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Seltenes Exemplar: Die Plakette von Ingrid Schnaller weist auf den Kirchweihritt im Jahr 1989 hin. Er war eine einmalige Veranstaltung in der Loisachstadt. Aber jetzt könnte es eine Neuauflage geben. 

Erich Brockards unerfüllter Traum

Neuauflage des Kirchweihritts?

Wolfratshausen - Der Kirchweihritt im Jahr 1989 blieb eine einmalige Veranstaltung. Jetzt wollen Bürger den Ritt wieder organisieren.

Beim Durchstöbern einiger Antiquitäten fiel Ingrid Schnaller eine Plakette in die Hände. „Wolfratshauser Kirchweihritt 1989“ steht darauf. Bei der Werbekreis-Chefin sorgte das für Verwirrung – von einem Kirchweihritt in der Loisachstadt hatte sie noch nie gehört. Schnaller wurde neugierig und machte sich auf Spurensuche: Was hat es mit der Plakette auf sich?

Ingrid Schnaller fotografierte das bronzene Erinnerungsstück und stellte das Bild auf Facebook online. Dort hoffte sie auf Antworten, was es damit auf sich hat. „Wer kann helfen?“, fragte sie die Mitglieder der Gruppe „Du bist aus Wolfratshausen“. Auf der Online-Plattform findet sich anfangs niemand, dem der Kirchweihritt im Jahr 1989 ein Begriff ist. Auch der Wolfratshauser Hobby-Historiker und Kulturpreisträger, Christian Steeb, erinnert sich nicht an eine solche Veranstaltung. Nach einigen Stunden des Rätselratens meldet sich ein anderes Wolfratshauser Urgestein zu Wort. Franz Gehring, Hauptamtsleiter des Rathauses, erinnert sich an den Kirchweihritt.

„Der damalige Bürgermeister Erich Brockard hat ihn ins Leben gerufen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Aktion war ein voller Erfolg: „Das war damals richtig gut besucht.“ Der Zug durch die Wolfratshauser Altstadt lockte viele Zuschauer und Teilnehmer an die Marktstraße. Sogar die berittene Polizei aus Weilheim nahm an der Veranstaltung teil. Gehring, der seit dem Jahr 1978 im Rathaus arbeitet, konnte seine Kontakte zur Weilheimer Dienststelle nutzen, bei der er vor seinem Engagement in der Stadtverwaltung gearbeitet hatte.

Der SPD-Bürgermeister Brockard wollte mit dem Wolfratshauser Kirchweihritt eine jährliche Tradition in der Flößerstadt schaffen, sagt Gehring. Es kam jedoch anders: Bei der Kommunalwahl im Jahr nach der Veranstaltung wurde der Rathauschef abgewählt. Peter Finsterwalder (CSU) übernahm den Chefsessel im Stadtrat. „Finsterwalder wollte den Kirchweihritt nicht mehr weiterführen“, erinnert sich Gehring. Es blieb bei der einmaligen Sache 1989.

Warum sich Finsterwalder so entschied, weiß der Amtsleiter nicht mehr. Seitdem wurde nicht mehr über die Veranstaltung gesprochen. „Es gab keine öffentlichen Überlegungen, das erneut auszurichten“, so Gehring. Das könnte sich nun ändern: Seit Ingrid Schnaller den Kirchweihritt wieder in den Fokus rückte, melden sich auf der Plattform Facebook immer mehr Wolfratshauser, die eine Neuauflage organisieren möchten. Sogar der Leiter der Wolfratshauser Stadtkapelle, Christian Tomsu, sagte eine Teilnahme der Musiker zu, wenn es einen neuen Kirchweihritt in der Stadt geben würde.

Ob es dazu kommt, steht in den Sternen. „Das müsste vom Kulturausschuss oder dem Stadtrat veranlasst werden“, sagt Gehring. Er selbst wäre nicht abgeneigt: „Denkbar ist vieles.“ Womöglich erfüllt sich der Wunsch von Erich Brockard, eine Tradition zu schaffen, über 25 Jahre später als gedacht.

Dominik Stallein

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