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Start in Gelting: Drohnenpilot Marinus Vogl (re.) und Auftraggeber Heinz Wensauer. 

Private Luftaufklärung

Mit Drohnen-Film gegen die S-Bahn-Verlängerung

  • vonPeter Borchers
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Heinz Wensauer und etwa 25 Mitstreiter kämpfen nun aus der Luft gegen die verlängerung der S7 nach Geretsried.

Wolfratshausen – UAV, Unmanned Aerial Vehicle, heißen sie eigentlich. Gemeinhin sind die unbemannten Luftfahrzeuge als Drohnen bekannt. Eine solche, gesteuert von Marinus Vogl, hob am Dienstagnachmittag nahe des Geltinger Sportplatzes ab. Ihre Mission: Sie sollte die geplante Trasse der S-Bahnverlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried in ihrer gesamten Länge abfliegen und -filmen. In einer Nacharbeit von „drei bis vier Wochen“ wird Drohnenpilot Vogl einen Streifen als 3D-Animation produzieren, der – so Vogls Auftraggeber Heinz Wensauer – „verdeutlichen soll, welch elementarer Eingriff in die Landschaft dieser Bau sein wird“.

Seit Jahren kämpft der Wolfratshauser Wensauer vehement gegen die S7-Gleisverlängerung in die Nachbarstadt. Seine Haupttriebfeder sei neben der drohenden Versiegelung sein „ausgeprägter Gerechtigkeitssinn“, sagt der mittlerweile 78-Jährige. „Selbst bin ich kein Grundbesitzer, aber ich kann mich sehr wohl in die Leute reindenken, denen ihr Besitz genommen wird.“

Der Film soll den Bürgern exakt aufzeigen, „wo genau die Bahn entlang fahren und welcher Bauer sein Land und unter Umständen auch seine Existenz verlieren wird“. Nichts anderes als „eine Enteignung“ drohe, sagt Wensauer und fühlt sich an dunkle Zeiten in diesem Land erinnert. „Damals haben die Machthaber es so gemacht, und recht viel besser ist es heute offenbar auch nicht.“ Man könne mit den Betroffenen, die ihren Grund und Boden zur Verfügung stellen sollen, „doch nicht erst kurz vor Vertragsabschluss sprechen. Man muss mit ihnen zuerst reden. Ich empfinde das als eine unglaubliche Ungerechtigkeit“.

Billig wird die Produktion nicht. Der professionelle Film kostet ein paar Tausend Euro, die Wensauers etwa 25 Mitstreiter hinblättern. „Es sind die, die auch bei meinen zwei Info-Veranstaltungen da waren“, sagt der 78-Jährige und kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Manch politische Partei würde sich glücklich schätzen, wenn sie so viele Leute an ihrem Stammtisch hätte, wie ich sie auf Anhieb hatte.“ Dies zeige ihm, „dass mir die Menschen, die mir ihr Geld zur Verfügung stellen, vertrauen“.

Es handelt sich ausschließlich um Privatpersonen. Der 78-Jährige fragte beispielsweise in Königsdorf nach, auf dessen Flur Teile des End-Bahnhofs geplant sind. Der dortige Gemeinderat hatte sich nicht in allen Punkten mit der Planung einverstanden gezeigt. Mit im Boot sitzen natürlich Wolfratshauser, deren Häuser unmittelbar an die Gleise grenzen. Bürgermeister Klaus Heilinglechner fragte Wensauer ebenfalls nach Geld – und holte sich eine Abfuhr. „Wir wollen ja die S-Bahn“, habe die Antwort des Rathauschefs gelautet. Wensauer kann das nicht verstehen: „Die Stadt gibt sich mit der Tieferlegung zufrieden. Aber wenn in Wolfratshausen dann vier, fünf Jahre gebaut wird, kann man sich ausmalen, was hier los sein wird. Die großen Probleme sehen wir ja schon aktuell durch die Baustelle Sauerlacher Straße.“ Lärm, Staus und Geschäftsschließungen erwartet der 78-Jährige.

Sobald der Film fertig produziert ist, geht er online. Heinz Wensauer hat nach eigener Aussage auch Anfragen aus Ministerien erhalten. „Die kriegen Bescheid, denn ich glaube, dass sich diese Leute, die vom grünen Tisch aus entscheiden, das eine oder andere aus dem Film ziehen können.“ 

peb

Lesen Sie auch: S7-Verlängerung: Gutsbesitzer Fuchs bleibt bei seiner Darstellung

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