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Die Polizei hatte Mühe, den Wolfratshauser auf seinem getunten Mofa aufzuholen (Symbolfoto)

JUGENDGERICHT

Mit frisiertem Mofa unterwegs: Wolfratshauser (20) kurz vor „Rundumschlag“

  • vonRudi Stallein
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Mit einem getunten Mofa, ohne Fahrerlaubnis, aber mit Rückständen von Drogen im Blut: Ein Wolfratshauser musste sich jüngst vor dem Jugendgericht verantworten.

Wolfratshausen – Sichtlich zu schnell schoss ein Wolfratshauser mit seinem Mofa aus dem Radweg an der B11-Ampel in Geretsried Nord. „Wir hatten Mühe aufzuholen“, berichtete ein Polizist, der dem „bis auf 55 Stundenkilometer getunten“ Gefährt auf der Elbestraße gefolgt war. Das war am 30. August 2020 gegen 22 Uhr. Nun musste sich der 20-Jährige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor dem Jugendgericht verantworten.

„Ja, das stimmt. Das Mofa gehörte mir. Ich wusste, dass es frisiert ist. Ich bin ja damit gefahren.“ Wer für das Tuning verantwortlich war, wollte er nicht sagen. „Ich kooperiere in jeder Hinsicht. Aber ich hänge andere nicht hin. Dass muss jeder selbst für sich entscheiden, ob er andere belastet“, stellte der Beschuldigte fest. Wegen seiner vorherigen fünf Verhandlungen ist er mit den Gepflogenheiten beim Jugendgericht bestens vertraut. Zuletzt war er im Mai 2020 wegen unerlaubten Drogenbesitzes zu einem Freizeitarrest verurteilt worden. Damals war er zu einem Drogenkonsumverbot und regelmäßigen Screenings verurteilt worden.

Eine Blutprobe, die dem Angeklagten nach der Mofa-Fahrt entnommen worden war, wies laut ärztlichem Bericht Rückstände von Kokain und Cannabis auf. Die nahe liegende Frage von Richterin Friederike Kirschstein-Freund, ob er ein Problem mit Drogen habe, verneinte der Beschuldigte. „Ich würde sagen, es war schlechtes Timing, dass ich genau an dem Tag, an dem ich angehalten worden bin, zwei Nasen genommen habe.“ Der Staatsanwalt sah sich aufgefordert, dem jungen Mann seine Zukunftsaussichten zu visualisieren. „Sie sind jetzt bald 21“, stellte der Anklagevertreter fest, bald sei das Erwachsenengericht zuständig. „Dann wird es sehr schnell sehr teuer oder sehr schnell sehr eng – in der Zelle.“

Jugendrichterin Kirschstein-Freund verurteilte den Auszubildenden zu 400 Euro Geldstrafe, zahlbar an den Trägerverein Jugend und Soziales. Zudem erteilte sie dem Angeklagten ein zweimonatiges Fahrverbot. Der 20-Jährige muss überdies zwei Freizeitarreste aus früheren Verhandlungen absitzen. „Sie machen weiter, trotz Berufungsverhandlung, trotz Verwerfung des Berufungsantrags“, sagte die verständnislose Richterin. „Sehen Sie zu, dass sie die Weisungen jetzt einhalten. Sonst gibt’s hier einen Rundumschlag. Dann beziehe ich alle alten Geschichten ein und haue sie ihnen um die Ohren.“ Der Jugendgerichtshelfer hatte dringend angeregt, dem Auszubildenden deutlich zu machen: „Wenn ab heute neue Straftaten hinzukommen, droht eine Jugendstrafe.“  rst

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