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Ein kleiner Stich, der Leben retten kann: Wer Blut spendet, leistet einen Dienst an der Allgemeinheit.

Bayerisches Rotes Kreuz

Mythen und Wahrheiten übers Blutspenden: Vitus Adlwarth klärt auf

Die Blutspende-Dienste schlagen Alarm: Gerade jetzt im Sommer werden Spender dringend gesucht. Wir gehen einigen Mythen und Wahrheiten auf den Grund.

Wolfratshausen - Vitus Adlwarth betreut beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) den Blutspendedienst im Landkreis. Er spricht über folgende Mythen und Wahrheiten: 

Blut kann man beliebig oft spenden

„Das ist schlichtweg falsch. Nach einer Spende braucht der Körper nämlich eine gewisse Zeit, um wieder alle Erythrozythen (rote Blutkörperchen; Anm. d. Red.) nachzubilden. Bei Männern gilt deshalb die Regel, dass sie frühestens zwei Monate nach einer Blutspende erneut spenden dürfen. Bei Frauen sind es drei Monate. Nach dieser Frist ist eine erneute Spende problemlos möglich.“

Wer ein Tattoo hat, darf nicht spenden

„Das stimmt so nicht. Wer tätowiert ist, darf zur Blutspende kommen. Die Farbe auf der Haut wirkt sich ja nicht aufs Blut aus. Nach dem Stechen muss man aber vier Monate abwarten. Das gilt auch für Piercings. Hintergrund ist, dass nach dem Stechen Infektionen auftreten könnten, wenn der Tätowierer nicht ganz sauber arbeitet. Wenn man einem Patienten Blut verabreicht, das Infektionen trägt, kann das gravierende Folgen für ihn haben.“

Wer krank ist, darf kein Blut spenden

„Das stimmt. Wer vom Arzt eine Krankschreibung erhalten hat – ganz egal aus welchem Grund – ist von einer Blutspende ausgeschlossen. Bei Krankheitssymptomen bleibt man besser zu Hause und erholt sich.“

Vor einer Blutspende werden viele medizinische Tests gemacht

„Definitiv, und das ist auch wichtig. Nur so können wir sichergehen, dass wir reines, gesundes Blut an Patienten weitergeben. Der Blutdruck und die Körpertemperatur werden gemessen, Infekte werden ausgeschlossen. Für den Spender ist das ein schöner Nebeneffekt. Unsere Ärzte müssen sehr detaillierte Tests machen, was beim Hausarzt manchmal aus zeitlichen oder finanziellen Gründen nicht möglich ist. Früher wurde das Blutspenden von manchen Leuten sogar genutzt, um das eigene Blut auf Krankheiten testen zu lassen. “

Eine Blutspende ist sehr zeitaufwendig

„Man muss schon ein bisschen Zeit mitbringen. Hektik und Stress können wir bei den Spendeterminen nicht brauchen. Insgesamt verbringen die Leute eine gute Stunde bei uns. Die Blutabnahme selbst dauert nur um die zehn Minuten. Die ärztliche Anamnese im Vorfeld und die Erholungsphase nach einer Spende brauchen aber ihre Zeit. Beide sind elementar wichtig. Nach einer Spende sollte man sich nicht sofort ins Auto hetzen und abdampfen.“

Blutspenden kann der Gesundheit schaden

„Selbstverständlich nicht. Niemand wird krank, weil er Blut gespendet hat. Ganz frei von Risiken ist der Vorgang aber nicht. Jeder, der schon einmal beim Blutabnehmen war, weiß es: Venen können platzen, oder Hämatome entstehen. Das passiert zwar wirklich sehr selten, aber das Risiko ist da. Das war es auch schon mit den Gefahren für den Spender. In aller Regel passiert also überhaupt nichts. Was man aber nicht außer Acht lassen darf, ist dass der Körper geschwächt wird. Bei der Blutspende werden etwa 0,5 Liter Blut abgenommen. Diesen Verlust merkt man als ungeübter Spender. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Freiwilligen einen ruhigen Abend verordnen. Sport und Stress sind nach dem Spenden tabu.“

Zum Blutspenden muss man mit nüchternem Magen erscheinen

„Das Gegenteil ist richtig. Der Körper eines Spenders muss gestärkt sein. Man sollte satt kommen und über den ganzen Tag verteilt genügend getrunken haben. Sonst kann es passieren, dass die Spender bei der Blutabnahme kollabieren. Es kommt oft vor, dass unsere Ärzte jemandem noch ein Getränk vor der Spende verordnen. Wir sind deshalb bei den Spendeterminen gut mit Getränken und Speisen ausgestattet.“

Fürs Blutspenden bekommt man einen kleinen Geldbetrag

„Nein. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Das würde das falsche Signal senden und vielleicht Menschen anlocken, die nur aus monetären Beweggründen zum Spenden kommen. Das könnte im Übrigen auch dazu führen, dass diese Spender mit der Aussicht auf einen kleinen Geldbetrag bei der Anamnese nicht ganz ehrlich sind oder wichtige Informationen verschweigen. Das wollen wir um jeden Preis vermeiden. Wir sind froh, dass es viele Menschen gibt, die bereit sind, etwas Gutes zu tun, ohne dafür bezahlt zu werden. Mit leeren Händen gehen die Spender aber nicht heim: Wir bieten jedem eine Brotzeit an und geben ihnen ein kleines Präsent als Dankeschön.“

Wenn man es richtig kühlt, kann man das Blut ewig lagern

„Falsch. Die Konserven dürfen höchstens sechs Wochen lang aufbewahrt werden. Danach müssten wir sie vernichten. So lange bewahren wir aber nichts im Lager. Die Reserven sind nahezu immer leer, das gespendete Blut bleibt höchstens ein paar Tage bei uns. Aber sechs Wochen? Das haben wir nie geschafft. Das wäre der reine Luxus für uns. Der Zustand unseres Lagers zeigt übrigens ganz deutlich, wie wichtig es ist, dass wir viele zuverlässige Spender gewinnen können.“

Seltene Blutgruppen werden eher benötigt als häufige

„Das stimmt nicht. Naturgemäß gibt es weniger Spender, die eine seltene Blutgruppe wie zum Beispiel AB negativ haben – dementsprechend gibt es auch weniger Patienten mit dieser speziellen Blutgruppe. Andersherum gibt es sehr viele Patienten mit weitverbreiteten Blutgruppen wie A positiv, und wir brauchen deshalb auch viele Spender mit dieser Blutgruppe. Kurzum: Wir brauchen alles. Besonders beliebt sind aber Spender mit Blutgruppe 0. Dieses Blut können wir nämlich an jeden Patienten weitergeben. Diese Universalspender sind bei uns ganz besonders begehrt.“

Zum Blutspenden muss ich Unterlagen wie einen Blutspendeausweis mitbringen

„Das wäre gut, ist aber nicht unbedingt notwendig. Was jeder dabei haben muss, ist ein Personalausweis oder ein anderes amtliches Dokument. Wir müssen jeden Spender dokumentieren. Wer seinen Blutspendeausweis mitnimmt, erleichtert es unseren Mitarbeitern. Wir können die Daten aber auch am PC aufrufen, wenn jemand den Ausweis vergisst.“

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Wer Blut spenden möchte, hier die nächsten Termine des Bayerischen Roten Kreuzes:

• Freitag, 30. August, 16 bis 20 Uhr, Evangelisches Gemeindezentrum Bad Tölz, Schützenweg 10;

• Montag, 16. September, 16 bis 20 Uhr, Grund- und Hauptschule Wolfratshausen, Hammerschmiedweg 8;

• Dienstag, 17. September, 16 bis 20 Uhr, Grund- und Hauptschule Wolfratshausen, Hammerschmiedweg 8;

• Freitag, 20. September, 16 bis 20 Uhr, Mittelschule Lenggries, Geiersteinstraße 11;

• Freitag, 27. September, 16 bis 20 Uhr, Evangelisches Gemeindezentrum Bad Tölz, Schützenweg 10;

Weitere Infos und alle Termine auf der Internetseite www.blutspendedienst.com. Das BRK sucht ehrenamtliche Helfer, die den Spendedienst in den Gemeinden Lenggries und Benediktbeuern unterstützen.

Dominik Stallein

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