+
Gelbe Blumen, grüne Pflanzen: In Weidach arbeiten viele Hobbygärtner im Gemeinschaftsgarten. Vereinsvorstand Ali Kumas (55) präsentiert eine Zucchini, die er selbst dort angebaut hat. 

Gartenidyll in der Wohnsiedlung

Mit allen Sinnen: So genießt dieser Wolfratshauser den Sommer im Gemeinschaftsgarten

Für die Serie „Sommer mit allen Sinnen“ haben wir uns in Wolfratshausen auf Spurensuche begeben. Heute: ein Besuch bei Ali Kumas im Weidacher Gemeinschaftsgarten.

Wolfratshausen – Zucchini, Gurken, Bohnen und Tomaten liegen auf dem Gartentischchen vor den hohen Weinreben. Die Hauptstraße ist nur wenige Meter entfernt, trotzdem ist es ruhig im Weidacher Gemeinschaftsgarten. Wenn ein leichter Sommerwind über die Wiese weht, rauschen die Blätter in den Bäumen. Dazu summen die Bienen im Stock hinter dem Gartenhaus. In dieser Idylle zwischen einer Druckerei und Einfamilienhäusern sitzt Ali Kumas auf einem Gartenstuhl – hinter ihm blühende Obst- und Gemüsebeete, Maispflanzen und mannshohe Sonnenblumen.

Der 55-jährige Fertigungsleiter ist Vorstand des Vereins, der den Gemeinschaftsgarten betreibt. Auf 25 Parzellen bauen Hobbygärtner auf einer Grünfläche an der Franz-Geiger-Straße frisches Gemüse, Blumen oder heimisches Obst an. „Wir machen den Pächtern keine Vorgaben, was sie auf ihren Parzellen tun sollen“, sagt Kumas. Nur eine klare Regel gebe es, ergänzt Vize-Vorstand Reiner Kuhn. Chemie ist tabu. „Wir haben einen biologischen Anspruch“, sagt der 52-Jährige.

Lesen Sie auch: Auf knarzenden Dielen: Ein außergewöhnlicher Spaziergang über den Sebastiani-Steg

Die meisten der Hobbygärtner sind Wolfratshauser, vereinzelt kommen Mitglieder aus Geretsried. „Wir merken, dass viele Menschen hier den Wunsch haben, im Garten aktiv zu sein“, so Kumas. Manche der Mitglieder hätten zuhause weder Grünfläche noch Balkon. Sie würden sich nach Naturerlebnissen sehnen. Gerade in Großstädten sprießen deswegen ähnliche Gärten zwischen Hochhäusern und Verkehrsadern hervor. Viele Hobbygärtner nutzen die Zeit im Grünen auch, um Obst und Gemüse anzubauen. „Viele unserer Pächter können sich hier wieder bewusst machen, wo unser Essen herkommt“, erklärt Kuhn. Eltern könnten ihren Kindern in dem idyllischen Garten zeigen, wie lange es dauert, dass aus einem Samen eine Zucchini wird oder auch wie viel Pflege eine Gurkenpflanze braucht, bevor sie Früchte trägt.

Lesen Sie auch: Kollektives Säen und Ernten: Gartenbauverein Münsing betreibt Gardensharing

Der Blick fällt auf eine Mutter, die an diesem Vormittag auf dem Boden ihrer Parzelle kniet und Tomaten von einem Strauch pflückt. Ihre sechsjährige Tochter steht fasziniert daneben und packte die roten Kugeln in eine große Tüte. Daneben suchen Ehemann und Sohn nach frischen Zucchini, die sie gemeinsam gezogen haben. „Das ist ein ganz anderes Erlebnis, als sich die Sachen einfach im Supermarkt zu besorgen“, betont Kumas. Nicht nur Anbau und Parzellen-Pflege sind etwas Besonderes. Auch der Geschmack überzeugt. Die Pflanzen haben dem Sortiment im Supermarkt-Regal einiges voraus, ob Gurken, Zucchini oder Kartoffeln. „Es schmeckt viel aromatischer. Man genießt das ganz anders“, sagt Brigitte Hofstetter-Lux, die sich inzwischen zu Kumas und Kuhn an das Gartentischchen gesetzt hat.

Hier sitzen die Hobbygärtner häufig zusammen, schneiden ihre frisch geernteten Gurken und Tomaten auf und plaudern über Gott, den Garten und die Welt. Dazu kocht Kumas türkischen Tee in einem Kocher, der wie aus der Zeit gefallen wirkt. „Es ist wirklich eine Gemeinschaft“, sagt Hofstetter-Lux.

Auch interessant: Gemeinsam für die Natur: Familien legen in Dietramszell wieder Sonnenäcker an

Die 64-Jährige aus Geretsried bewirtschaftet eine der 25 rund 50 Quadratmeter großen Parzellen. Ihre Ernährung passt sie der Jahreszeit an. „Was wir daheim kochen, hängt immer davon ab, was hier gerade geerntet werden kann.“ Oder sie lässt andere an dem Genuss teilhaben. Am Vortag habe sie unzählige Weckgläser voller eingelegter Zucchini an Freunde, Nachbarn und Familienmitglieder verteilt. „Mein Sohn kann die schon nicht mehr sehen“, sagt sie und lacht.

Zuhause hat Hofstetter-Lux auch einen großen Garten, ihren grünen Daumen lebt sie aber in Weidach aus. „Hier ist immer etwas los, man kommt mit Menschen zusammen“, sagt die Geretsriederin. Manchmal, wenn sie schon in den Morgenstunden ihre Kürbisse gießt oder Unkraut zupft, frühstücken Familien inmitten der Natur auf der Holzveranda am Eingang des Weidacher Gemeinschaftsgartens zusammen. Abends sitzen viele gemütlich auf Gartenstühlen in ihrer Parzelle, öffnen eine Flasche Weißwein und schauen sich an, wie die Sonne hinter den Baumwipfeln des Bergwaldes untergeht. Der Wind raschelt in den Blättern und die Bienen summen in den Pflanzen zwischen Druckerei und Wohnhäusern. Ansonsten ist es still. Dominik Stallein

Lesen Sie auch: Wolfratshauser Imker erklärt, wie jeder den Bienen helfen kann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Feuerwehr Geretsried: Diakon segnet neue Fahrzeuge
Festakt in den Ratsstuben: Diakon Michael Baindl segnete neue Drehleitern und Mannschaftswagen der Freiwilligen Feuerwehr.
Feuerwehr Geretsried: Diakon segnet neue Fahrzeuge
Schwitzen für den guten Zweck: Wintersportler sammeln auf der Zugspitze 23000 Euro
Der 13. Charity Hike & Ride des gleichnamigen Wolfratshauser Vereins brachte rund 23 000 Euro für zwei karitative Projekte ein.
Schwitzen für den guten Zweck: Wintersportler sammeln auf der Zugspitze 23000 Euro
Vorbild Jesus: Wie man mit Leid und Schmerz umgehen kann
Nicht mit aller Macht gegen das Leid aufbäumen, sondern es annehmen: Das können wir von Jesus lernen, findet die evangelische Pfarrerin Elke Eilert. 
Vorbild Jesus: Wie man mit Leid und Schmerz umgehen kann
Nach dem langen Winter sind die Bienen ausgehungert
Sie sind klein, aber der Nutzen der Bienen ist riesig: Mit unserer Serie „Vom Nektar zum Honig“ wollen wir die faszinierende Welt der Bienen näher vorstellen. Imkerin …
Nach dem langen Winter sind die Bienen ausgehungert

Kommentare