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Markt im Markt: Der Streit um einen Standplatz in Wolfratshausen wurde jetzt in zweiter Instanz vor dem Landgericht ausgetragen.

Verhandlung vorm Landgericht 

Marktmeister gingen in Berufung: Kehrtwende in der Wolfratshauser Speck-Affäre

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Weil sie von einem Händler für Speck und Kaminwurzen einen besseren Standplatz zugeteilt haben sollen, waren der Wolfratshauser Marktmeister und sein Vorgänger verurteilt worden. Beide gingen in Berufung. Nun gab es eine Kehrtwende. 

Wolfratshausen/MünchenSie sollen von einem Markthändler unlautere Geschenke angenommen haben: Deshalb wurden der Marktmeister (39) der Stadt Wolfratshausen und sein Vorgänger (66) zu Geldstrafen in Höhe von 600 beziehungsweise 3300 Euro verurteilt. Gegen das Urteil gingen beide in Berufung. Nun wurde die Sache am Landgericht noch einmal verhandelt. Mit einem günstigeren Ausgang für die Angeklagten: Der neue Marktmeister wurde vom Vorwurf der Vorteilsannahme freigesprochen. Das Verfahren gegen seinen Vorgänger wurde gegen Zahlung von 400 Euro an den Tierschutzverein eingestellt.

Die Prozessbeteiligten mussten sich gedulden. Gut eineinhalb Stunden später als vorgesehen, eröffnete Richterin Marion Tischler die Verhandlung. „Hungrige Richter sind unleidliche Richter. Wir sind jetzt satte Richter“, entschuldigte sie die Verzögerung mit einem Lächeln, dem nicht zu entnehmen war, ob sie ihre Worte in Anspielung auf die Verhandlung gewählt hatte. Ging es doch auch dabei in gewisser Weise ums leibliche Wohl – genauer gesagt: um deftigen Tiroler Kaiserspeck und ein Paar würzig-rauchige Kaminwurzen.

Mit solchen Präsenten habe er sich seinen attraktiven Standplatz in der Marktstraße sichern wollen, hatte der Händler (64) in der ersten Verhandlung am 10. Januar dieses Jahres vor dem Amtsrichter in Wolfratshausen zu Protokoll gegeben. Insgesamt 18 Mal will der Mittenwalder, der nur zu den vier Jahrmärkten – Mittefasten-, Nepomuk-, Kirchweih- und Martinimarkt – seine Tiroler Bauernkost in der Flößerstadt angeboten hatte, dem früheren Marktmeister eine Freude gemacht haben. Mit dem gewünschten Ergebnis, dass er seinen Stammplatz – auf den er nach der Marktsatzung keinen Anspruch hatte – jahrelang bekam.

Deshalb reagierte der Fierant arg verärgert, als ihm beim Kirchweihmarkt im Oktober 2015 vom neuen Marktleiter ein anderer Platz zugewiesen wurde. Um den Mann für die Zukunft gewogen zu stimmen, habe er ihm zum Abschied trotzdem ein paar Kaminwurzen in die Hand gedrückt. Als jedoch beim nächsten Markt im Frühjahr 2016 seine Frau unverrichteter Dinge nach Hause fahren musste, weil es für ihren Stand keinen Platz mehr gab, eskalierte die Situation. Der Händler reichte eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein und beschuldigte die Marktmeister „gerne die Hände aufzuhalten“.

„Es ist eine klassische Aussage-gegen-Aussage-Situation“

„Der Brief hat den Eindruck gemacht, dass sich da jemand revanchieren muss“, erklärte ein leitender Beamter der Stadt. Dieses Eindrucks konnte man sich auch in der Verhandlung nicht erwehren. Der Händler verwickelte sich auf seiner „Zeitreise zurück in vergangene Jahre“ (Richterin Tischler) in Widersprüche zu seinen Aussagen bei der polizeilichen Vernehmung sowie den Anschuldigungen, die er seinerzeit gegen die Marktleiter erhoben hatte. „Suchen Sie sich’s aus“, erwiderte er patzig, als die Richterin wissen wollte, welche seiner Aussagen denn nun stimme.

Das Gericht sah es nach den widersprüchlichen Aussagen des Händlers und dessen Frau nicht als erweisen an, „dass Kaminwurzen von einer Hand in die andere Hand gewandert sind“, begründete die Richterin den glatten Freispruch für den Marktmeister. „Es ist eine klassische Aussage-gegen-Aussage-Situation. Und wir glauben Ihnen, das ist der springende Punkt.“

Lesen Sie auch: Speck-Affäre: Bürgermeister kann Urteil des Amtsgerichts nicht nachvollziehen 

Der 39-jährige Marktmeister hatte immer seine Unschuld beteuert. „Es gab so einen Vorfall nicht, es gab auch keine Kaminwurzen.“ Deshalb hatte der städtische Beamte auch eine bereits im Vorfeld von der Staatsanwaltschaft angebotene Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage abgelehnt.

Sein langjähriger Vorgänger hatte eingeräumt, fünf, sechs Mal Geräuchertes angenommen zu haben. Immer ganz zum Schluss. „Hier, nimm’ was mit für die Brotzeit auf’d Nacht“, habe der Mann gesagt, zu dem er über die Jahre ein „kameradschaftliches Verhältnis“ gepflegt habe. „Ich habe ihm keinerlei Böswilligkeit unterstellt“, so der 66-Jährige. rst

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