“Mich hat das Thema gefesselt und nicht mehr losgelassen“ - Badehaus zieht auch junge Menschen an
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Hat viel Spaß an seiner Arbeit im Erinnerungsort Badehaus: Jonathan Coenen im Gespräch mit einer Zeitzeugin. 

Faszination Badehaus

“Mich hat das Thema gefesselt und nicht mehr losgelassen“ - Badehaus zieht auch junge Menschen an

Das Waldramer Badehaus hat sich zum Anziehungspunkt für viele junge Leute entwickelt, die sich für den Erinnerungsort begeistern. Ein Beispiel ist der Vize-Vorsitzende Jonathan Coenen.

Wolfratshausen – Vereine, die sich mit der Historie eines Ortes befassen, stehen nicht unbedingt in dem Ruf, ein Sammelbecken für junge engagierte Menschen zu sein. Der Verein „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ zeigt, dass es auch anders gehen kann. Die beiden Vize-Vorsitzenden sind unter 30 Jahre alt, bei Projekten und Veranstaltungen tummeln sich viele junge Ehrenamtliche, die sich für den Erinnerungsort und die Geschichte Waldrams begeistern.

Badehaus: Vize-Vorsitzenden sind unter 30 Jahre alt

Vereinschefin Dr. Sybille Krafft freut sich über die junge Führungsriege. Denn: „Wir machen diese Erinnerungsarbeit nicht für uns, sondern auch für die kommenden Generationen.“ Deshalb sei der gesamte Verein darauf ausgerichtet, den jungen Menschen, die sich einsetzen wollen, dafür auch die Möglichkeit zu geben. „Gerade jüngere Mitglieder werden hier in ihrem Engagement ernst genommen und bekommen verantwortungsvolle Aufgaben statt Kaffeedienst“, so Krafft.

„Machen diese Erinnerungsarbeit nicht für uns, sondern für kommende Generation“

Dieses Vorgehen zahlt sich aus: Für das Badehaus engagiert sich „eine ganze Riege von jungen Leuten“ – darunter Studenten, die sich an Recherchen beteiligen, junge Erwachsene, die hier ihren Bundesfreiwilligendienst leisten, oder technik-affine Menschen, die sich mit der Ausrüstung oder dem Internetauftritt des Museums befassen. 

Der große Einsatz der jungen Badehäusler „ist auch für uns eine große Motivation“, sagt Krafft. Ein großer Wunsch der Verantwortlichen sei es, den Erinnerungsort als Einrichtung „für alle Generationen“ zu führen und „den Stab der Erinnerung weiterzureichen“.

Jonathan Coenen ist Kraffts Stellvertreter

Weiterzureichen an Menschen wie Jonathan Coenen. Der 23-Jährige ist seit über einem Jahr Kraffts Stellvertreter. In sein Aufgabengebiet fallen Marketing und Museumsbetrieb. Kürzlich entwickelte er gemeinsam mit einem Studienkollegen die Homepage des Vereins. „Es ist schon etwas Besonderes, in meinem Alter so aktiv mitgestalten und Verantwortung übernehmen zu dürfen“, sagt Coenen.

Dass er innerhalb kürzester Zeit eine so wichtige Rolle für das Badehaus und den Verein übernehmen würde, hätte er nicht geahnt. „Ich hatte ursprünglich angeboten, ein bisschen technische Hilfe beim Schneiden von Interviews zu leisten“, erinnert sich der Ickinger.

Berichte der Zeitzeugen gingen dem Ickinger unter die Haut

Die Arbeit machte ihm Spaß. Die Berichte der Interviewten, die die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Waldram erlebten, gingen ihm unter die Haut. Das Badehaus-Projekt faszinierte den jungen Mann. „Das Engagement wurde immer intensiver.“ Ein grundsätzliches Geschichtsinteresse habe er immer verspürt, sagt der Student der Politik- und Rechtswissenschaften. 

„Mich hat das Thema gefesselt und nicht mehr losgelassen.“ Am Badehaus in Waldram gefällt ihm vor allem, dass nicht nur über das NS-Regime und Nazi-Deutschland berichtet wird. „Die Geschichte wird hier weitererzählt, es geht auch um einen Neuanfang. Und das Besondere ist, dass es von der Geschichte direkt vor unserer Haustür handelt.“

„Mich hat das Thema gefesselt und nicht mehr losgelassen“

Drei Generationen würden sich derzeit im Verein engagieren, „wovon alle lernen und neue Einblicke gewinnen können“. Das „Feuer und die Energie“, mit der sich alle Altersklassen einsetzen, „macht unheimlich viel Spaß“, sagt Coenen. Er selbst ist angetrieben von einer Leidenschaft, die in der Familie liegt. Sein Großvater arbeitete als Geschichtslehrer. 

In seinem Unterricht zeigte sich eine Schülerin ganz besonders begeistert von der Thematik: die junge Sybille Krafft. Es ist ein Kreis, der sich im Badehaus schließt. Coenen: „Ich kann hier einen Betrag leisten, die Geschichte weiterzuerzählen.“ 

Kürzlich besuchte Sylvia Stierstorfer, Regierungsbeauftragte für Aussiedler und Vertriebene, den Erinnerungsort Badehaus - und war sehr beeindruckt. Auch für die Architektouren 2020 wurde das Waldramer Badehaus kürzlich ausgezeichnet. 

dst

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