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Systemrelevant: Die Müllentsorgung im Landkreis ist auch in der Corona-Krise gewährleistet. 

Corona-Krise

Müllentsorgung im Landkreis ist gewährleistet

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Die Bürger müssen sich keine Sorgen machen: Der Abtransport des Abfalls ist systemrelevant. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wie schnell sich die Lage in der Corona-Krise überholt, zeigt gut das Beispiel der WGV Quarzbichl. Am Dienstag hatte die WGV angekündigt, ihre Wertstoffhöfe in Quarzbichl, Am Vorberg in Greiling, an der Geretsrieder Jeschkenstraße und in Wolfratshausen sowie die Grüngut-Annahmestellen in Pessenbach und Egling wegen des gerade samstags „dichten Kundenverkehrs“ an diesem Tag zu schließen. Am Mittwoch schon war diese Meldung Schnee von gestern: „Aufgrund der weiter deutlich angestiegenen Kundenanzahl“ seien leider einschneidendere Maßnahmen notwendig, teilte Ursula Mackensen mit. Man werde das Entsorgungszentrum in Greiling, die Wertstoffhöfe in Geretsried und Wolfratshausen sowie die Einrichtungen in Pessenbach und Egling komplett schließen.

Auch Quarzbichl sei für private Anlieferer mittlerweile nun tabu, möglich seien – mit Einschränkungen und nach Anmeldung – nur gewerbliche Anlieferungen. „Dieser Schritt war unumgänglich“, sagt die WGV-Abfallberaterin auf Anfrage. „Kunden können bei uns in Quarzbichl bis auf Weiteres nicht mehr ihren Sperrmüll und ihr Grüngut anliefern.“ Es habe sich nämlich herausgestellt, dass die Leute, die jetzt eigentlich zu Hause bleiben sollten, „nichts Besseres zu tun haben als ihre Speicher auszuräumen oder ihre Bücher auszumisten“, so Mackensen – Dinge, „die sie offensichtlich seit Jahren machen wollten und für die sie jetzt Zeit haben“. Sie kriege Anrufe, „da schlackern Sie mit den Ohren,“, ärgert sich die Abfallberaterin. „Bei uns auf dem Wertstoffhof ging’s zu wie auf einem Ameisenhaufen“ – das passe nicht zusammen mit dem, was Politiker und Wissenschaftler raten: „dass wir Menschenkontakt meiden sollen“. Leute, die jetzt ihren Sperrmüll entsorgen, müssten deshalb irgendwo eine – selbstverständlich legale – Möglichkeit zum Zwischenbunkern finden. Eine winzig kleine Ausnahme gibt es: Sollte aktuell tatsächlich jemand umziehen und darauf angewiesen sein, dass sein Sperrmüll innerhalb einer Woche aus der Wohnung muss, weil der nächste Mieter vor der Tür steht, kann er sich bei der WGV melden. Mackensen: „In nachweisbaren Ausnahmefällen werden wir eine Lösung finden.“

Immerhin, eine gute Nachricht hat die Abfallberaterin: Die Leerung der Glascontainer an den Wertstoffinseln sowie der Abtransport der Papier-, Bio-, Restmüll- und der gelben Wertstofftonne in den Privathaushalten „läuft derzeit ganz normal weiter“. Genaueres könne man bei den Entsorgungsfirmen erfahren.

Also ein Anruf bei der Firma Ehgartner in Geretsried. „Von der Personallage her sind wir im grünen Bereich“, beruhigt Markus Janka, einer der drei Geschäftsführer, „wir versuchen aber jetzt schon, Personal zurückzuhalten, um gerüstet zu sein, sollte sich die Lage zuspitzen.“ Die Zwei- beziehungsweise Drei-Mann-Besatzungen auf den Lkw seien angehalten, die aktuell notwendigen Hygienemaßnahmen wie Abstand halten, Händewaschen und Hustenetikette zu befolgen.“ Auf Homeoffice hat man in der Ehgartner-Zentrale nicht umgestellt, „das ist bei uns nicht so leicht möglich“, sagt Janka. Man habe sich aber großzügig in den Räumen verteilt, um ein mögliches Ansteckungsrisiko zu minimieren. Zudem bauten einige Mitarbeiter Überstunden ab.

Johann Schwaiger, Chef des gleichnamigen Entsorgungsunternehmens in Kochel, gibt sich ebenfalls entspannt. Es lägen zwar Notfallpläne in der Schublade – „Unterstützung durch Verbände beispielsweise, damit die Entsorgung aufrecht erhalten werden kann“ –, aber momentan laufe alles normal. Auch in seiner Firma: „Meinen acht Mitarbeitern geht es gut.“ Damit das so bleibt, halte man sich strikt an die geltenden Hygienevorschriften, „zu diesem Thema kommt ja täglich neues Informationsmaterial von allen möglichen Institutionen rein“. Sein Unternehmen, sagt Schwaiger, fahre mit einer Besatzung von zwei Mann. „Die hätten auch in der Fahrerkabine „die Möglichkeit, den Abstand von eineinhalb Metern zu wahren“.

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Die Tölzer Firma Jakob Haibel entsorgt ebenfalls im Landkreis. Dort verweist uns ein Mitarbeiter jedoch an den Recycling-Dienstleiter Remondis Region Süd, zu dem Haibel gehört. Unternehmenssprecher Michael Schneider beruhigt: Niemand müsse sich Sorgen machen, dass der Müll auf den Straßen bleibt. In den allermeisten Bundesländern sei die Abfallentsorgung „als systemrelevant eingestuft“ worden. „Das bedeutet, dass alles, wirklich alles, darangesetzt werden muss, dass zumindest der hygienisch bedenkliche Müll, also Restmüll oder medizinische Abfälle, halt alles, was gesundheitsgefährdend sein könnte, wenn man’s liegen lassen würde, eingesammelt wird.“ Dies „vor allem dort, wo die Menschen keine Möglichkeit haben, ihren Müll in Säcken zu stapeln wie in Hochhaussiedlungen oder in Wohnungen ohne Balkon und Garten“. Diese Priorisierung gelte aber nur im absoluten Notfall, und den, so Schneider, „haben wir noch lange nicht und bekommen ihn hoffentlich auch nicht“.

Der Verband der deutschen Kreislauf- und Ressourcenwirtschaft (BDE) versucht Schneider zufolge „zu erwirken, dass alle Bundesländer einheitlich die Abfallentsorgung als systemrelevant einstufen“. In Bayern ist das – für private und kommunale Unternehmen – bereits der Fall, in Hessen noch nicht. Ein entsprechendes Schreiben ging an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.

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