souverän bewältigte.  

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