Alfred Fraas
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Alfred Fraas aus Wolfratshausen bleibt lieber daheim, als sich von seinem Bart zu trennen.

Damit FFP2-Masken wirken

Ein haarige Debatte: Müssen sich Männer von ihrem Bart trennen?

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
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Die Bartträger im Landkreis sind entgeistert: Mediziner fordern, dass sie sich über das Wochenende glattrasieren, damit die FFP2-Masken richtig sitzen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Am Montag tritt nach dem Willen der Staatsregierung eine FFP2-Masken-Pflicht im Nahverkehr und im Handel in Kraft. Sinn macht das angeblich nur, wenn sie wirklich dicht an der Haut abschließt. Das ist bei Bartträgern nicht gewährleistet, weshalb Mediziner die betroffenen Männer jetzt schon auffordern, sich über das Wochenende von ihrem Haarschmuck zu trennen – so schwer das dem einen oder anderen auch fallen mag.

Die Bartträger wissen nicht, wie ihnen geschieht

Die Bartträger selbst wissen nicht, wie ihnen geschieht. Der Mann, der in Wolfratshausen eines der imposantesten Exemplare trägt, ist Alfred Fraas. Der Software-Ingenieur und CSU-Stadtrat lässt ihn seit seiner Jugend sprießen. „Ich habe mich nur zwei Mal in meinem Leben von meinem Bart getrennt. „Das eine Mal war wegen einer Frau. Das war ein Fehler.“ Das andere Mal musste sich der CSU-Mann nach einem schweren Unfall einer OP unterziehen. „Da war das unvermeidlich.“ Ansonsten hat er das Gefühl, dass der Bart ein Teil von ihm und seiner Identität ist. Über das Wochenende kurzen Prozess zu machen, kommt ihm nicht in den Sinn. „Bei aller Liebe, da mache ich nicht mit“, sagt er. „Notfalls gehe ich nicht mehr aus dem Haus.“

Thorsten Thane, Kameramann und Produzent aus Geretsried

Ziemlich konsterniert reagiert auch Thorsten Thane aus Geretsried auf den Appell der Fachleute. Der Kameramann und Produzent hat schon in seiner Jugend prophezeit: „Wenn ich mal 50 bin, habe ich Glatze und einen langen Bart.“ Das hat er jetzt schon mit 48 geschafft. Den aktuellen Haarschmuck lässt er seit drei Jahren wachsen, einfach so, weil es ihm gefällt. Davor war das nicht möglich, auch weil er viel für BMW gearbeitet hat, wo man auf die äußere Erscheinung großen Wert gelegt hat. „Da war ein Vollbart ein No-Go.“ Jetzt, da er ihm bis auf die Brust reicht, ist er glücklich. Aufforderungen, ab sofort wieder mit blankem Kinn durch die Welt zu laufen, empfindet Thane als Zumutung. „Ich sollte mal bei Dreharbeiten jemanden ohne Bart doublen“, erzählt er. „Da habe ich gesagt: ,Nur wenn Ihr mir 10 000 Euro zahlt.’“ Auch dem Appell der Mediziner wird er nicht folgen. „Lieber wandere ich aus.“

Der Bart ist – neben Gamsbart und Kuhglocke – das Markenzeichen von Hias Hammerl aus Ried bei Kochel. So lange Zuschauer bei Fußballspielen zugelassen waren, war der Taxifahrer national und international der Fan des FC Bayern schlechthin. Und jetzt sollen die Haare ab? „Aber garantiert nicht“, sagt er kurz und bündig. Die Maßnahme mit den FFP2-Masken hält er sowieso für übertrieben, und von seinem 40 Jahre alten Bart wird er sich niemals trennen. Dass ihn der Gesetzgeber zwingen kann, glaubt er nicht. „Das wäre doch ein Eingriff in die persönlichen Freiheiten.“ Ministerpräsident Söder wird er sich demnächst einmal packen, sagt er mit einem Augenzwinkern – Hammerl ist überzeugter CSU-Mann.

Hias Hammerl, Taxifahrer und FC Bayern-Fan aus Benediktbeuern.

Überrascht von dem Ansinnen ist auch Sepp Suttner, Chef des Bartvereins Ort-Pessenbach mit 46 Mitgliedern. „Ich bin nicht begeistert“, sagt er. Der Kochler selbst wäre bereit, seinen relativ kurzen Bart zu stutzen. „Der wächst ja bald wieder nach.“ Aber es gebe andere, die über viele Jahre großen Aufwand getrieben und jetzt „eine Riesenmatratze im Gesicht haben“. Es könnte noch haarig werden.

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