Die Baugrube
+
11000 Quadratmeter ist das Kraft-Areal groß. Hier sollen 117 Wohnungen und ein Nahversorger entstehen.

Wohnbauprojekt am S-Bahnhof

Hier entstehen 117 Wohnungen: Die Bauarbeiten auf dem Kraft-Areal liegen im Zeitplan

  • vonDominik Stallein
    schließen

Mammutprojekt am Kraft-Areal: Die Scherbaum Gruppe errichtet neben dem S-Bahnhof 117 Wohnungen und einen Nahversorger. Beim Rundgang über die Baustelle erklärt der Geschäftsführer die Fortschritte. Im Moment sieht es gut aus.

Wolfratshausen – Die Ausmaße des Projekts können die Passanten, die das Treiben vom Bauzaun an der Sauerlacher Straße aus beobachten, nur erahnen: Rund 11 000 Quadratmeter ist das Kraft-Areal groß, auf dem die Scherbaum-Gruppe mit Sitz in Grünwald mehr als 100 Wohnungen und einen Nahversorger baut. Deutlicher werden die Dimensionen des Vorhabens bei einem Baustellen-Rundgang mit Scherbaum-Geschäftsführer Frank Maiberger.

Der 46-Jährige steht auf einem erhöhten Kies-Streifen zwischen zwei metertiefen Baugruben und lässt seinen Blick über die fünf Bagger schweifen, die einsatzbereit auf dem Areal stehen. 117 Wohnungen werden auf dem Grundstück – früher ein Lager der Kraft Baustoffe GmbH – östlich des S-Bahnhofs entstehen. 47 davon im vorderen Bereich, dort soll – im Erdgeschoss des Neubaus – zudem ein Lebensmittel-Vollsortimenter, konkret ein Edeka-Markt untergebracht werden. Die übrigen 70 Wohneinheiten werden im Norden des Geländes errichtet. Sie werden „wie ein Kamm“ ausgerichtet, erklärt Maiberger. Vorstellen kann man sich den Plan wie die Finger an einer Hand. Vier Querbauten sollen aus einem rund 100 Meter langen Verbindungsgebäude herausragen.

Zweigeschossige Tiefgarage unterhöhlt das Areal

Ihre Wohnung erreichen die Anwohner über eine Tiefgarage, die fast das komplette Kraft-Areal unterhöhlen wird. Die zentrale Einfahrt entsteht an der Sauerlacher Straße. Unterhalb des Edeka-Markts wird die Garage für Kunden und Bewohner zweigeschossig ausgebaut. Durch einen unterirdischen Verbindungstrakt gelangen die Mieter der hinteren Gebäude durch eine Schranke in die – dann nur noch eingeschossige – Anwohner-Garage unter dem Baukörper. Um die viel befahrene Sauerlacher Straße nicht völlig lahmzulegen, ist angedacht, dass die Anwohner die Garage auf der Nordseite, also durch das Wohngebiet Auf der Haid, verlassen.

Knotenpunkt an der Sauerlacher Straße soll ertüchtigt werden. Wann? Das ist unklar.

Um die Situation an einer der Hauptverkehrsadern der Stadt zu entzerren, wirkt die Kommune mit. Der Bauausschuss hat einen Ausbau der Sauerlacher Straße beschlossen. „Derzeit laufen Gespräche mit dem Staatlichen Bauamt in Weilheim“, erklärt Rathauschef Klaus Heilinglechner auf Nachfrage unserer Zeitung. Eine Verbreiterung der Fahrbahn und ein zusätzlicher Abbiegestreifen sollen die Verkehrsströme möglichst flüssig lenken. Eine Ampel an der Kreuzung zum Moosbauerweg soll für Ordnung sorgen, die Situation für Fußgänger und Radfahrer allgemein erleichtert werden. Wann genau die Maßnahme in Angriff genommen wird, stehe derzeit noch nicht fest, so Heilinglechner. Schließlich könnten die Bauarbeiten samt Straßensperrung den Betrieb auf dem Kraft-Areal behindern. Derzeit – das betont Scherbaum-Geschäftsführer Maiberger beim Einfahren eines großen Lkw – „gibt es kein Problem mit der Verkehrssituation“.

Kulisse der ARD-Serie Hubert und Staller musste für das Projekt weichen

Bislang verlaufen die Arbeiten nach Plan. Bereits im vergangenen Jahr wurden die Gebäude auf dem Kraft-Areal abgerissen, unter denen sich auch das Polizeirevier der ARD-Krimiserie „Hubert und/ohne Staller“ befand. „Bis jetzt sieht alles sehr gut aus“, sagt Maiberger, „obwohl wir ein paar Altlasten im Boden beseitigen mussten.“ Vor Baubeginn hätten erste Proben des Untergrunds zwar keine Schadstoffbelastung angezeigt, „nach dem Abriss haben wir unter einem der Bestandsgebäude aber doch etwas gefunden“, so Maiberger. Die Verzögerung, die durch die kompliziertere Entsorgung entstanden sei, sei aber nicht ins Gewicht gefallen.

Reger Betrieb herrscht auf der Baustelle. Im hinteren Bereich, den unser Bild zeigt, sind 70 Wohnungen geplant.

Im Moment sieht es so aus, als könnten die Arbeiten wie geplant Ende 2022 beendet sein. „Wenn alles gut läuft“, betont der 46-Jährige. Aufgrund der Corona-Pandemie klagen manche Baufirmen über Lieferengpässe und Verzögerungen, „davon sind wir bisher aber verschont geblieben“, sagt Maiberger.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

Auch wenn das Grundstück im Moment noch wenig einladend aussieht: Bei der Scherbaum Unternehmensgruppe melden sich regelmäßig Interessenten für die neuen Wohnungen. „Wir erfassen die interessierten Mieter auf einer Liste und werden sie kontaktieren, wenn wir in die Vermarktung gehen“, berichtet Maiberger. Dafür sei es jetzt „noch deutlich zu früh“. Fest steht: 30 Prozent der Wohnungen werden nach den Richtlinien der einkommensorientierten Förderung, das heißt, zu günstigen und bezuschussten Mieten angeboten werden. Anfragen zum Kauf einer Wohnung können sich Interessenten sparen: „Wir vermieten diese Objekte selbst.“ Alle Immobilien bleiben Eigentum der Investoren.

Wir sind natürlich interessiert an langfristigen Mietern, es spricht also nichts gegen Menschen aus Wolfratshausen, die hierbleiben möchten.“

Frank Maiberger über die Vermietung der Wohnungen

Im Stadtrat hatten einige Bürgervertreter, allen voran Richard Kugler (Wolfratshauser Liste), gefordert, Wolfratshauser bei der Vermietung zu priorisieren. „Grundsätzlich kann sich jeder bewerben“, sagt Maiberger dazu. „Aber wir sind natürlich interessiert an langfristigen Mietern, es spricht also nichts gegen Menschen aus Wolfratshausen, die hierbleiben möchten.“ In Rufweite der Baustelle soll in einem Mehrgenerationen-Haus weiterer bezahlbarer Wohnraum entstehen.

Geplantes Einkaufszentrum ist vom Tisch

Dass überhaupt so viel Wohnraum auf dem Areal östlich des S-Bahnhofs entsteht, ist auf einige Änderungen der Planungen zurückzuführen. Ursprünglich war auf dem Gelände ein großes Einkaufszentrum mit Elektro-Fachgeschäft, Sport- und Textilhandel vorgesehen. Diese Pläne sind seit 2019 vom Tisch. Stattdessen werden ein neues Wohnquartier und nur eine Gewerbefläche (Edeka inklusive Getränkemarkt und Bäckerei) gebaut. Im Mai, so der Bauzeitenplan, soll laut Maiberger mit dem Rohbau der Gebäude begonnen werden. Für die Passanten gibt’s dann von der Straße aus deutlich mehr zu sehen. Dominik Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare